Ein vielschichtiges Wesen war ihm zu eigen: Enoch zu Guttenberg, der gestern im Alter von nur 71 Jahren in München gestorben ist, war Musiker und Politiker, weltläufig und heimatverbunden, in engem Kontakt mit den Großen dieser Welt, gleichzeitig aber ein väterlicher Freund für die Menschen in Guttenberg, dem Stammsitz seiner Familie.
In ihren Nachrufen (siehe auch Seite 3 dieser Ausgabe) würdigen die großen Medien den Musiker Guttenberg: Gründer der Chorgemeinschaft Neubeuern, Intendant der Festspiele auf Herrenchiemsee, Ehrendirigent der Hofer Symphoniker.
Sie erinnern auch an den Politiker Guttenberg: liberal und konservativ zugleich, einst unter großer öffentlicher Beachtung aus der CSU ausgetreten, dann wieder eingetreten, im Herzen aber wohl grün als schwarz. 1975 hat er den Bund für Umwelt und Naturschutz mitbegründet, 2012 hat er ihn verlassen aus Protest gegen die "Verspargelung" seiner fränkischen Heimat durch Windkraftanlagen.
Die Menschen in Guttenberg und im Landkreis Kulmbach werden noch einen ganz anderen Menschen in Erinnerung behalten, der für sie immer nur "der Baron" war. Die Familie derer zu Guttenberg bezeichnete den Ort immer als "Heimat" - auch wenn die aktuellen Wohnsitze oft ganz woanders liegen und lagen. Und für diese Heimat engagierte sich Enoch zu Guttenberg in vielfältiger Weise.
Als (selbst katholischer) Patronatsherr der evangelischen Kirchengemeinde war er nicht nur wie selbstverständlich dabei, wenn Geistliche verabschiedet oder neu ins Amt eingeführt wurden. Erst sein finanzielles Engagement hat es möglich gemacht, dass es in der Gemeinde statt einer halben eine ganze Pfarrstelle gibt.
Als Waldbesitzer hat Enoch zu Guttenberg zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Die Wälder rund um das Schloss bieten immer noch vielen Menschen Beschäftigung, auch wenn der Grund ganz offiziell mittlerweile einer österreichischen Privatstiftung gehört und Sohn Philipp Franz Hausherr auf Guttenberg ist.
Immer wieder war der Musiker Guttenberg mit verschiedenen Ensembles in Konzerten zu hören. Zur Feier des 500-jährigen Bestehens der Kirche St. Vitus in Kupferberg bescherte er den Kupferbergern und vielen, vielen anderen wahre musikalische Sternstunden. Tiefe Eindrücke hinterließen ein Konzert seiner Chorgemeinschaft Neubeuern in der Basilika Marienweiher oder ein von ihm initiiertes Treffen von annähernd 1000 Jagdhornbläsern auf dem Kulmbacher Marktplatz.
Den älteren Menschen in der Gemeinde Guttenberg wird Enoch zu Guttenberg als großzügiger Gastgeber in Erinnerung bleiben, der zusammen mit seiner zweiten Frau Ljubka Biagioni (von der er seit 2016 geschieden war) in der Vorweihnachtszeit zu stimmungsvollen Nachmittagen aufs Schloss lud.
Und schließlich kannten und liebten die Menschen in der Region ihren "Baron" auch als Familienmensch. Als sich im Jahr 2011 mehr als 2000 Menschen vor dem Schloss zu einer Solidaritätsbekundung für den kurz zuvor zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zusammenfanden, zeigte sich auch Enoch zu Guttenberg solidarisch mit seinem Sohn.
Bei all diesen und vielen anderen Gelegenheiten sind zahlreiche Fotos entstanden, die wir hier als Erinnerung an Enoch Freiherr von und zu Guttenberg noch einmal zeigen.