Es hat Methode:

Am 18. Juni titelt inFranken.de dick und fett:

Radler verletzt sich in Bamberg schwer

Noch einmal: ... verletzt sich ...

Im Text steht dann aber: "Ein Autofahrer hat in der Memmelsdorfer Straße in Bamberg einen Radfahrer übersehen."

Während der flüchtige Leser schnell durchblättert, gewinnt er den Eindruck, der Radler habe (den Unfall und) die Verletzung selbst verschuldet. Nur, wer am Thema interessiert ist und weiterliest, erfährt die Wahrheit.

Die Memmelsdorfer Straße weist überwiegend benutzungspflichtige Radwege auf. Die Benutzungspflicht ist rechtswidrig. Denn weder liegt auf der Fahrbahn eine in der Örtlichkeit begründete, das normale Maß erheblich übersteigende Gefahrenlage vor. Das aber wäre gemäß Straßenverkehrs-Ordnung zwingend erforderlich, damit die Anordnung benutzungspflichtiger Radwege oder Radfahrstreifen überhaupt in Erwägung gezogen werden darf. Noch entsprechen die Radwege auch nur im entferntesten den qualitativen Anforderungen, die nach dem geltenden Verkehrsrecht zwingend erfüllt sein müssen.

Ungeachtet dessen: Hätte der Radfahrer einen benutzungspflichtigen Radweg ignoriert, hätte der polizeiliche Unfallbericht dies zweifellos deutlich herausgestellt und ohne weitere Ursachenforschung suggeriert, dies sei für den Unfall verantwortlich (siehe Motorrad-Fahrrad-Kollision zwischen Bug und Pettstadt!).

Mit Fug und Recht darf daher angenommen werden, daß der Radfahrer den Radweg benutzt hat. Genau dies aber führt vielfach zu Unfällen. Denn die Vorfahrt des Radverkehrs auf gesonderten Wegen wird sehr häufig mißachtet. Es ist eine der gewichtigsten Unfallursachen für Radfahrer. Genau deshalb darf Benutzungspflicht nur in wenigen begründeten Ausnahmefällen angeordnet werden. Doch das möchten die Behörden nicht zugeben - wollen sie doch weiterhin, meist unter Mißachtung der rechtlichen Vorgaben (!) - die Zweiradfahrer von der Fahrbahn verbannen. Und da dürfen die polizeilichen Unfallmeldungen eben nicht alle wichtigen Details preisgeben.