Wie mag es wohl zugegangen sein auf der Burg Nordeck, als Anfang des 16. Jahrhunderts der Raubritter Thomas von Absberg wohlhabende Kaufleute entführte und dort einkerkerte, um ein Lösegeld zu erpressen? Einen lebhaften Eindruck aus dieser Zeit wird Besuchern der Sehenswürdigkeiten im Stadtsteinacher und Pressecker Land schon bald die "Erlebnisachse Steinachtal - Unterwegs im Mittelalter" vermitteln. Das mit EU-Mitteln geförderte Projekt steht kurz vor seiner Vollendung. In der Stadtratssitzung am Montagabend präsentierten Burgenforscher Joachim Zeune aus Eisenberg-Zell und Menno Mennenga von der Firma Reunion Media aus Emden den aktuellen Entwicklungsstand der Initiative.

Infos auf verschiedenen Ebenen

Im Juli 2017 hatte der Stadtsteinacher Stadtrat das Büro für Burgenforschung Dr. Zeune mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt, mit dem sich die Stadt Stadtsteinach und die Gemeinde Presseck gemeinsam um eine EU-Förderung aus Leader-Mitteln beworben haben. Wenige Monate später lag die detaillierte Projektbeschreibung vor. Seit November 2018 ist die Finanzierung durch die EU-Förderzusage gesichert. Seither haben das Büro Zeune und die Entwickler von Reunion Media Gas gegeben, um die Vergangenheit zum Leben zu erwecken.

Entstanden ist ein Rundweg mit 15 Stationen, die besondere Erlebnisse versprechen und die auf verschiedene Weise multimedial entdeckt werden können. "Jede Station bekommt eine klassische Schautafel mit allen wesentlichen Infos. Dazu gibt es eine Karte im traditionellen Stil, die den Rundweg beschreibt", erläuterte Diplomingenieur Menno Mennenga von Reunion Media, Spezialist für kulturell-historische Visualisierungen.

Das Highlight der Entwicklung ist eine App fürs Smartphone, die all das möglich macht, was sich mit klassischen Medien bisher nicht zeigen lässt. Animierte Erzählung im Comicstil, Videoclips und Rekonstruktionen, die so in die Landschaft eingebettet sind, dass man sich direkt vor Ort auf dem Bildschirm einblenden lassen kann, wie es dort früher aussah.

Dabei habe man größten Wert darauf gelegt, so nah wie nur irgend möglich an der Realität zu bleiben, so Joachim Zeune. Der Rundweg solle spannend, sinnlich erlebbar und ansprechend gestaltet sein, dabei aber auf einem seriösen wissenschaftlichen Fundament stehen. Dies sei mit der Konzeption gelungen.

Der Weg beginnt an der Stadtmauer, geht vorbei am Heimatmuseum zur Schneidmühle am Eingang des Steinachtals bis zur Nordeck, weiter zur Steinachklamm und zum Waffenhammer auf Pressecker Gebiet. Über die Reste des vormaligen Burgstalls Wildenstein und Schlopp führt er nach Presseck zur Kirche und zum Felsengewölbe unter dem Pressecker Plateau. Dann geht es wieder bergab über die früheren Wehrspeicher in Schwand und die Erdhügelburg Vorderreuth zu den verbliebenen, wohl keltischen, Resten der Grünbürg zurück nach Stadtsteinach.

Einen Eindruck von dem, was die Nutzer der App erwartet, vermittelte eine kleine Vorführung: Die Stadträte sahen ein Video von der Entführung eines reichen Kaufmanns, der von der Nordeck entkommen konnte und in Nürnberg vor Gericht eine detaillierte Beschreibung der Burganlage gab. Auf dieser Grundlage haben die Entwickler eine detailreiche Rekonstruktion der Burg Nordeck vor ihrer Zerstörung im Jahr 1525 angefertigt.

Attraktion für Touristen

Stadtsteinachs Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD), der Pressecker Bürgermeister Siegfried Beyer (CSU) und die Stadträte zeigten sich beeindruckt. "Das ist eine spannende Kombination vieler Ebenen, mit der wir hoffentlich viele Gäste anziehen, die bei uns etwas Besonderes erleben wollen", so Wolfrum.

Mitte Juli soll die App fertig sein. Dann wird sie einem Feldtest unterzogen, damit auch alles optimal funktioniert. Zum Tag des offenen Denkmals im September könnte dann der offizielle Startschuss erfolgen, hofft Roland Wolfrum.

Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei rund 150 000 Euro, inklusive der Planungskosten. Die Stadt erhält einen Fördersatz von 70 Prozent. Neben dem Zuschuss über die Leaderförderung beteiligen sich auch der Landkreis und die Oberfrankenstiftung an der Finanzierung. Damit müssen Stadtsteinach noch 30 000 Euro und Presseck 15 000 Euro an Eigenmitteln aufwenden.