Soll man nun diesen Menschen auch die Möglichkeit geben, sich mit einem Titel zu inszenieren, der auf ihre schulischen Leistungen verweist? Ein "Ak." vor dem Namen, wenn´s ein Akademiker ist, ein "Ab." davor, wenn er ein "Abitur" hat?

Nein, das ist doch Blödsinn, diese ganze Titel-Huberei. Titel müssen ganz raus aus den Namen! Es reicht, wenn man erfährt, dass einer Professor an der Uni ist und den Titel kann er dann in seinem Lebenslauf anführen, wenn er sich für eine entsprechende Stelle bewerben will.

Geht man über den Bamberger Friedhof, kann man sich prächtig amüsieren über die Apotheker-Witwe oder die Hofrats-Witwe. Ja, solche Verweise auf den Beruf oder den Titel des Gatten haben vor nicht allzu langer Zeit auch etwas Glanz der eigenen Person zugeschachert.

Und wie ist es mit dem "Leutnant der Reserve"? Arrivierte Bürgerliche zerrissen sich für einen solchen Titel noch zur Zeit des 1. Weltkriegs, war doch der Leutnant-Titel nur denen vorbehalten, die aus dem Adel kamen. Auch hier indirekt etwas Glanz auf der eigenen blassen Persönlichkeit.

Schafft die Titel als Namenszusatz endlich ab. Die Krankenschwester, der Dachdecker ... - so viele Menschen vollbringen fleißig große Leistungen und die Achtung vor jedem Einzelnen von ihnen sollte sich mit ihren jeweiligen Namen verbinden! Schau da, das ist die Frau soundso! Ach die ist das. Ja, von der hab ich schon viel gehört.

Und noch etwas: Man sorge endlich dafür, dass hinter einem Doktortitel auch annähernd gleiche Leistungen stecken. Ein Mediziner kann mitunter in zwei Monaten promovieren. Ein Geisteswissenschaftler braucht schon mal zwei Jahre und manch ein Naturwissenschaftler auch schon mal doppelt so lange. Wo ist denn da eine Gerechtigkeit? Und dies vor allem angesichts der Tatsache der großen Augen, die ein solcher Titel noch bei der Mehrheit der unwissenden Bevölkerung verursacht.

Als Germanistikstudent habe ich öfter Doktorarbeiten von Medizinern korrigieren dürfen - auf korrekte Rechtschreibung und ordentlichen Satzbau hin. Manch einer von ihnen prahlte auch damit, in wie kurzer Zeit er das zu Blatt gebracht hätte. Der Doktorvater hatte ein umfänglicheres Projekt im Treiben und der Promovierende berichtete über eine kleine Testreihe daraus - auf 30 Seiten, mit Bleistift geschrieben. Das erinnerte mich dann an geisteswissenschaftliche Doktorarbeiten um 1900, die damals auch nicht besonders umfangreich waren.

Nein, sorgt für vergleichbare Anforderungen und schafft den Titel als Namenszusatz ab. Dann wird sich auch keiner mehr - wie der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer - um ein "kleines" (?!) Doktorat bemühen.