Ein wenig bekanntes Denkmal für die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 befindet sich im Alten Friedhof von Kulmbach. Zwar gab es in der Stadt keinen Frontverlauf, aber viele Verwundete des Krieges wurden hier im Hinterland gepflegt. Zu dieser Zeit befand sich noch im Grünwehr das Krankenhaus, dem ein großes Lazarett angegliedert war.

Lange bevor 1912 auf dem Holzmarkt die Siegfried-Säule eingeweiht wurde (Entdecker-Tour 61), gab es in Kulmbach ein Denkmal zur Erinnerung an diesen Krieg. Es liegt in dem 1869 um zwei Tagwerke erweiterten südwestlichen Bereich des Gottesackers. Dort existiert noch ein Gemeinschaftsgrab für acht gefallene deutsche Soldaten, die an ihren Verwundungen gestorben waren.

Schlichter Sandstein

Es liegt unbeachtet am Hang, bekrönt von einer gesunden, kräftigen Eiche. Der schlichte Gedenkstein aus Sandstein wurde von der Stadtgemeinde als ehrendes Gedächtnis errichtet.

Auf diesem wurden die Namen der Soldaten vermerkt, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Leider ist die Inschrift des Steins nicht mehr vollständig zu entziffern, weil diese infolge der Verwitterung im Laufe eines Jahrhunderts verblasst ist. Mühsam kann man noch erkennen, dass Soldaten aus verschiedenen deutschen Städten hier beerdigt wurden.

Außer ihren Namen und ihrer Heimat sind die Truppenteile, in denen sie eingesetzt waren, verzeichnet. Auch ein gebürtiger Kulmbacher, Johann Höreth, ruht in diesem Grab. Er gehörte zum bayerischen Infanterieregiment Nummer 7, das in Bayreuth stationiert war.

Der unvergessene Freund des Alten Friedhofes, Willibald Hock, hat in mühevoller Kleinarbeit die gesamte Inschrift entziffert.

Der Natur überlassen

Im vorigen Jahrhundert betreute dieses Grab die angesehene hiesige Apothekerfamilie Jahn. Später überließ man diese historische Stätte der Natur.

Im Jahr 1872 pflanzten die Bürger der Stadt als Mahnung zum Frieden eine Eiche auf das Grab. Diese entwickelte sich in den zurückliegenden 147 Jahren zu einem stattlichen Baum.

In Brusthöhe hat die Eiche einen Durchmesser von weit über einem Meter aufzuweisen. Blitzeinschläge haben ihr wenig geschadet, hinterließen aber tiefe Spuren in seiner Rinde.

Der Versuch vor einigen Jahren, das mit Efeu bewachsene Grab mit Rosen zu schmücken, schlug unter dem dichten Laubdach der Eiche fehl.

Das Niederlegen eines Blumenkranzes zum Volkstrauertag wurde vor einigen Jahren eingestellt.

Eichen wurden übrigens gerne als Friedensbäume verwendet. Sie strahlen etwas Monumentales aus und gelten als typisch deutsche Bäume. Als Kompliment gilt die Aussage "Du stehst wie eine Eiche". Sie galten nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 als Symbol für Einigkeit, Treue und Recht.

Eisernes Gitter eingeschmolzen

Das Grab war bis zum Ersten Weltkrieg von einem eisernen Gitter umgeben. Es wurde damals, als es an Metall mangelte, entfernt und wie vieles andere eingeschmolzen. An den Umfassungssteinen waren noch bis in die 1970er Jahre die Verankerungen der Eisen erkennbar.

Die Inschriften auf dem Stein sind im Laufe der Zeit verwittert und leider nur noch schlecht erkennbar. Die mächtige Friedenseiche hat den Text überdauert. Ihre Mahnung für Frieden hielt nur 42 Jahre, dann begann der Erste Weltkrieg.

Inschrift entziffert

Die Inschrift auf dem Stein hat folgenden Wortlaut:

"Hier ruhen im gemeinschaftlichen Grabe nachverzeichnete acht deutsche Soldaten:

Stahmer Johannes aus Osterbruch, Kreis Schleswig, IX. Feld Artillerie Rgt.

Schwöbel Philipp aus Brenzbach, Grossherzog.th. Hessen I. Garde Jäger Bataillon

Rückert Christian aus Schönerlinde, Kreis Barnim, 14. Brandenb. Inf. Rgt. Nr. 60

Bender Bartholomäus aus Landershofen, Kreis Ahrweiler, 3. Rhein. Infanterie Rgt. Nr. 29

Lante Ernst aus Qualkau, Kreis Scheinitz, 6. Brandenb. Infanterie Rgt. Nr. 52

Seiffert Reinhold aus Oppeln, Preuss. Infanterie Rgt. Nr. 63

Burezynsky Nilolaus aus Sierin, Kreis Ratibor, Schles. Feld Artillerie Rgt. Nr. 6

Höreth Johann aus Kulmbach, Kgl. Bayr. XIII. Infanterie Rgt.

Den Opfern des deutsch- französischen Krieges 1870/71 gewidmet von der Stadtgemeinde Kulmbach."