Norbert Lawatsch kennt die Region wie seine Westentasche. Denn vor 30 Jahren war er Verwaltungsleiter im Markt Thurnau, wo er auch noch wohnt - heute ist er Geschäftsführer der Vis Nova GmbH, eine der Firmen, die die Energiewende vor Ort mit umsetzen will.

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) und Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD/OL) hatten ihn angesprochen, denn sein Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Realisierung von Wind-, Erdwärme, Solar-, Photovoltaik und Biomasseprojekten spezialisiert. Thurnau wiederum hat das Ziel, möglichst viel der im Ort benötigten Energie selbst zu produzieren. Dabei wird die Marktgemeinde von der Firma New-En unterstützt, die sich auf die ganzheitliche Energieversorgung spezialisiert hat. "Der Erfolg solcher Projekte hängt sehr stark von der öffentlichen Akzeptanz ab", weiß Arne Henn, der bei New-En Bereichsleiter Windenergie ist. Er ist es auch, der am Montag sein Büro vor Ort bezogen hat. Kernstück für die Thurnauer Aktivitäten ist nämlich ein Windpark mit zwei Mal fünf Windrädern und einer Investitionssumme von mehr als 50 Millionen Euro, die New-En seit Jahren aktiv mit begleitet.

Eigentümer überzeugt

"Gemeinsam ist es uns gelungen, die Grundstückseigentümer in den beiden Vorrangflächen Kleetzhöfe und Alladorf nicht nur in ein Boot zu holen, sondern sie auch davon zu überzeugen, dass wir am besten vorankommen, wenn alle in die gleiche Richtung rudern", betonte Bürgermeister Dietmar Hofmann.

Gestern Nachmittag wurden dann auch weitere Weichen für die Gründung einer Bürger-Genossenschaft gestellt, denn eines oder zwei Windräder sollen in Bürgerhand bleiben. Mit einem Anteil ab 500 Euro können Interessenten einsteigen - sie sollen gemeinsam etwa 20 Prozent der zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro umfassenden Investitionssumme für ein Rad aufbringen. Die Marktgemeinde wiederum will sich nicht nur von anderen Energieversorgern unabhängig machen, sondern erwartet sich mittelfristig auch Gewerbesteuereinnahmen.

Mit dem Büro von New-En, das im Gemeindehaus "Lichtblick" des evangelischen Dekanats untergebracht ist, ist nun auch die Diersch&Schröder GmbH & CoKG in der Region vertreten, die mit 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Euro ein Unternehmen ist, das sich unter anderem dem Thema erneuerbare Energien verschrieben hat. Diersch&Schröder ist die Mutterfirma von Vis Nova und New-En. Geschäftsführer Jan Christiansen war aus Anlass der Büroeröffnung eigens aus Bremen angereist.

"Wir sind an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert", betonte auch New-En-Bereichsleiter Arne Henn mit Blick auf weiteren Beratungsbedarf in der Region. In den Thurnauer Gemeindeteilen Alladorf und Tannfeld zum Beispiel gibt es erste Überlegungen für den Ausbau eines Nahwärmenetzes - in Heinersreuth und Reichenbach (Presseck) ist New-En in diesem Bereich bereits aktiv.

Die Projektentwicklungsgesellschaft für den Windpark Thurnau hat jedenfalls ebenfalls schon ihren Sitz vor Ort. Für alle Beteiligten ein Zeichen, dass die Weichen tatsächlich hier gestellt werden. Und dafür wird sicher auch der Thurnauer Norbert Lawatsch sorgen.