Mens sana in corpore sano - Sprichwörter wie dieses sind es, die für Lateinlehrerin Anja Braune vom Caspar-Vischer-Gymnasium die Schönheit der lateinischen Sprache ausmachen. Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. "Die Übersetzung kann nicht all das transportieren, was man im Original findet", so die Lehrerin.

Im Lateinunterricht wird von Anfang an an Originaltexten gearbeitet und nicht etwa an solchen, die extra für´s Lehrbuch entwickelt worden sind. Die Texte sind allesamt entstanden, als die Sprache der Römer noch lebendig war. Die Ausdrucksweise der Römer, ihre Kultur, die Mythen, Legenden und deren Lebensweise, das sind Aspekte, die für die meisten Schüler interessant sind.

Doch der Weg dahin, bis ein Schüler so weit ist, schwierige Texte zu übersetzen, kann sehr lang sein. "Ich selbst war damals in der siebten Klasse ziemlich schlecht in Latein, zumindest im ersten Halbjahr", gibt die Lehrerin zu. "Ich hatte einfach noch nicht begriffen, wie Latein funktioniert." Doch als sie schließlich begonnen hat, konzentriert zu lernen, ging es schnell immer besser. "Fleiß zeichnet sich aus - besonders in Latein", so Braune. Wer längere Zeit, im schlimmsten Fall über ein paar Jahre, nicht richtig mitgearbeitet hat, der tue sich sehr schwer, den Stoff nachzuholen. "Man muss dabei bleiben, sonst hat man keine Chance", betont die Lehrerin. Das ist eine der zentralen Fähigkeiten, die im Lateinunterricht erlernt werden. "Man lernt zu lernen", so Braune. Man muss sich konzentrieren, sich regelmäßig hinsetzen und kann sich nicht mit Halbwissen durchmogeln. Gründliches Lernen ist angesagt. "Viele Schüler sitzen stundenlang mit dem aufgeschlagenen Lateinbuch da und denken danach, sie haben gelernt. In Wahrheit haben sie sich auf ganz andere Dinge konzentriert", hat Braune bemerkt.


Keine lebendige Sprache

Das hat in Latein seine Folgen, denn im Gegensatz zu Fremdsprachen, die heute (noch) gesprochen werden, wie Englisch, Französisch oder Spanisch kann man sich nicht durch das gesprochene Wort helfen lassen. "In Latein beginnt man bei null!"

Das System der Sprache, die völlig neue Grammatik, unbekannte Wörter, das alles bedarf großen Fleißes - vor allem in den ersten Jahren. Im G8 haben die meisten Schüler Latein ab der 6. Klasse. An einigen Schulen ist es auch ab der 5. Klasse schon wählbar. "Am Anfang macht Latein eigentlich noch allen Schülern Spaß: die Geschichten über die Römer, das ist eine andere Welt und gefällt den meisten." Doch wenn es an die harte Arbeit geht, dann sind viele Schüler vor ganz neue Probleme gestellt. "Dass die Eltern da mithelfen, wenigstens mal über die Schulter schauen und Anreize geben, das ist für viele Schüler in Latein wichtig, damit der gute Start gelingt." Wer das System einmal verstanden habe, der schaffe es dann meist auch ohne weitere Hilfe. Man hat die Grundlagen und lernt viel, versagt dann aber in der Schulaufgabe? Das ist fast unmöglich. Es gibt in Latein eben keine Überraschungen. Anja Braune kann sich selbst noch gut an dieses Gefühl erinnern, es alleine geschafft zu haben. "In Latein merkt man wie in kaum einem anderen Fach, wie viel es nützt, fleißig zu sein."


Leichter durchs Leben

Und dieser Fleiß zahlt sich aus. Nicht nur für das Fach selbst. Französisch, Spanisch, Italienisch, Rumänisch und viele andere Sprachen haben ihren Ursprung im Lateinischen. Deshalb haben es die Schüler später leichter, diese Sprachen zu lernen. Klar, kommt man auch ohne Latein durchs Leben und kann andere Sprachen erlernen. "Aber die Schüler, die Latein gebüffelt haben, tun sich einfach leichter. Viele Vokabeln erkennt man wieder und auch die Grammatik ist verwandt", so Anja Braune.


Die Arbeit lohnt sich

Und auch für andere Wissenschaften bildet Latein die Grundlage. "Wer Medizin studieren will, Mathe oder auch Jura, der tut sich ohne Lateinkenntnisse deutlich schwerer", ist sich Braune sicher, "auch dafür lohnt sich die manchmal sicher harte Arbeit!"