Tage nach dem Fest anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Brücke über den Main-Zusammenfluss sind die Spuren noch deutlich sichtbar: Girlanden mit fränkisch-rot-weißen Schleifen am Brückengeländer, Birkenbäumchen mit Papierblumen, wehende Fahnen. Und mittendrin: ein Kranz, wie man ihn sonst nur auf Friedhöfen findet. "Aus der Heimat gemobbt! - In stillem Gedenken Wachtelkönig, Kiebitz, Bekassine, Wachtel und Co." steht auf einer weißen Schleife. Eine Anspielung auf die schwindende Population von Wiesenbrütern im Umfeld des Main-Zusammenflusses und ein Hinweis darauf, dass es da einen Zusammenhang mit dem Bau der Brücke gibt?

"In der Sache ist das schon richtig", sagt Frank Schneider vom Landesbund für Vogelschutz. "Aber das so auszudrücken, ist nicht unser Stil." Auch Karlheinz Vollrath, Vorsitzender der Kreisgruppe Kulmbach im Bund Naturschutz, kann sich nicht vorstellen, woher der Kranz kommen könnte.

Ähnlich äußert sich die Pressesprecherin der Stadt Kulmbach, Ulrike Braun: "Der Kranz stand zu Beginn der Festveranstaltung schon da. Aber wer ihn aufgestellt hat, wissen wir nicht."

Wer immer die Aktion zu verantworten hat: Er oder sie hat durchaus gute Gründe. So bestätigt Alexander Kusche von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Kulmbach, dass Wiesenbrüter - zu denen auch die genannten Vögel gehören - in der Tat selten geworden sind.

Wo Wiesen immer intensiver genutzt und immer früher im Jahr gemäht werden, haben Wiesenbrüter keine Chance mehr, ihre Brut erfolgreich aufzuziehen. "Eine weitere Gefahr für die Wiesenbrüter stellt die Lebensraumzerschneidung und Freizeitnutzung dar. So wirken sich regelmäßige Störungen durch Spaziergänger und Radler negativ aus. Insbesondere sorgen aber frei laufende Hunde für Beunruhigung und können für Nestlinge und Gelege eine ernsthafte Gefahr darstellen."

Deshalb sei, so Kusche, in den vergangenen Jahrzehnten bundesweit ein Rückgang der Populationen zu verzeichnen.

Im Bereich des Main-Zusammenflusses liegen die letzten Kartierungen etwa sechs Jahre zurück. Damals konnten noch typische Vertreter der Wiesenbrüter festgestellt werden (zum Beispiel Kiebitz, Bekassine, Braunkehlchen), so Kusche. "Aktuelle Erhebungen aus dem Bereich des Main-Zusammenflusses gibt es nicht, so dass über die derzeitig dort vorkommenden Arten keine gesicherte Aussage getroffen werden kann."

Grundsätzlich besäßen die Mainauen die Eignung als Lebensraum für Wiesenbrüter, seien aber durch die oben genannten Einflüsse mehr oder weniger ebenso betroffen wie andere Wiesenbrütergebiete.

Mit dem Angebot von freiwilligen Förderprogrammen für Landwirte, wie dem Vertragsnaturschutzprogramm, versuche man als Naturschutzbehörde auch die Lebensbedingungen für Wiesenbrüter zu verbessern.

"Tendenziell haben sich aber die Wiesenbrüter aus den stärker gestörten und frequentierten Bereichen zurückgezogen und besiedeln nun eher Bereiche mit weniger Besucherverkehr und entsprechend extensiv genutzten Wiesen und Feldern."

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