Die Fußball-WM findet bekanntlich in Brasilien statt - einem Land, in dem der schönste Strandurlaub getrübt werden kann durch "Montezumas Rache", jene blumige Umschreibung für Durchfall. Besagtes Rio pan wiederum verschaffe bei Sodbrennen Linderung, so die Werbung. Gut zu wissen, wenn dem daheim gebliebenen Kickerfan die Leistung der deutschen Elf sauer aufstoßen sollte.

Nicht jeder Ladeninhaber hat es leicht, sein Sortiment mit einem Hinweis auf das Fußballfest zu versehen. Erwartungsgemäß einfacher tun sich Bekleidungsgeschäfte. Die Schaufensterpuppen sind gewandet in T-Shirts, dem Nationaltrikot von Jogi Löws Mannen nachempfunden. Oder tragen schwarz-rot-gülden umrandete Sonnenbrillen und Flip-Flops.

Rio-Slip mit Bällen

Schwerer haben es Anbieter fürs Darunter. Feinripp mit Eingriff ist ohnehin out, dafür gibt es - wie passend - den Rio-Slip. Drapiert mit zwei Original-WM-Bällen, legt diese Dekoration noch ganz andere, nicht eben jugendfreie Assoziationen nahe...

Schwenk ins Einkaufszentrum: Im "fritz" wirbt ein Shop für Videospiele mit einem Papp aufsteller für den "Fifa"-Konsolen-Kicker (Brasilien-Edition). Derweil springen die Passanten aus Dekorationsläden, Brillengeschäften und sogar Bäckereien die unvermeidlichen Plasteblumen-Ketten in den deutschen Farben entgegen. Dazwischen baumeln Bärchen mit Flagge sowie Schminke für die Fanmeile.

Vieles kennt man schon

Die Kreativität der Hersteller solchen Zubehörs scheint seit der Heim-WM 2006 in akuter Abstiegsnot: Die Feuerzeuge, Handgelenkwärmer und Ohrringe in Schwarz-Rot-Gold haben längst nicht mehr die Originalität zum Verbündeten. Selbst die Vuvuzela (genau, die Südafrika-Tröte von 2010), hat es wieder in die Auslage eines Geschäfts geschafft. Immerhin bleibt das Ding stumm.

Zurück in der Innenstadt, fällt der Blick im Gewürzfach geschäft auf zwei Gläser: Die brasilianische Fahne am Zahnstocher lässt vermuten, dass die dunkelbraunen Nüsse in den Gefäßen südamerikanischer Provenienz sind. Aber was genau das ist? Der Betrachter bleibt rätselnd zurück.

Die Buchhandlung ums Eck macht die Zurdnung leichter. Ein Ball, ein Buch: "Gebrauchsanweisung für Brasilien". Das Kopfsteinpflaster der Grabenstraße spiegelt sich in der Scheibe. Brasilien soll ja ein heißes Pflaster sein, jedenfalls legen das der Karneval oder wahlweise die Kriminalstatistik nahe. Über Brasilien lesen scheint die ungefährlichere Variante.

In einem anderen Fachgeschäft für das gedruckte Wort suggeriert ein Plakat, dass in den vier WM-Wochen die Uhren in einem Fußball-verrückten Land wie Deutschland anders gehen. Der Chronograph fürs Handgelenk mit dem Rasen-Zifferblatt gemahnt an den Anpfiff des nächsten Spiels. Und weil schon die Kleinsten ihr Faible für den Ballsport entdecken (sollen), stehen im Bastel- und Stoffladen die Bade-Ente im BRD-Trikot sowie das hoffnungsgrüne "Torjäger"-Schmusekissen.

Kerzen anzünden für den Sieg

Profi-Fußball auf internationalem Niveau ist aber weiß Gott kein Kinderspiel; überhaupt ist der Sport oft weit mehr als eine Leibesertüchtigung: Er ist Philosophie und manchem sogar Religion. Einen gekreuzigten Torwart (oder Schiri) traut sich freilich (noch) keiner zu dekorieren, aber immerhin Kerzen mit schwarz-weißen Flecken in Anlehnung an die ursprüngliche Optik des Sportgeräts.

Wem das alles an Einstimmung auf die WM wiederum auf den Magen schlägt, der greife zu - genau - Riopan.