Auf eine Fingerkuppe passen Tausende von ihnen: Kügelchen, etwa 20 Mal kleiner als ein Stecknadelkopf. Aus Polyethylen sind die Winzlinge - und Überbleibsel aus der Zahnpaste oder dem Dusch-Peeling, das die Haut abschmirgelt und geschmeidig macht. Mit dem Wasser verschwinden die Partikel im Abfluss. Aus der Welt sind die damit lange nicht.

Mikroplastik ist in vielen gängigen Kosmetika enthalten, ebenso wie Silikon. Der Stoff, der Fenster abdichtet und die Fliesenfugen im Bad, ist als Bestandteil in den allermeisten Shampoos drin. Wer diese Inhaltsstoffe umgehen will, etwa beim Zähneputzen, dem bleiben Alternativen - wenn auch gewöhnungsbedürftige.

Rat und die passenden Hilfsmittel gibt es bei Christine Eßer-Böhner im Kressenstein. Die Inhaberin des Reformhauses hat schon von dem Plastik-Verweigerer aus der BR gehört und greift bei der Frage nach Zahnpasta ohne Kunststoffe und chemische Zusätze zielsicher zur Sole-Zahncreme.

"Löslicher Putzkörper"

Ob ich meinem Zahnarzt beim nächsten Besuch beichten soll, dass ich meine Beißerchen mit - so die Werbung - "einem löslichen Putzkörper aus Natriumcarbonat", sprich Salz, gereinigt habe? Noch dazu gezielt ohne Fluorid, was ja sonst als segensreich in der Zahnheilkunde postuliert wird. "Salz ist ein seit langem bekanntes und bewährtes Reinigungsmittel", sagt Christine Eßer-Böhner. "Es beugt Karies vor, weil es schädliche Säuren neutralisiert. Außerdem regen die Salzkristalle den Speichelfluss an, was wiederum die Zahnzwischenräume gleich ordentlich mit durchspült."

Der Selbsttest zeigt: Der salzige Geschmack der Sole-Zahncreme hat etwas von einer Meeresbrise zum Gurgeln und ist sicher nicht jedermanns Sache. Immerhin hilft der Nachgeschmack von Pfefferminzöl ein wenig darüber hinweg. Die Zunge allerdings muss sich dran gewöhnen, dass die Oberfläche der Zähne sich nach dem Putzen anfühlt, als würde man über eine fein strukturierte Raufasertapete lecken.

Erde in die Haare schmieren

Noch schwerer fällt es, sich die Haare zu waschen und dabei auf die bewährten Shampoos zu verzichten. Eine Möglichkeit, die zudem keine Tenside enthält: Lava-Erde, bei manchen Drogeristen auch als Heilerde im Sortiment. Die Produkte haben allerdings einige Transportkilometer auf der Krume - das Abbaugebiet ist unter anderem Nordafrika.

Christine Eßer-Böhner vertreibt Erde-Shampoo der Firma Luvos. Aber: in der Plastiktube! "Nun ja, der Inhalt würde in einer Papier- oder Stoffverpackung wohl irgendwann durchfärben. Das macht beim Kunden dann nicht den besten Eindruck. Insofern kommt man hier schlecht an der Plastikverpackung vorbei."

Die Kulmbacherin führt seit 30 Jahren das Geschäft im Kressenstein, hat es von ihren Eltern übernommen, und kann sich noch an plastiklosere Zeiten erinnern. Sie deutet in ein Regal: "Damals stand dort ein großer Metallbehälter voller Sonnenblumen-Öl. Die Leute kamen mit ihren Kanistern und Kannen und zapften sich ihren Bedarf ab." Sie schüttelt den Kopf und rollt die Augen. "Kann man sich nicht mehr vorstellen. Aber man hätte sich damals auch nicht ausmalen können, dass es heute so fast gar nicht mehr ohne Kunststoff und chemische Inhaltsstoffe geht."

Womit wir zurück wären bei der Lava-Erde. Man schmiert sich Erde in die Haare, um sie zu reinigen! Klingt komisch, funktioniert aber. Es gibt unterschiedliche Dosierungen. Laut Vorgabe im Internet werden drei Esslöffel Erde mit der doppelten Menge kochenden Wassers gemischt. Ergibt eine Pampe, die in etwa Shampoo-Konsistenz besitzt. Die Anwendung ist fast wie gehabt: Haare nass machen, Lava-Erde-Matsch drauf (vor allem in die Spitzen, bei langen Haaren nicht zu sehr in die Tiefe massieren), waschen, ausspülen. Schaum darf man übrigens keinen erwarten. Und trödeln ist suboptimal, denn das Gemisch wird gern fester und geht dann eine unschöne, weil dauerhafte Verbindung mit der Kopfhaut ein. Die Haare fühlen sich sauber und weich an.

Auf Online-Foren wird bisweilen davor gewarnt, dass sich bei manchen Probanden ungewollt helle Strähnchen einstellten, Kalksinter an der Dachrinne nicht unähnlich. Deswegen wird zur Spülung geraten, Rinse genannt. Die muss entsprechend sauer sein, weswegen die Experten zu einer Mixtur aus verdünntem Essig oder Zitronensaft raten.

Trocknen ohne Strom

Die Haare danach Plastik-frei zu kämmen, geht übrigens ganz leicht: mit einer Holzbürste mit Wildschweinborsten. Föhnen ist natürlich nicht drin, denn der elektrische Haartrockner aus nachwachsenden Rohstoffen harrt noch der Erfindung. Dann eben luftgetrocknet. Soll ja das Haar auch weniger strapazieren.


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