Wenn Landwirt Dominik Greim (34) und seine Frau Martina (30) in den Stall kommen, werden sie mit lautstarkem Gemeckere begrüßt. Rund 140 Ziegen leben auf dem Aussiedlerhof in Marktschorgast. Die kleinen werden auch mal auf den Arm genommen und geknuddelt, die großen eher nicht. Die Greims haben weiße und braune Ziegen, mit und ohne Hörner. "Wir haben die braune deutsche Edelziege und die weiße deutsche Edelziege", erklärt der 34-jährige Landwirt. Einige haben Hörner, einige nicht. Einige weibliche Ziegen haben auch einen Bart, manche tragen auch ein Glöckchen. "Wovon das abhängt, weiß man nicht", sagt der Experte.

"103 der Ziegen werden täglich zwei Mal gemolken", erklärt Greim und zeigt das Prozedere. Nach dem Füttern treibt er mit seiner Frau Martina (30) die Ziegen zusammen. Das ist ganz einfach, denn die Tiere wollen ja gemolken werden - wie die Kühe. Dann marschieren die Ziegen der Reihe nach in den Melkstand. Die älteren und erfahrenen Tiere gehen voraus, stellen sich ganz von selbst in die Boxen und stecken ihren Kopf tief in die Futtertröge. Denn während des Melkens gibt es Kraftfutter. Das schmeckt ihnen.

Zwei Mal zieht der Landwirt per Hand am Euter, dann setzt er die automatische Melkeinrichtung auf. Schon fließt die Milch. Dominik Greim kann über eine digitale Anzeige die Melkzeit und die Milchmenge, die die Ziege geliefert hat, ablesen. Die Milch fließt automatisch in den Edelstahltank im Nachbarraum. Mehr als 2100 Liter kommen pro Woche zusammen.

Liebling wird durchgefüttert

Bei einer Ziege setzt Greim nur ein Melkhütchen auf. "Das ist die Lieblingsziege unserer Tochter, die hatte einmal eine schlimme Entzündung, seitdem funktioniert nur noch eine Seite. Aber die Ziege wird durchgefüttert", lacht der Landwirt. Denn natürlich hat so ein Lieblingstier Sonderrechte.

Die Melkzeiten sind bei den Greims morgens auf halb sieben Uhr und abends auf 18 Uhr festgelegt. "Jede Ziege gibt am Tag etwa drei Liter Milch", erklärt Dominik Greim. Nach der Umstellung der Zeit fließt kurzzeitig jedes Jahr ein bisschen weniger Milch. Doch das macht dem Bauern keine Sorgen und ärgert ihn auch nicht groß. "Wir machen das so, dass wir am Ostersonntag früh noch nach der alten Zeit melken - also eine Stunde später. Aber abends melken wir dann nach der neuen Zeit. Das heißt, wir haben eben etwas weniger Milch, weil ja auch eine Stunde fehlt", verrät der Landwirt. Doch ab nächstem Tag ist dann der neue Rhythmus wieder korrekt. Und die Milchausbeute normalisiert sich.

Ob die Ziegen - ähnlich wie Menschen - unter einem Mini-Jetlag leiden und sich einige Tage erst an die neuen Zeiten gewöhnen müssen, wagt der Landwirt nicht zu sagen. "Ich glaube eigentlich nicht so sehr", mutmaßt er. Denn Futter steht ja schließlich den ganzen Tag in ausreichender Menge zur Verfügung - und sonst haben die Ziegen nun mal keine Termine.

Die Greims halten Ziegen - ähnlich wie die Inhaber von Milchviehbetrieben - wegen des "weißen Goldes". "Wir geben die Ziegenmilch direkt an die Molkerei ab. Und Ziegenmilch soll sehr gesund sein, auch bei Neurodermitis und so", sieht Dominik Greim durchaus einen Trend. Ein Großteil der Ziegenmilch wird zu Käse weiterverarbeitet. "Aber darum kümmern wir uns nicht mehr, auch nicht um die Vermarktung", erklärt der Landwirt.

Salami für den Hausgebrauch

Die Zicklein werden entweder groß gezogen oder an Mästereien verkauft. Denn sie gelten als Delikatesse - vor allem zum Osterfest. "Für den Hausgebrauch machen wir auch Ziegensalami, aber nur für uns", sagt der 34-Jährige und ist mit seiner etwas exotischen Art der Milcherzeugung sehr zufrieden. Tatsächlich schmeckt Ziegenmilch auch gänzlich anders als Kuhmilch. Sie enthält deutlich weniger Casein und mehr Albumine, also Eiweißkomponenten. Zudem hat Ziegenmilch mehr mittelkettige und weniger langkettige Fettsäuren. Das bedeutet: Sie kann schneller verdaut werden.


3 Abmarsch zum Melken - die Ziegen haben ihren festen Rhythmus intus

4 Per Blick auf die Anzeige kann Landwirt Dominik Greim sofort feststellen, wie lange gemolken wird und wie viel Milch fließt

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6 Der Ziegennachwuchs knuddelt noch mit den kleinen Katzen. Den kleinen Zicklein macht die Zeitumstellung nichts aus, denn Futter gibt es immer

7 Die kleinste Ziege im Stall wiegt gerade einmal drei Kilo - und ist einfach zu putzig

8 Während die einen Ziegen noch draußen anstehen, geben die ersten schon fleißig Milch ab