Windkraft wird auf dem flachen Land zunehmend zum Problem.Viele Bürger wollen das nicht, etwa in Wonsees. Dort hat sich eine Initiative "Pro Heimat Fränkischer Jura" gegründet. Sie wendet sich vehement gegen Windkrafträder. 18 Stück sollen laut Regionalem Planungsverband Oberfranken-Ost auf dem als Vorranggebiet 93 und 95 ausgewiesenen Terrain der Gemeinde beidseits der Autobahn 70 gebaut werden.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung musste sich das Gremium erneut mit zwei Anträgen der Initiative mit Hans-Peter Zahner und Jürgen Klüpfel an der Spitze beschäftigen, obwohl im Februar bereits ein einstimmiger Beschluss gefasst worden war, das Vorhaben zu stoppen.

Grund des neuerlichen Vorstoßes: Die Windkraftgegner haben Angst, dass das Vorhaben trotz des Gemeinderatsbeschlusses in die Tat umgesetzt wird. Sie forderten daher nochmals eine Abstimmung, die die negative Meinung des Gemeinderats zur Windkraft bekräftigt. Und dass gleich juristische Schritte angekündigt werden, sofern der Planungsverband auf den Bau besteht. Zahner fuhr in seinem Schreiben starke Geschütze auf. Er nannte die Entscheidung im Februar eine "Show" mit dem Hintersinn: "Na ja, der Planungsverband richtet das schon wieder, die winken das durch, und wir haben dann die Windräder."

"Bodenlose Frechheit"

Als bodenlose Frechheit bezeichnete Gemeinderat Gernot Münch-Vogel Zahners Ausführungen: "Er muss mit uns reden, nicht nur Briefe schreiben." Die Mehrheit des Gremiums wandte sich gegen den angeschlagenen Ton. "Wir entscheiden nach gutem Gewissen und nicht nach Interessen, wir hängen nicht an unseren Posten", hieß es. Petra Kastl meinte: "Unsere Aufforderung an den Planungsverband, von dem Projekt Abstand zu nehmen, muss Gehör finden, sonst wäre das ebenfalls eine Frechheit."

Stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Schubert - Bürgermeister Günther Pfändner hielt sich diskret im Hintergrund - fasste nach längerer Diskussion die Meinungen zusammen - mit folgendem Ergebnis: Der Marktgemeinderat bekräftigt nochmals seinen Beschluss auf vollständige Ablehnung der geplanten Vorranggebiete 93 und 95 des Planungsverbandes Oberfranken-Ost. Insofern gab er den Antragstellern recht.

Zu juristischen Drohgebärden, wie verlangt, wollten sich die Ratsmitglieder aber nicht durchringen. Sie sehen zum jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit und Notwendigkeit für rechtliche Schritte gegen noch nicht getroffene Entscheidungen des Planungsverbands. Sollte dieser entgegen der Forderung des Marktes Vorrangflächen für Windkraft im Gemeindegebiet ausweisen, werde man sich mit der Einlegung von Rechtsmitteln befassen, sobald die Gründe für die Entscheidung des Verbandes bekannt seien.

"Mehr Druck erwartet"

Unzufrieden zeigte sich Jürgen Klüpfel nach der Sitzung. Er hätte eine klarere Stellungnahme erwartet und mehr Druck auf den Planungsverband. "Der Gemeinderat hat die Interessen der Bürger zu vertreten und nicht die Einzelner." Vor Februar sei ja schon die Angelegenheit positiv vom Gremium zu Gunsten der Windräder entschieden worden. Ein Umdenken habe erst stattgefunden, nachdem eine Unterschriftenaktion mit 6300 Bürgern aus der näheren Region und des weit überwiegenden Teils der Einwohner der Gemeinde Wonsees in Gang gekommen sei.

"Ich bin enttäuscht, dass der Gemeinderat jetzt nicht den Mut gefunden hat, gleich auf juristische Schritte hinzuweisen", sagte Klüpfel. Die Stadt Weismain sei diesen Weg für ihre Bürger gegangen. "Wir hoffen und erwarten nun, dass der Planungsverband dem mehrheitlichen Bürgerwillen folgt."

In der Sitzung ging es außerdem um die Beteiligung der Gemeinde am Test zur Erprobung eines einheitlichen Sprech- und Datenfunksystems für die Feuerwehren. Oskar Krause erläuterte die Voraussetzungen, genaue Zahlen über die Kosten der Funkgeräte konnte er allerdings noch nicht nennen. "Die Landräte der Kreise Bayreuth und Kulmbach wünschen sich das", sagte er, "weiße Flecken auf der entsprechenden Landkarte sollte es nicht geben." Im Haushalt 2014 müssten dafür seiner Meinung nach etwa 10 000 Euro angesetzt werden.
An der Einführung der Ehrenamtskarte im Landkreis Kulmbach beteiligt sich die Gemeinde mit 300 Euro. Die Räte folgten einem entsprechenden Vorschlag von Günther Pfändner.

Zustimmung signalisierte das Gremium auch zu einer Kostenbeteiligung des Marktes in Höhe von 1211 Euro an den Unterrichtsstunden der Städtischen Musikschule Hollfeld im Schuljahr 2012/2013. "Zahlreiche Wonseeser Kinder lernen dort und fühlen sich wohl", so Bürgermeister Pfändner.