Eigentlich ganz normal:

Mein Kind erzählt mir nachmittags, was es, mit dem Fahrrad unterwegs, auf dem morgendlichen Schulweg erlebt hatte. Ein Autofahrer überholt mit nur wenigen Zentimetern Seitenabstand (vorgeschrieben sind laut Rechtsprechung mindestens 1,5 bis 2,0 m), streift beim Wiedereinscheren beinahe das Fahrrad und geht anschließend voll in die Bremsen, da der Verkehrsablauf überhaupt keine ausreichende Lücke für den Überholvorgang belassen hatte. Nur dank der langjährigen Erfahrung (im Alter von drei Jahren mit dem Radfahren begonnen) konnte mein Sprößling situationsgerecht reagieren und einen Unfall vermeiden.

Kurz vor diesem Bericht hatte mich, gleichfalls radfahrend, der Fahrer eines Omnibusses aus dem Haßbergekreis aggressiv angehupt und, erregt mit einem Arm fuchtelnd, auf den Radweg gewiesen. Doch dieser ist nicht benutzungspflichtig (StVO, §2-4), was gerade ein Berufskraftfahrer wissen sollte. Denn die entsprechende Änderung der StVO ist im Herbst 1997, vor mehr als 17 Jahren, in Kraft getreten. Grund: Gerade straßenbegleitende Radwege sind besonders unfallträchtig, von ihrer häufig mangelhaften Qualität ganz abgesehen.

Dann waren wir, mein Nachwuchs und ich, gemeinsam unterwegs. Die Kreuzung Peuntstraße / Pfisterstraße mit der Nürnberger Straße ist gerade erst umgestaltet worden. Arglose Gemüter werden vermuten, dies sollte die Sicherheit verbessert haben - weit gefehlt. Schließlich gibt es die Bamberger Straßenbau- und Verkehrsbehörden:

Stadtauswärts zwingt ein auf der Verkehrsinsel stehender Mast nach wie vor den Radweg benutzende Pedalisten, in den Fahrstreifen der Fahrbahn zu wechseln. Ein mit Leitlinie markierter "Schutzstreifen" signalisiert: Autofahrer dürfen diesen nur bei Bedarf (der ist durch die zu schmale Restfahrbahn unweigerlich gegeben) und unter besonderer Rücksichtnahme auf den Fahrradverkehr benutzen. Obgleich ich vorsichtshalber darauf geachtet hatte, daß der nächste Pkw weit genug hinter mir war, brachte dieser mich beinahe zu Fall. Denn statt wie vorgeschrieben hinter mir zu verbleiben, bis wieder ausreichend Platz zur Verfügung stand, zwängte er sich beschleunigend an der engsten Stelle so dicht an mir vorbei, daß er mich, aber auch den Gegenverkehr fast touchierte. Ich schwitzte Blut und Wasser bei dem Gedanken, mein die Stelle kurz zuvor passiert habendes Kind wäre in diesem Moment an meiner Statt gewesen.

Da begann der nächste Morgen schon nahezu geruhsam: Ich fragte einen Autofahrer, der sein Gefährt seelenruhig auf dem Radweg angehalten hatte, ob während der Führerscheinausbildung keine Verkehrsregeln mehr unterrichtet würden. Ohne den Anflug eines schlechten Gewissens erwiderte er, er habe doch nur seine Tochter aussteigen lassen. Meinen Einwand: "Aber nicht auf dem Radweg!" quittierte er mit verständnislosem Gesichtsausdruck.

Die schlechten Noten Bambergs bei den vergangenen Fahrradklimatests erklären sich quasi von allein.