"Teurer Fehler" urteilt der Bund der Steuerzahler, der in seinem Schwarzbuch die Verschwendung von Steuermitteln auflistet - und meint den Wernsteiner Löschwasserbehälter, der vor einem Jahr wieder weggerissen worden ist, weil das Bauwerk aus Beton in direkter Nachbarschaft zum Schloss die Optik gewaltig gestört hat. Der ganze Spaß kostet über 60 000 Euro. Und nach wie vor stellt sich die Frage: Wer bezahlt die Rechnung?

Zur Vorgeschichte: Die Gemeinde will den Feuerschutz in Wernstein verbessern und baut den Löschwasserbehälter. Allerdings ist ein anderer Standort vorgesehen, und das Bauwerk soll unter die Erde kommen. Da ein Baum und eine Wasserleitung im Weg sind, entscheidet Bürgermeister, dass das Bassin mit über 100 Kubikmeter Fassungsvermögen versetzt wird. Am neuen Platz in Straßennähe ragt der Betonklotz knapp zwei Meter aus dem Boden heraus - und es rührt sich Protest. Schlossherrin, Nachbarn und Landesamt für Denkmalpflege haben eine klar Meinung: Das Ding muss weg. Der Gemeinderat gibt mit 20:1 Stimmen (gegen Bürgermeister Dieter Adam) einem Bürgerantrag für den Abbruch statt.

Nachdem geraume Zeit Ruhe gewesen ist, kommt jetzt wieder Bewegung in die Angelegenheit. Das Thema steht am Montag auf der Tagesordnung des Mainleuser Gemeinderats - im nicht öffentlichen Teil.

Am Freitag den Ältestenrat unterrichtet

Im Vorfeld der Sitzung ist be kanntgeworden, dass die Dienst haftpflichtversicherung des Bürgermeisters, der die Verantwortung übernommen hat, nicht bezahlen will. Dieter Adam bestätigt den Eingang eines solchen Schreibens, das er gestern im Ältestenrat den Fraktionen vorgelegt hat. Adam geht davon aus, dass es im Gemeinderat eine intensive Diskussion geben wird. Denn hier sei eine Grundsatzentscheidung notwendig.

Wie es aussieht, bleibt das nicht mehr vorhandene Bauwerk weiterhin ein Klotz am Bein des Gemeinderats. Denn offenbar weigert sich die Versicherung, die Kosten zu übernehmen, weil der Bürgerantrag für den Abbruch durchgegangen ist. Der Gemeinderat habe es versäumt, über den Vorschlag des Bürgermeisters zu diskutieren, wie man den Schaden hätte minimieren können. Adams Plan wäre es gewesen, den Behälter abzuschneiden, das Fassungsvermögen auf genehmigungsfreie 90 Kubikmeter zu reduzieren und die Frontansicht durch Sandsteine und angeböschtes Erdreich zu kaschieren.

Fraktionsvorsitzender Günter Stenglein von den Freien Wählern glaubt nicht, dass es sich schon um eine endgültige Ab-sage handelt. Es gebe noch juristischen Schriftverkehr. "Wir müssen das Problem aus der Welt schaffen, das sind wir den Bürgern schuldig", betont er.

Auch für SPD-Fraktionssprecher Jürgen Karg bleibt es "unser Ziel, dass die Gemeinde und damit die Bürger nicht auf den Kosten sitzenbleiben dürfen". Er will sich aber noch nicht detailliert öffentlich äußern, "weil wir das Schreiben gerade erst bekommen haben". Allerdings sieht er eine Schwierigkeit auf den Gemeinderat zukommen: "Recht haben und Recht bekommen ist leider in Deutschland nicht immer dasselbe."

Skeptisch: Geld ist weg

Dass die Variante mit der Versicherung funktioniert, bezweifelt 2. Bürgermeister Robert Bosch (CSU) und redet Klartext: "Da müsste man jemand eine Schuld nachweisen, dass es auch vor Gericht standhält. So einen Fehler hat keiner gemacht, auch wenn der Bürgermeister die Verantwortung übernommen hat. Es steht nirgends schwarz auf weiß, dass der Behälter eben erdig im hinteren Teil des Grundstücks eingebaut wird." Bosch glaubt, "dass wir das Geld als Kommune nicht mehr kriegen. Wir dürfen uns da nichts vormachen."

Von der ABL ist am Freitag niemand zu erreichen gewesen.