Neuer Ort für den Bierstadel, andere Anwohner: Statt durch die Innenstadt strömen die Massen 2017 durch die Lichtenfelser-, Hardenberg-, Georg-Hagen- oder Goethestraße zum Bierfest - und nach einigen Getränken zurück. Wie wohnt es sich am Rand des Trubels? Wir haben uns umgehört.

Das Ergebnis: Die Mehrheit der knapp 20 Anwohner, die wir telefonisch oder persönlich befragten, empfinden die lebendigen Tage nicht als Belastung. "Es geht schon", lautete häufig die spontane erste Antwort.


Nur wenige Beschwerden

Eine Einschätzung, die sich mit den Beobachtungen der Polizei deckt. "Die Beschwerden tendieren gegen null. Nur am Wochenende gab es einzelne Probleme", sagt Alexander Horn, stellvertretender Kulmbacher Dienststellenleiter. "Rund um das neue Gelände verteilen sich die Besucherströme besser, ist alles entspannter", begründet er die Entwicklung.

"Wir haben bislang nur zwei Beschwerden vorliegen, beide wegen Parkens auf Anwohnerflächen", berichtet auch Andrea Hack von der Baugenossenschaft, die rund um das Festgelände Wohnungen in über 25 Häusern vermietet. Und Oberbürgermeister Henry Schramm ergänzt von Seiten der Stadt: "Und liegen keine Kenntnisse über Beschwerden vor."


Zugeparkte Anwohnerflächen

Lediglich das Parken macht zu schaffen. "Man überlegt sich genau, ob man sein Auto wegfährt", sagen einem Anwohner. Denn vielen Besuchern sind die großen Parkflächen, etwa beim Globus-Baumarkt, wohl zu weit weg. "Sie parken dann die Anwohnerplätze zu", sagt Hack.

Lärmpegel oder Unrat machen indes wenig Probleme. "Alles im Rahmen", sagt Stephan Ertl, Inhaber des Hotels Ertl. Und auch Adi Dörnhöfer hat in der Hardenbergstraße lediglich etwas mehr Verkehr festgestellt. Sonst sei alles ruhig.

Manchen wollen sogar mehr mitkriegen. "Schade, dass ich von meinem Balkon aus die Musik nicht höre", sagt Marion König aus der Lichtenfelser Straße. "Bei der Sternfahrt ist es lauter."

Eine Meinung, die viele teilen. Hans-Georg Prehmus ist ganz nah dran. Der Rentner, der fast 49 Jahre lang bei der Brauerei gearbeitet hat, wohnt direkt neben dem Mitarbeiterparkplatz. "Eine Lärmbelästigung ist fast nicht da. Und Exzesse sind bislang ausgeblieben." Prehmus genießt, dass er direkt am derzeit lebendigsten Ort der Stadt wohnt. "Ich kann meinen Ellbogen aufs Fenster legen und alles beobachten", sagt der Ex-Betriebsrat, den es 2017 häufiger aufs Festgelände zieht. "Ich muss ja nur durchs Gartentor."


Schlafen ist unmöglich

Doch nicht überall ist es so beschaulich. Alfred Ittner etwa rauben laute, zumeist jugendliche Gruppen, die nachts durch die Straßen ziehen, den Schlaf. "Zwischen 2 und 4 Uhr war es am Samstag am schlimmsten. Und ab 4.30 Uhr fahren die Müllautos vorbei", sagt der Hausmeister der Berufsschule, der nebenan wohnt und auch schon eine demolierte Schranke der Schule reparieren musste.

Wie die meisten Anwohner nimmt es Ittner aber gelassen. "Wir wussten, was auf uns zukommt. Und während einer früheren Bierwoche haben auch schon Jugendliche nachts im Pool der Kinder gebadet."

Von Auswüchsen kann auch Waltraud Braune, Hausmeisterin des evangelischen Kindergartens, berichten. "Am Morgen lagen zerbrochene Krüge im Gras, und der Zaun war herausgerissen", erzählt sie von Samstagnacht. Sie hat aber Verständnis. "Es ist nicht schön, aber einmal im Jahr ist es zu ertragen."

Eine andere problematische Stelle ist die Ecke Goethestraße/Lichtenfelser Straße, wo die vom Fest wegströmenden Gäste auf die erste größere Grünfläche treffen. Die Folge: Wildpinkeln.

"Am Samstag war es richtig schlimm", sagt Roland Sesselmann, der nicht will, dass der Garten zur Toilette wird. Deshalb hat er mit anderen Mietern Wildpinkler vom oberen Stockwerk aus mit Wasser überschüttet. Manche hätten sich beschwert, andere gedacht, dass es regnet. "In Stoßzeiten pinkelten in unserem Garten sechs Leute parallel. Da weißt du gar nicht, auf wen du zielen sollst."


Kontrolle gegen Wildpinkeln

Sesselmann hatte in der Folge ein gutes Gespräch mit Bierfest-Organisator Michael Schmidt, an den laut Auskunft der Brauerei-Pressestelle keine weiteren Beschwerden herangetragen wurden. Die Sicherheitskräfte haben nun Hausrecht im Garten und können einschreiten. "Sie gehen jetzt Patrouille. Es ist deutlich besser geworden."