So banal sich der Titel der Projektarbeit auf's Erste anhören mag, aber er birgt viele Zukunftschancen für den Luftkurort. "Der ATEMweg in Wirsberg" heißt das knapp hundertseitige gesundheits- und genussorientierte touristische Konzept, das acht Kommilitoninnen des Studiengangs "Integrative Gesundheitsförderung" der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Coburg seit Oktober ausgearbeitet haben. Am Montagabend stellten die jungen Frauen im Sitzungssaal des Rathauses ihr Werk erstmals der Öffentlichkeit vor. "Die Konzeption ist zielgruppenorientiert, schlüssig und innovativ, sie greift wirklich etwas Neues auf, was in unserer Region bisher in keiner Weise gegeben ist", kommentierte Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD).

Eines war nach der knapp einstündigen Präsentation klar: Mit der Projektarbeit wurden keine Luftschlösser gebaut, sondern der Marktgemeinde handfeste Lösungen angeboten. Vordergründig geht es um ein gesundheits- und genussorientiertes Konzept zur Steigerung des Tages- und Übernachtungstourismus. Ziel war es, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln, das die Übernachtungs- und Gästezahlen steigert.

Lisa Wunder, die das Projekt gemeinsam mit Melanie Hagemann vorstellte, hielt zur Gesundheitsförderung fest: "Um sich seiner Ressourcen bewusst zu werden und diese zu stärken, ist es nötig, der Hektik des Alltags ab und an zu entkommen und sich selbst und seine Umwelt achtsam wahrzunehmen. Dabei sind die Maßnahmen der Stressbewältigung und Entspannung von großer Bedeutung."


Am Anfang stand ein Ortstermin

Gestartet wurde das Projekt mit einem Ortstermin im Oktober. An ein Gespräch mit Bürgermeister Hermann Anselstetter und Tourismusbeauftragtem Raimund Schramm schlossen sich eine dreiwöchige Recherche sowie Gespräche mit den Hotelbetrieben an. Laut Melanie Hagemann bietet Wirsberg optimale Voraussetzungen, wobei der Fokus auf der wichtigsten Ressource, der Luftqualität, liege. Die Studentin: "Dadurch kann das Image des Luftkurorts reaktiviert und aus einem anderen Winkel betrachtet werden. Denn gegenwärtig wirkt der Begriff Luftkurort eher altmodisch, vor allem bei der jüngeren Generation."

In der weiteren Präsentation wurde aufgezeigt, wie das Produkt ATEMweg entstanden ist. Es geht dabei um einen Themenwanderweg mit verschiedenen Stationen, an denen die frische, reine Luft genossen und die Motive "Natur erleben" und "Zeit für sich" befriedigt werden. Melanie Hagemann: "Da sich im Prädikat Luftkurort die reine Luftqualität der Marktgemeinde Wirsberg widerspiegelt, ist hier "dicke Luft" im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu finden. Einatmen wird in Wirsberg zum Balsam für die Lunge. Daher wird dieser Pfad auf den Atem fokussiert."

Auch bei der Namensfindung habe man den Atem als verbindendes Element verwendet, wodurch die einheitliche Marke entstanden sei. Auf dem in seiner Form einzigartigen ATEMweg könne der Gast Ruhe und Erholung vor der Haustür erleben.

Die einzelnen Stationen beginnen ebenfalls mit dem Wort Atem - ein Wiedererkennungswert. Die Stationen könnten entlang von Teilabschnitten bereits bestehender Wanderwege in Wirsberg verlaufen. Die Bezeichnungen der einzelnen Stationen reichten von ATEMstoß über ATEMfluss bis hin zur ATEMübung. Die Gesamtkosten bezifferten die Studentinnen mit 123 000 Euro, eine Förderung von 60 Prozent sei möglich.

Bürgermeister Anselstetter machte den Studentinnen am Ende ein dickes Kompliment: "Sie sind hervorragende Botschafter ihrer Hochschule. Sie hatten den Mut zu einer ganzheitlichen Präsentation und den Mut zur Maximalkalkulation, denn Märchen schreiben kann jeder." Für wichtig hielt es Anselstetter, dass das touristische Produkt ATEMweg an die vorhandenen Wirsberger Stärken anbindet, und dazu zähle eben die Kernmarke "Premiumluftqualität". Im Marktgemeinderat werde man sich in absehbarer Zeit über die Chancen der Umsetzung unterhalten.


Finanzierung kein Problem

Bei den Finanzierungskosten sah Anselstetter kein Problem. Die Gemeinde habe unabhängig davon auch die Errichtung eines rollstuhlgerechten, barrierefreien Freizeitparks im Auge, der auch Trimm-Dich-Geräte und Stationen enthält und Teil dieses ATEMweges sein könnte.


Interview

"Eine solide Kalkulation ist wichtig"


Professorin Pamela Heise von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Coburg erläutert die Arbeit ihrer Studentinnen.

Frau Heise, Sie sind an der Hochschule Coburg in den Lehr- und Forschungsgebieten zuständig für die Studienfachberatung und Außendarstellung des Studiengangs "Integrative Gesundheitsförderung". Kurz einige Anmerkungen zur vorgelegten Projektarbeit Ihrer Kommilitoninnen.
Pamela Heise: Es ist eine Machbarkeitsstudie mit über 100 Seiten und darin stecken - was kaum vorstellbar ist - etwa 1500 Arbeitsstunden. Die Kommilitoninnen haben ihre Abschlussarbeit aufgeschoben, um dieses Projekt mit der Güte und Professionalität, wie wir sie gewohnt sind, vorstellen zu können. Wir sind auch auf die Genussregion Oberfranken eingegangen, und wir arbeiten auch eng mit dem Geschäftsführer der Handwerkskammer von Oberfranken, Herrn Dr. Sauer, zusammen.

Welchen Eindruck haben Sie nach dieser Präsentation?
Diese Gruppe war besonders leistungsfähig und leistungsbereit. Unser Anliegen war es nicht nur, konzeptionell zu arbeiten, sondern ganz wichtig ist es für uns, weil wir aus der Unternehmensberatung kommen, auch die wirtschaftlich-wissenschaftliche Perspektive abzubilden. Also nicht nur die Konzeption, die Idee, die alleine schon wertvoll ist, sondern auch das Preisschild dranzukleben, das ist für die Gemeinde der Umfang. Wir haben immer betont, dass wir konservativ professionell rechnen. Es nützt nichts, dass wir einen geringeren Preis kalkulieren, um in der Gemeinderatssitzung das Durchwinken zu erlangen, sondern für uns ist eine solide Kalkulation ganz wichtig. Deswegen war es wichtig, dass die Studenten kalkulieren, aber auch visualisieren. Und das ist der Moment, wo der Atem auch wirklich stockt und der Gemeinderat das entscheiden muss. In der Fortführung des Projekts haben wir in einem letzten Schritt gesagt, dass wir noch die Förderkulissen eruieren, denn das ist das normale Prozedere, das wir auch aus der Unternehmensberatung kennen.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Machbarkeitsstudie?
Die Hoffnung ist natürlich ein positiver Beschluss, dass erst einmal das Konzept getragen wird, das ja auch bodenständig ist, wie eine Teilnehmerin als Feedback feststellte. Die zweite Hoffnung, die ich auch ganz konkret benennen möchte: Es wäre großartig, wenn sich für die Studenten längerfristig eine Perspektive ergeben würde, zum Beispiel ein Beratungsmandat oder vielleicht eine Rolle als Projektleiter.

Das Gespräch führte Werner Reißaus.