Wer professionelle Bühnen sehen will, der muss heute zumindest nach Bamberg oder Hof fahren. Das sagt Wolfgang Krebs, seines Zeichens Schauspieler, Regisseur und Schauspiel-Dozent, der nun selbst dafür sorgen will, dass Theater-Freunde aus dem Landkreis Kulmbach die weite Anreise für das besondere Erlebnis künftig nicht immer in Kauf nehmen müssen. Der 52-Jährige hebt ein Schlosstheater aus der Taufe, eine "professionelle Privatbühne", wie er verspricht.

Wolfgang Krebs, ein gebürtiger Frankfurter, der seit 2006 in Oberfranken lebt, will sich nach über zwei Jahrzehnten Tourneetheater durch halb Europa einen Traum erfüllen. "Ich will ein festes, kleines Schauspielhaus. Es soll mein Lebenswerk werden", sagt der Mann, der heute in Dörfles bei Buchau wohnt. Zur Theaterbühne hat er Thurnau auserkoren. "Der Künstlerort ist mir ans Herz gewachsen", sagt Krebs, der Regisseur beim Landestheater Oberpfalz ist und mit seinem Tukan-Theater für Kinder im gesamten deutschsprachigen Raum gastiert.

Die Kommunbräu-Pläne ...


Sein Schlosstheater entsteht nicht im Schloss, wie man aufgrund des Namens vermuten könnte, soll in naher Zukunft aber doch nur einen Steinwurf davon entfernt liegen. Im sanierten Saal der Schlossbräu will er Theater spielen. Doch wann die Pläne für die Kommunbräu realisiert werden, steht noch in den Sternen. Und deshalb weicht Krebs erst mal in das schmucke Torwärterhaus aus, das auf dem Rathaus-Gelände steht.

Schon Ende November wird dort Premiere gefeiert. Mit dem Stück "Novecento - Die Legende vom Ozeanpianisten", einem Schauspiel mit Musik von Alessandro Baricco. Bis zu 60 Gäste werden das Stück in dem kleinen, aber schmucken Saal erleben, das von einem Findelkind handelt, das von einem Matrosen gefunden und groß gezogen wird - und dass das Schiff sein Leben lang nicht verlässt.

Die Premiere ist schon ausverkauft, doch sind drei weitere Aufführungen im Dezember geplant, ehe im Januar ein Heinz-Erhardt-Abend und zwei Aufführungen der satirischen Komödie "Johann vom Po entdeckt Amerika" von Dario Fo folgen.

"Eine Nische besetzen"


Wolfgang Krebs will klein anfangen, schauen, wie sich sein Schlosstheater entwickelt, hat aber weitere große Pläne. So will er mit befreundeten Schauspielkollegen und mit Unterstützung der Landesbühne Oberpfalz in der Sommersaison auch größere Stücke im Rathaus- oder auch Schlosshof zeigen. Letzterer biete sich etwa für Shakespeare an. "Denn die Kulisse müsste dort nicht erst geschaffen werden", sagt Krebs, der Theatergruppen in der Region keine Konkurrenz machen will. "Ich möchte eine Nische besetzen."

Im Künstlerort freut man sich. "Thurnau bietet für das Projekt den idealen Rahmen", sagt Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD/OL). Das Torwärterhaus sei "wie geschaffen für eine kleine, feine Bühne", so Hofmann, der sich wie Krebs aber wünscht, dass das Schlosstheater bald eine feste Bleibe im Saal der Schlossbräu findet.