Je mehr Leute mitmachen, desto wahrscheinlicher ist eine Umsetzung. Mit diesem Satz, fasst Marc Benker das Konzept einer Nahwärmeversorgung in Marktschorgast zusammen. Benker ist einer von vier Geschäftsführern der Zukunfts-Energie Marktschorgast (ZEM), einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), mit dem Ziel, ein Nahwärmenetz in der Marktgemeinde aufzubauen. Die Energiekosten seien langfristig günstiger als Öl und Gas, wenn man von steigenden Preisen ausgeht. Auf Dauer strebe man einen Höchstpreis von 14,9 Cent pro Kilowattstunde an, so Benker.

Mit der Fertigstellung einer Machbarkeitsstudie (Kosten rund 27 000 Euro) ist die GbR auf einem guten Weg. "Die Studien zeigen, dass es technisch und wirtschaftlich machbar ist", sagt Benker. Rund 90 Interessenten haben einen Vorvertrag unterzeichnet. Investitionskosten von rund 2,5 Millionen Euro seien eingeplant. Als Wärmelieferant steht ein Hackschnitzelheizwerk fest. Das Kerngebiet für die Erschließung umfasst 64 Anschlüsse, Erweiterungen in Richtung Herrnberg und den östlichen Gemeindeteil seien nur von wenigen Häusern mehr abhängig. In den nächsten Wochen wollen die Gesellschafter nochmals werben, sagt Benker.

Gasnetzbetreiber ist kritisch

Den Optimismus von Marc Benker kann Gerd Dilsch nicht teilen. Wer den Mitgeschäftsführer der Licht- und Kraftwerke Helmbrechts (Luk) auf das Markschorgaster Nahwärmprojekt anspricht, der hört einen Seufzer. Denn die Luk ist der Gasnetzbetreiber der Marktgemeinde. "Es ist schade, dass man sich einen Ort aussucht, wo schon eine gute Infrastruktur vorhanden ist", sagt Dilsch.

Gegen eine Nahwärmeinsel hätte er nichts einzuwenden, aber die Pläne der GbR seien zu umfangreich. Die Luk habe in der Marktgemeinde 10,5 Kilometer Gasleitungen verlegt und rund 230 Anschlüsse. Zudem sei der Konzessionsvertrag für die Gasversorgung mit der Marktgemeinde im August verlängert worden. Dilsch hält das wirtschaftliche Risiko eines Nahwärmenetzes für zu groß: "Ein Erdgasnetz ist flexibler." Die von den Nahwärme-Befürwortern in die Diskussion eingebrachten geringeren Energiekosten, hält Dilsch für falsch.

Rückhalt aus dem Gemeinderat

Bürgermeister Hans Tischhöfer (FW) sieht in der Vertragsverlängerung und den Bestrebungen für ein Nahwärmenetz keinen Widerspruch: "Wir haben seit 30 Jahren eine Gasversorgung, der Vertrag musste deshalb verlängert werden." Aufgrund der Entwicklung auf dem Energiemarkt müsse man eben schauen, wo die Reise in den nächsten Jahren hingeht. "Es wäre schön, Nahwärme zu haben, aber es muss wirtschaftlich darstellbar sein", sagt der Bürgermeister. Letztlich liege die Entscheidung beim Gemeinderat, so der Bürgermeister. Dort sind auch Marc Benker (CSU) und andere Gesellschafter der GbR Mitglied.

Ein Signal für die Nahwärme hat die Gemeinde durch Vorverträge für acht gemeindliche Liegenschaften bereits abgegeben. Eine ähnliche Bejahung der Nahwärme wünscht sich Marc Benker von der katholischen Kirche. Die hat mit dem Haus des Kindes, dem ehemaligen Kindergarten, dem Pfarrheim und der Kirche vier große Liegenschaften in der Marktgemeinde, erklärt Benker.

Allerdings gab es im März vergangenen Jahres bereits eine Absage durch das katholische Pfarramt in Marktschorgast. Davon lässt sich Benker nicht entmutigen. Mitte Oktober hat er einen Brief an Erzbischof Ludwig Schick in Bamberg geschrieben. Darin bittet er um die erneute Prüfung des Anschlusses der kirchlichen Liegenschaften an das mögliche Netz. "Durch den Anschluss der kirchlichen Liegenschaften würde sich die Wärmeabnahme entscheidend erhöhen und das Projekt wirtschaftlich noch interessanter und stabiler werden", heißt es im Brief. Dieser sei eingegangen und der Sachverhalt werde zurzeit von der Bauabteilung geprüft, sagt Harry Luck, Pressesprecher des Erzbistums Bamberg auf Nachfrage der BR.

Unabhängig davon sind noch viele Faktoren zu klären. Zum Beispiel der Standort der Heizzentrale mit einem Platzbedarf von 300 Quadratmetern. Da gebe es bereits ein Grundstück, und man sei sich mit dem Eigentümer einig, sagt Benker. Entscheidend sei zu dem die KfW-Förderung. Diese sei vom jährlichen Wärmedurchlauf pro Meter und der von der Anzahl der Anschlüsse im Leistungsgebiet abhängig, erklärt Benker.

Kasendorfer Projekt gescheitert

Wie schnell ein Nahwärmeprojekt trotz eines positiven Ergebnisses der Machbarkeitsstudie scheitern kann, hat sich Mitte September in Kasendorf gezeigt. Dort hat sich die GbR aufgelöst. Laut der dortigen Gesellschafter habe der Rückhalt aus dem Rathaus gefehlt. Und der Gasnetzbetreiber Luk habe einen komplett Stopp der Pläne gefordert - die Luk verneinte dies. Da sieht es in Marktschorgast anders aus. Zum einen gibt es positive Signale aus Rathaus und Gemeinderat. Zum anderen sieht auch Luk-Mitgeschäftsführer Gerd Dilsch keine Parallelen zu Kasendorf. Der Ort sei weit weniger mit Gasleitungen erschlossen gewesen.




Kurzchronologie des Nahwärmeprojekts in Marktschorgast

April/Mai 2012
Erste Überlegungen gemeinsam mit der Energie-Vision Frankenwald.

Juli 2012 Gemeinderat unterstützt Nahwärme-Initiative.

März 2013 Gründung einer GbR und Wahl von Ronny Metzner, Karl-Heinz Bonenberger, Ulrich Reinhardt und Marc Benker zu Geschäftsführern.

Oktober 2013 Erste GbR-Gesellschafterversammlung mit rund 60 Teilnehmern.
Beschluss zur Auftragsvergabe einer Machbarkeitsstudie.

März 2014 Beginn der Erstellung der Machbarkeitsstudie durch EVF.

Oktober 2014 Positives Ergebnis der Machbarkeitsstudie.