Der Stadt Ebern steht Anfang des Jahres 2016 erneut eine der bittersten historischen Stunden seit der Zwangseingliederung in den Landkreis Hassberge bevor.

Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte steht die wohnortnahe ärztliche Versorgung der Bevölkerung nachts und am Wochenende auf dem Spiel. Sobald die Bereitschaftspraxis am Kreiskrankenhaus Hassfurt eingerichtet ist, entfällt der ärztliche Bereitschaftsdienst für den Nahbereich Ebern.

Klaubt man sich aus den verschiedenen bisherigen Veröffentlichungen die Informationen zusammen, so ergibt sich für mich folgendes Bild:

1. Eine Zentralpraxis in Hassfurt ist künftig für die hausärztliche Versorgung des gesamten Landkreises in der Nacht und am Wochenende zuständig.

2. Die Lokalpolitik hat im Wesentlichen vermutlich bisher nichts dagegen unternommen.

3. Offenbar bestehen an den drei Kreiskrankenhäusern (Ebern, Hofheim, Hassfurt) parallel Notfallpraxen, die zum Beispiel für die ambulante Versorgung von Schnittwunden zuständig sind. Pro Patientenbesuch würde der Landkreis als Krankenhausträger etwa 90 Euro an Behandlungskosten zuschießen müssen, hieß es in der Presse.

4. Der Landkreis Coburg bezuschusst die Fahrten zur Bereitschaftspraxis Coburg, so dass einem Patienten die einfache Taxi-Fahrt höchstens fünf Euro kostet. Das gilt für alle Gemeinden im Landkreis Coburg.

Nun meine Fragen:

Warum schafft man in Ebern am Krankenhaus denn keine Kombi-Praxis? Sie könnte sowohl Funktionen der Notfallpraxis des Krankenhauses als auch die einer hausärztlichen Bereitschaftspraxis übernehmen. Gerade für ländliche Regionen wäre das ein Modell, welches in einem „Pilot-Projekt“ getestet werden sollte.

Ist es im Ernst sinnvoll, dass sonntags ein Patient mit einer Schnittverletzung in der Eberner Notfallpraxis behandelt werden darf, ein Patient mit einer schmerzhaften Ohrentzündung aber zur Bereitschaftspraxis nach Hassfurt fahren muss?

Warum wurde im Landkreis Hassberge keine weitgehende Taxi-Fahrtkostenerstattung zur Bereitschaftspraxis zumindest erörtet? Der Landkreis Coburg beweist, dass dies möglich ist!

Ich hoffe, dass Kreis- und Stadtpolitiker zu den Fragen Stellung nehmen und nicht, wie heute leider oft üblich, versuchen, die Sache auszusitzen.