Auslöser war ein Antrag der SPD-Kreistagsfraktion. Abfallberater Detlef Zenk nahm umfassend Stellung. Seine Kernbotschaft lautete: "Abfallvermeidung ist die beste Entscheidung".

SPD-Kreisrat Dietmar Hofmann hatte in dem Antrag festgestellt, dass sich die Bilanz des Landkreises im Bereich der Abfallwirtschaft durchaus sehen lassen könne. Das System sei äußerst bürgerfreundlich, Müllvermeidung und Mülltrennung würden groß geschrieben, die Gebühren seien auch nach der jüngsten Erhöhung auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Können die Bürger dem System vertrauen?

Hofmann stellte dann jedoch die Frage, ob die Bürger, die dieses System vorbildlich verinnerlicht haben, wirklich darauf vertrauen können, dass der getrennt gesammelte Müll tatsächlich der Wiederverwertung zugeführt wird. Eine Reportage im Magazin "Der Spiegel" über die weltweit explodierende Plastikmüllproduktion und die damit verbundenen Umweltprobleme habe ihn erschaudern lassen.

"Angesichts des Verkaufs unseres Wohlstandsmülls in Entwicklungsländer bekommt der Begriff Wertstoff eine ganz neue Bedeutung", so Hofmann in seinem Schreiben. Es dürfe nicht sein, dass man den Kreisbürgern irgendwann vielleicht sogar empfehlen müsse, den Plastikmüll nicht mehr zu trennen, sondern direkt in die Restmülltonne zu werfen, "weil man nur dann sicher sein kann, dass er hier unter Einhaltung höchster Umweltstandards verbrannt wird und nicht irgendwann in den Weltmeeren landet".

Detlef Zenk nahm im Umweltausschuss auch zur abschließenden Frage Stellung, ob der Landkreis den anfallenden Plastikmüll alternativ an in Deutschland ansässige Spezialfirmen liefern könnte, bei denen die tatsächliche Wiederverwendung dieses Rohstoffs nachweislich gewährleistet wäre. Das wäre für die SPD-Kreistagsfraktion der ökologischere, der ehrliche und der nachhaltigere Weg.

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Verpackungsverordnung regelt das Procedere

Während der Restmüll mit derzeit 15 790 Tonnen jährlich in Schwandorf der thermischen Verwertung zugeführt sprich verbrannt wird, werden Grüngut, Altpapier, Biomüll, Altglas und Alu-Weißblech stofflich verwertet. Die Verpackungsverordnung schreibe die Verantwortung der Hersteller für die Entsorgung ihrer Produkte fest. Danach werde die Sammlung und Verwertung in die Hände eines öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers gelegt.

Duale Systeme beauftragen Zenk zufolge Sammlung, Sortierung und Verwertung der Kunststoffverpackungen. Die Sammlung der gelben Säcke erfolge derzeit durch die Firma Simon aus Stockheim, der Umschlagplatz sei bei der Firma Drechsler Umweltschutz in Kulmbach eingerichtet.

Verwertungsquote soll steigen

"Die Kunststoffverpackungen gehen in eine Sortieranlage, danach erfolgt eine stoffreine Sortierung mit Nahinfrarot-Technik", so der Abfallberater. Laut Fachjournal "Sience Advances" wird weltweit etwa die Hälfte des Plastikmülls, der zur Wiederverwertung gedacht ist, exportiert. "2016 haben 123 Länder insgesamt 14,1 Millionen Tonnen Plastikmüll verfrachtet, etwa die Hälfte davon ging nach China. In Deutschland werden gegenwärtig 58,5 Prozent der Kunststoffe einer wertstofflichen Verwertung zurückgeführt. Bis 2022 will man hier sogar auf 63 Prozent kommen", so Zenk. 2018 seien 46,7 Prozent der Kunststoffabfälle stofflich und 52,7 Prozent energetisch verwertet worden.

Zur Frage, was mit dem ins Ausland verkauften Plastikmüll geschieht, verwies der Abfallberater auf den Mengenstromnachweis nach der Verpackungsverordnung. Danach werde von den Herstellern und Vertreibern von Verkaufspackungen ein entsprechender Nachweis gefordert. Mit einem klaren "Nein" beantwortete Detlef Zenk die Frage, ob der Landkreis seinen Bürgern vielleicht sogar irgendwann empfehlen muss, den Plastikmüll nicht mehr zu trennen, sondern direkt in die Restmülltonne zu werfen, denn  "Wer Verpackungen in die Restmülltonne wirft, zahlt doppelt!"

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