Kennen Sie das? Sie stehen unter Zeitdruck, beim Metzger leider aber in der zweiten Reihe, und der Kunde vor Ihnen befindet sich im Kaufrausch. Er braucht gefühlt Stunden, um zu entscheiden, ob er nun Leberwurst, 200 Gramm Bierschinken oder doch Göttinger will. Zum aus der Haut fahren ist das, manchmal kann einem der Einkäufer aber sogar leid tun.

Wie der Mittachtziger, der mich vor kurzem auf dem Weg zur Arbeit ausgebremst hat. Für ihn war die Zeit an der Ladentheke eine Qual. Die Frau war krank, und so wurde der alte Mann, selbst nicht bei bester Gesundheit, allein auf die Reise geschickt. Ohne Einkaufszettel - leider. Da er seine Frau bis dato nur selten zum Metzger begleitet hatte, kamen er, aber auch die Verkäuferin bei der Auswahl der Wurstsorten gehörig ins Schwitzen. Was es schwierig machte: Der Mann litt unter einer Lebensmittelunverträglichkeit, konnte die Frage, was er nicht verträgt, aber nicht beantworten. "Das wüsste jetzt meine Frau", sagte der Senior, der ohne weiblichen Beistand völlig aufgeschmissen war.

Nach ein paar Minuten geduldigen Wartens habe ich Mitleid mit dem Rentner bekommen. "Wer weiß, wie es mir im Alter geht", habe ich mir gedacht und ihm gewünscht, dass nach seiner Einkaufstour der Haussegen nicht schief hängt. Vielleicht hatte er mit der Leberwurst, der Salami und dem Bierschinken ja letztlich doch noch die richtige Wahl getroffen.