Werner und Melitta Herrmann haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Gelände wieder zum Leben zu erwecken. Am morgigen Sonntag wird bereits der Anfang gemacht, wenn sich die Teilnehmer der Oldtimer-Ausfahrt "Kultur - Natur - Kulinarik im Fichtelgebirge" dort zum gemütlichen Ausklang treffen.

Der Schlossgarten war früher ein romantischer Ort. Jugendliche kletterten zu nächtlicher Stunde oft heimlich über die Schlossmauer, um aus dem Garten Äpfel oder Flieder zu holen.

Eine Vorburg und eine Hauptburg gab es dort, die nach den Beschreibungen von Eduard Margerie 32,70 Meter lang und zehn Meter breit war und auf der oberen Plattform des Areals stand. Nach Norden, Osten und Süden fiel sie steil gegen die beiden Bäche "Koser" und "Schorgast" ab. Margerie kam in seinen Recherchen zum Ergebnis, dass es sich hier um eine "einwandfreie Sporenanlage" der Wirsberger Burg aus dem 12. Jahrhundert handelt, vermutlich von einem Herzog der Andechs-Meranier erbaut. In Dokumenten wird sie "Veste", "Burg", "Haus" und "Schloss" genannt.

Fußball-WM sorgt für Pause

Für Verteidigungszwecke war sie allerdings nicht gerüstet. Es steht sogar noch ein Stück der alter Mauer, ein größeres war 1895 aus Gründen der Verkehrssicherheit abgebrochen worden. Das Ende der Burg kam 1554, als Wirsberg im bundesständischen Krieg geplündert, gebrandschatzt und zerstört wurde. Heute erinnern nur noch Stütz- und Umfassungsmauern an die Burghistorie, die eng mit dem Adelsgeschlecht der "Herren von Wirsberg" verbunden ist. Das berühmteste Familienmitglied ist der Würzburger Fürstbischof Friedrich von Wirsberg (1504-1573), nach dem heute noch das "Wirsberg-Gymnasium" in Würzburg benannt ist.

Seit vielen Jahren ist der Schlossgarten im Besitz der Familie Werner und Alexander Herrmann. "Ich weiß davon, dass mein Großvater bei der Geburt seines ersten Sohnes von seiner Frau gebeten wurde, den Schlossgarten zu kaufen. Das muss in den zwanziger Jahren gewesen sein", so Werner Herrmann. Der obere Bereich mit dem früheren Burg- beziehungsweise Schlossareal ist dem Posthotel zugeordnet, der eigentliche Garten im Besitz von Werner und Melitta Herrmann.

Bei der Neugestaltung legten beide Wert darauf, dass Teile davon als Veranstaltungsbereich angelegt werden. So werden dort auch wieder die jährlichen Schlossfestspiele mit Volker Heißmann und Martin Rassau und der "Kleinen Komödie" aus Fürth stattfinden. Nur heuer wird wegen der Fußball-WM in Brasilien eine Pause eingelegt.

Bettenanzahl nicht ausreichend

Die Bühne wurde neu angelegt und der Zuschauerbereich vergrößert, so dass gut 120 bis 130 Personen Platz finden. Das Ehepaar Herrmann, das einen höheren fünfstelligen Betrag investiert hat, beauftragten für die Planung und Umsetzung Landschaftsarchitektin Silvia Eichner aus Pechgraben.

Der Schlossgarten wird künftig auch in Verbindung mit dem Hotel "Am Lindenberg" genutzt, das Werner Herrmann erworben hat und das sich unmittelbarer Nähe befindet. "Das frühere Hotel wird zum Mehrgenerationenhaus umgebaut. Eigentlich war zunächst vorgesehen, daraus wieder ein Hotel zu machen, doch die Bettenanzahl ist in Wirsberg ausreichend. Die Bewohner dieses Hauses können dann den Schlossgarten mit nutzen. Wir wollen damit die künftigen Bewohner bereits jetzt ansprechen.

Gastronomie bleibt erhalten

Die Gastronomie im Haus bleibt aber erhalten und wird verpachtet. Wir wollen im Schlossgarten auch Veranstaltungen für die Bewohner des Mehrgenerationenhauses und die Bevölkerung von Wirsberg anbieten", so Herrmann. In vier Jahren, genauer gesagt an seinem 65. Geburtstag, will der Gastronom das Mehrgenerationenhaus am Fuße des Schlossberges eröffnen.

Zunächst ist angedacht, den Schlossgarten für verschiedene Events zu vermarkten. Herrmann: "Das Gelände kann zum Beispiel für Produktvorstellungen, Firmenjubiläen, Familien- und Geburtstagsfeiern in Verbindung mit dem Posthotel genutzt werden. Interessenten könnten aber auch einen anderen Caterer beauftragen. "Der Schlossgarten ist multifunktional nutzbar und für jeden geöffnet, der gerne darin feiern will", kündigt Werner Herrmann an.