Kommen jetzt EBN, STE, EBS und HÖS im Landkreis Bamberg? Der Landkreis Bamberg hatte sich – anders als der rivalisierende Landkreis Bayreuth – bislang einer Wiedereinführung von Altkennzeichen widersetzt. Auch der Landkreis Coburg hatte nur NEC (Neustadt b.C.) wieder zugelassen – möglich wären auch STE und EBN gewesen. Jetzt gibt es gute Nachrichten: die Kennzeichenliberalisierung wird fortgesetzt.

Jüngste Entwicklung

Nach einem Landratswechsel sind vom 25. Juli 2014 an nun auch im Landkreis Landshut Altkennzeichen erhältlich. Neben dem bisherigen LA für Landshut können die Bürger/innen im Landkreis Landshut künftig zwischen den neuen Kennzeichen ROL (Rottenburg/Laaber, Kreis Landshut), VIB (Vilsbiburg, Kreis Landshut), MAL (Mallersdorf, Kreis Straubing-Bogen) und MAI (Mainburg, Kreis Kelheim) wählen.

Auch im Landkreis Hof hat der neue Landrat die Wiedereinführung der Altkennzeichen MÜB (Münchberg), NAI (Naila) und REH (Rehau) auf den Weg gebracht – die Wiedereinführung steht kurz bevor.

Für Lüdinghausen im Münsterland (Kreis Coesfeld) gibt es ebenfalls gute Nachrichten. Die Lüdinghausener hatten zeitgleich mit Ebern erfolgreich um ihr altes Nummernschild gefochten. Das LH-Kennzeichen soll es jetzt bald auch im Nachbarkreis Unna geben, nachdem es im Kreis Coesfeld bereits erhältlich ist.

Trend zu Altkennzeichen ungebrochen

Damit zeichnet sich ein Trend ab, Altkennzeichen flächendeckend einzuführen. Immer mehr Landkreise lassen Kennzeichen ihrer Altlandkreise zu, auch wenn die betreffende namengebende ehemalige Kreisstadt im Nachbarlandkreis liegt. Diese Praxis, das gleiche Altkennzeichen in mehreren Landkreisen auszugeben, findet immer mehr Zustimmung. Der Landkreis Hassberge ist diesem Prinzip bereits gefolgt, in dem er GEO (Gerolzhofen, Kreis Schweinfurt) ermöglicht hatte. In Baden-Württemberg überlegt die dortige Landesregierung, diese Vorgehensweise ebenfalls zu übernehmen.

In Bayern verschwinden immer mehr weiße Kennzeichenflecken auf der Landkarte. Landkreise, in denen sich bisher nichts bewegt hatte, dürften damit weiter unter Handlungsdruck geraten. Denn sobald ein Altkennzeichen zugelassen worden ist, sollen sich laut Vorgaben eigentlich auch die Nachbarkreise der Wiederzulassung anschließen, sofern der Kreis Anteil am entsprechenden Altkreis durch die Kreisgebietsreform von 1972 erhalten hatte.

Landkreise Bamberg und Coburg in Zugzwang

In unserer Region stehen nun die Landkreise Bamberg und Coburg unter Zugzwang, Altkennzeichen wie zum Beispiel EBN (Ebern), STE (Bad Staffelstein), EBS (Ebermannstadt) und HÖS (Höchstadt a.d.Aisch) freizugeben.

Im Landkreis Bamberg schob man es im letzten Jahr unter anderem auf ein untüchtiges EDV-Verwaltungsprogramm, das der Wiedereinführung der Altkennzeichen entgegengestanden hätte. Doch dieser Vorwand kann nun tüchtig entkräftigt werden:

EDV im Januar 2015 auch in Bamberg fit

Die Möglichkeit der Kennzeichenmitnahme bei Umzug in einen anderen Landkreis ist vom 1. Juli 2014 auf den 1. Januar 2015 verschoben worden. Grund: Die EDV vieler Kfz-Zulassungsstellen sei noch nicht fit genug für diese Anforderungen, es müsse aufgerüstet werden. Damit stehen dann ab 1. Januar 2015 auch dem Landkreis Bamberg die technischen Möglichkeiten zur Wiedereinführung der Altkennzeichen zur Verfügung. Ausreden kann es dann also keine mehr geben. Und einen neuen Landrat gibt es auch.

Kreisgrenzen sind keine Landesgrenzen

Landkreise sollten sich nicht als territoriale Kleinstaaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation begreifen. Ein einheitliches Kfz-Kennzeichen ist ebenso überflüssig wie ein „Kreisidentitätsgefühl“. Kreisgrenzen sind keine Landesgrenzen. Im 21. Jahrhundert sind Weltoffenheit, Flexibilität, Liberalität und Mobilität gefordert. Jedwede Abschottungsbestrebungen nach dem Motto „dann könnte ein Buttenheimer EBN wollen“ laufen der Moderne zuwider.

Der weiße Fleck muss weg

Kreisgrenzen dürfen weder Landschaften zerschneiden, wie es jüngst ein Erlanger Professor formuliert hatte, noch dürfen sie Mauern in den Köpfen aufbauen. Gefragt ist die Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger. Sie müssen selbst die Wahlmöglichkeit haben, welche Buchstabenkombination sie an ihr Kraftfahrzeug anbringen möchten. Es ist ihr selbst finanziertes Fahrzeug. Der Trend ist klar. Der letzte große weiße Fleck muss weg. Wie sagte schon König Friedrich II., der Alte Fritz: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“