Der Arbeitsauftrag liest sich unspektakulär: Errichtung eines Winterlagers in Holzständerbauweise unter der Holzterrasse einer Berghütte, bestehend aus zwei Aufenthalts- bzw. Schlafräumen und einem Skidepot.
Eigentlich Routine für den selbstständigen Zimmermann Thomas Bock aus Hutschdorf, der sich neben Holzbauten auch auf den Innen- beziehungsweise Trockenausbau spezialisiert hat.

Das Besondere: Die Baustelle ist die Martin-Busch-Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) und befindet sich in den Ötztaler Alpen auf gut 2500 Metern Höhe. Das Schwierige: Der Materialtransport und die -auswahl.
Zu der abgelegenen und von Gletschern umgebenen Hütte in den österreichischen Zentralalpen gelangt man nicht mit dem Auto, sondern entweder vom Südtiroler Bergsteigerdorf Vent aus nach einem dreistündigen Fußmarsch - oder per Hubschrauber. Das wiederum ist ein teurer und witterungsabhängiger Spaß, schlägt ein Flug doch mit rund 600 Euro zu Buche.


Wenig Platz für Materialien


Eine logistische Herausforderung also für einen Handwerker wie Thomas Bock, der per Hubschrauber tonnenweise sperrige Gipskartonplatten, Bauholz, Fenster und Werkzeuge in die Abgeschiedenheit der Berge transportieren musste. Vergesslichkeit kann auf einer solchen Baustelle, auf der mangels Anschluss an ein öffentliches Versorgungsnetz mit Wasser und Energie äußerst sparsam umgegangen werden muss, verheerende Folgen haben.

Da die Hütte in einen steilen Berghang gebaut ist und zeitgleich mehrere Firmen mit der auf Grund verschärfter Brandschutzvorschriften nötigen Sanierung beschäftigt waren, waren auch die Platz- und Lagermöglichkeiten sehr begrenzt. Kooperieren und improvisieren - lautete deshalb die wichtigste Regel für die "Hand-in-Handwerker" in dieser rauen Bergwelt, in denen sich binnen weniger Minuten die Wetterverhältnisse grundlegend ändern können.

Um die umfangreichen Baumaßnahmen wie vereinbart binnen 14 Tage abzuwickeln, setzte Thomas Bock sein eigenes Team ein, bestehend aus vier von ihm entlohnten Zimmerleuten (Robert Sauerteig, Claudius Kaas, Michael Kaas, Ralf Frühauf) aus dem Raum Kulmbach.

Wie aber kommt ein Ein-Mann-Unternehmen aus dem kleinen Thurnauer Ortsteil an einen Auftrag der Berliner Sektion der Großorganisation Deutscher Alpenverein? Über eine europaweite Ausschreibung sicherlich nicht. Vielmehr sind es persönliche Kontakte zu den DAV-Verantwortlichen aus der Millionenmetropole, die Thomas Bock schon öfters ähnliche außergewöhnliche Aufträge verschafft haben.


Arbeit und Urlaub verbinden


Reich wird man als Handwerker mit derartigen Aufträgen allerdings nicht, da bei Organisationen wie dem DAV viel auf ehrenamtlicher Basis abläuft. "Es gibt sicherlich lukrativere Arbeiten, die auch leichter zu realisieren sind. Aber so etwas macht man ja nicht des Geldes wegen. Da ist viel Idealismus dabei", sagt Bock und schmunzelt. Denn der 36-Jährige ist selbst ein begeisterter Tourengeher und Kletterer, er liebt die Berge. Und deshalb erfüllt er diese Aufträge quasi als "arbeitender Urlauber".

Auch wenn die Unterbringung sowie Versorgung äußerst spartanisch und der Tagesablauf (arbeiten - schlafen - arbeiten) recht unspektakulär ist - der Erholungsfaktor ist dennoch enorm.