Gundelsheim - Aufgrund hohen Verkehrsaufkommens musste eine 17-jährige mit ihrem Fahrrad am Dienstagnachmittag in der Hallstadter Straße äußerst rechts fahren und geriet dabei an die Bordsteinkante. Beim Sturz erlitt sie leichte Verletzungen, die im Klinikum behandelt werden mussten.“

Buttenheim - Nach langwierigen Verhandlungen kann nun die Kreisstraße BA 9 zwischen Buttenheim und der Landkreisgrenze bei Unterstürmig ausgebaut werden. ... Rund eineinhalb Meter wird die bestehende Straßenkuppe abgetragen. Die Kurven werden geringfügig begradigt und die Fahrbahnbreite auf sechseinhalb Meter verbreitert. ... Michael Dotterweich vom Fachbereich Kreiseigener Tiefbau bedauerte es, dass bei dieser Maßnahme ein begleitender Geh- und Fahrradweg nicht umgesetzt werden kann.“

Auf den ersten Blick erschließt sich der Zusammenhang zwischen den beiden Meldungen im Fränkischen Tag vom 14. Mai dieses Jahres nicht. Und doch ist er nicht zu leugnen:

Kein Radfahrer, keine Radlerin ist durch hohes Verkehrsaufkommen gezwungen, so weit rechts am Bordstein zu fahren, daß dies zur Gefahr wird. Die Rechtsprechung hat längst klargestellt: „Es ist möglichst weit rechts zu fahren“ (StVO §2-2), hindert nicht an der Einhaltung eines seitlichen Sicherheitsabstands zum Fahrbahnrand. Dieser soll, einschlägigen Urteilen zu Folge, bei etwa einem Meter liegen.

Das extreme Rechtsfahren, das leicht zu Stürzen wie dem geschilderten führt, beruht auf zwei Ursachen: So legt vor allem die polizeiliche Verkehrserziehung solch gefährliches Verhalten nahe. Denn den Beamten ist offensichtlich wichtiger, daß der Autoverkehr ungehindert vorbeifließen kann - häufig ohne den erforderlichen Seitenabstand von - gemäß Rechtsprechung - mindestens 1,5 bis 2 m zum Radfahrer. Und ein nicht unerheblicher Anteil der Autofahrer verhält sich gegenüber Radlern, die vorschriftsgemäß fahren und sich eben nicht riskant an den Rand zwängen, aggressiv und nötigend.

Daß Straßen, die den „optischen Durchschuß“ ermöglichen, zum Rasen geradezu einladen, ist lange bekannt. Zahlreiche Kreuze an schnurgerade ausgebauten „Rennstrecken“ belegen dies. Das Abtragen der Kuppe sowie die vorgesehenen Kurvenbegradigungen auf der BA 9 leisten genau dem Vorschub.

Nun sind benutzungspflichtige Radwege ein fragwürdiges Element der Verkehrsführung und daher seit 1997 laut StVO rechtfertigungsbedürftige Ausnahme. Denn ihr Gefahrenpotential gerade an Knotenpunkten (Kreuzungen, Einmündungen, Grundstückszufahrten) ist immens, während auf der Fahrbahn Kollisionen zwischen Kraftfahrzeugen und Fahrrädern entlang der Strecke höchst selten vorkommen. Dennoch bevorzugen gerade unsichere Radler eigene Wege - ihnen darf nur nicht, wie derzeit aber üblich, eingeredet werden, sie wären dort per se sicher. Zudem erfüllt nahezu kein Radweg in Stadt und Landkreis Bamberg die qualitativen Vorgaben, die als anerkannter Stand der Straßenbautechnik in diversen Regelwerken festgehalten sind. Vor allem das Mindestmaß von 2,5 m Querschnitt auf gemeinsamen Geh- und Radwegen wird nur selten eingehalten, von der nicht selten unfallträchtigen und behindernden Linienführung an Kreuzungen und Einmündungen ganz zu schweigen.

Zum Grundlagenwissen jeder Verkehrs- und Straßenbaubehörde gehört andererseits: Die für Radfahrer gefährlichste Fahrbahnbreite ist der Bereich zwischen 6 und 7 m. Bei vorhandenem Gegenverkehr fehlt der Raum, Radfahrer mit dem Kraftfahrzeug bei Einhaltung des erforderlichen Seitenabstands zu überholen. Doch verleitet das vorhandene Platzangebot, sich ohne Beachtung dieser (oft lebenswichtigen) Distanz vorbeizudrängeln. Dessen ungeachtet, ist genau dieser Querschnitt bei Straßenbauern augenscheinlich sehr beliebt.

Somit wird die BA 9 ohne Geh- und Radweg, aber in der für den Radverkehr gefährlichsten Breite und mit zum Rasen einladenden „Verbesserungen“ ausgebaut. Nur um den Kreisverkehr an der Staatsstraße 2960 - hier wäre die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn zweifellos die sicherste Variante - werden die Radler auf gefährliche, unzureichende, mit Hindernissen verbaute und vorfahrtrechtlich untergeordnete, also höchst hinderliche Radwege verwiesen, um sich anschließend, weitgehend ungesichert, wieder auf die Fahrbahn begeben zu müssen - jenseits jeglicher rechtlichen und fachlichen Grundlage.

Mit welcher Berechtigung strebt der Landkreis Bamberg eigentlich die Vollmitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern an?