Der voll besetzte Saal liegt im Halbdunkel, als sich eine vermeintliche Zuschauerin laut am Handy telefonierend ihren Weg durchs Publikum bahnt - da muss doch noch ein Platz in der ersten Reihe frei sein. Plötzlich ein Schuss, und die Frau fällt "tot" um.

"Und so geht es jedem, der hier heute Abend telefoniert", raunt Siggi Michl postwendend ins Mikrofon. Die erste Mordsüberraschung ist gelungen - die Zuschauer sind gleich mitten drin in der "Kriminacht im Blauen Haus".
Eine unterhaltsame Mischung aus Lesung, Schauspiel und Konzert bietet das "Trio Morbido" am Freitagabend in Döllnitz.

Zu Beginn fühlen sich die Darsteller in ihrer Rolle gefangen, sie sind die Opfer des mordlüsternen Publikums, das extra zu dieser Veranstaltung gekommen ist, um seinem unheimlichen Verlangen nachzugeben.
"Sie meinen, diese Menschen geben Geld dafür aus, um Morde zu erleben?", fragt die Patientin (Sibylle Friz) den Psychiater (Siegfried Michl), der diese Frage sofort bejaht und erklärt: "Tief in jedem wohnt die Lust am Sterben. Und wir sind hier, um die Erwartungen virtuell zu befriedigen." Ein Methadonprogramm für Mordphantasten, lautet sein Fazit.

Und in der Tat fühlt sich das Publikum ertappt, knistert die Luft vor Begeisterung an der Mordeslust, alle fühlen sich angesprochen. Man schaut in amüsierte, lachende Gesichter, in den hinteren Reihen kichert jemand unaufhörlich, die Stimmung ist gelöst und zugleich gespannt. Hat doch jede Episode der Darbietung ihren eigenen, oft unerwarteten Höhepunkt.

Kochbuch eines Kannibalen

"Aus dem Kochbuch eines Kannibalen" wird etwa vorgetragen, wobei Autorin Heike Schwandt zu beherzigen bittet, dass "Japaner einen leicht fischigen Nachgeschmack haben und Matrosen nicht mehr gesalzen werden müssen." Finanzbeamte seien im Fleisch eher trocken und faserig, während Politiker oft schwammig und geschmacklos geraten. Deftiger Applaus folgt auf diese ungewöhnliche Kochanleitung, und immer wieder sorgen Siggi Michl und Sibylle Friz mit Gitarre und Cello für einen gelungenen Medienwechsel.

Nach rund zwei Stunden Mordsprogramm verabschiedet sich das Trio mit einer Zugabe von seinem begeisterten Publikum: Heike Schwandt, die Frau mit der morbiden Fantasie, Sibylle Friz, die Frau mit dem Mordsinstrument, und Siggi Michel, der Mann mit den mordlüstigen Liedern. Als dann noch während der Darbietung ein Glas auf dem Boden der Bühne umstürzt und mit lautem Knall zerspringt, geht ein Zucken durch den Saal - ein ungeplanter Schreck, und viele hätten schwören können, es klang wie ein Schuss.

"Großartig", resümiert Besucherin Evi Weier, "das war doch mal ein unterhaltsamer Freitagabend." Und das sehen alle so, die sich heiterer Stimmung in der dunklen Vollmondnacht auf den Weg zu ihrem Auto machen.
Die Idee zur Kriminacht hatte Siggi Michl, und er sprach Schriftstellerin Heike Schwandt an, ob sie nicht Lust hätte, bei einem solchen Projekt mitzuwirken. "Heike und ich kennen uns schon lange", verrät Michl, "sie musste einfach dabei sein."

Anfangs hatte die Formation eine ganze Band aufzuweisen, aber seit dem vergangenen Sommer hat sich ein kreatives Trio herauskristallisiert. "Die meisten Texte stammen von mir, aber Rüdiger Baumann hat auch einiges beigesteuert", erklärt Autorin Schwandt, die neben Krimis auch schon einen Kinderthriller mit dem Titel "Ohne mich kannst du nicht leben" veröffentlicht hat.

Die Dritte im Bunde ist Sibylle Friz, die musikalisch und schauspielerisch überwiegend in der Kleinkunst zu Hause ist, aber auch beim Theatersommer und auf der Studiobühne schon gespielt hat.

Weitere Termine

Wer die Kriminacht verpasst hat, kann das "Trio Morbido" am 27. Februar in der Stadtbibliothek Hof sehen, dann aber erst wieder am 24. Juli in Thurnau im Rahmen der Kunst- und Kulturwochen "Schwantastisch". Weitere Informationen unter www.sibylle-friz.de oder www.siggi-michl.de