Ich sitze im Konzert. In einem von der besonders beeindruckenden Sorte. Auch die anderen Zuhörer sind begeistert, klatschen euphorisch, verlangen nach einer Zugabe. Die Musiker spielen eine Zugabe. Und noch eine. Und noch eine. Aber irgendwann ist dann tatsächlich Schluss.
Hinter mir mault einer im Publikum. Dass "die" sich nicht so anstellen und nicht so faul sein sollen. Und dass "die" doch wirklich noch einige Zeit hätten weiterspielen können.
Mir fällt in diesem Moment wieder ein, was eine Künstlerin vor langer Zeit einmal zu mir gesagt hat: "Stell Dir vor, Du sitzt am Freitagnachmittag im Büro. Du hast die ganze Woche geackert, hast Dich auf diverse Meetings gut vorbereitet, hast gewissenhaft dafür gesorgt, dass alles, was zu erledigen ist, zum Feierabend erledigt ist. Pünktlich und korrekt. Und dann kommt Dein Chef, klatscht Applaus, lobt Dich für Deine Leistung und sagt: Sie haben das so toll gemacht. Arbeiten Sie doch bitte noch eine Stunde länger!"
Klar, ein bisschen hinkt der Vergleich. Aber nur ein bisschen. Applaus ist das Brot des Künstlers, sagt man. Aber auch Künstler haben ein Leben jenseits der Bühne, haben Familie, Hobbys und den Wunsch nach ein bisschen Zeit für sich. Künstler planen in der Regel Zugaben ein. Eine. Noch eine. Und eine dritte. Aber dann muss auch mal Schluss sein. Ich kann das verstehen.
Schade finde ich es schon, wenn ein schönes Konzert zu Ende ist. Aber maulen, weil da auf der Bühne jemand "faul" ist? Das darf, so meine ich, nur der, der im Falle des Falles am Freitagabend im Büro sagt: "Klar Chef. Für dich arbeite ich doch gerne ganz spontan länger. Solange Du willst.Umsonst."