Den Kulturpreis des Landkreises verlieh Landrat Klaus Peter Söllner am Donnerstagabend in der Steinachtalhalle an die Stadtkapelle Kupferberg und an die Faschingsgesellschaft Stadtsteinach.

"Nicht nur bedeutende Museen und Theater, nicht nur grandiose Bauwerke sind Spiegelbild der Kultur, sondern auch jene Menschen, die in ihrem Umfeld, in ihrem Dorf, in ihrer Stadt, in Vereinen, Verbänden und Organisationen Akzente für die Kultur setzen", betonte der Landrat als Leitlinie für die Auswahl der Preisträger.

Dazu zitierte er den Weltklassemusiker Daniel Barenboim: "Die Kräfte der Kultur stärken heißt die Gesellschaft bessern." Barenboim, gebürtiger Argentinier jüdischen Glaubens, spielte als Erster nach 1945 Musik von Richard Wagner in Israel und demonstriert mit einem Orchester von jugendlichen Musikern aus Israel und Palästina die verbindende Kraft von Musik über alle politischen und gesellschaftlichen Hürden hinaus.

"Mehr als alles andere leistet die Kultur ihren Beitrag zur Entwicklung einer humanen Gesellschaft," resümierte Söllner: "Kultur stiftet und prägt Identität, transportiert Werte, schafft Heimat" - und auf das alltägliche Leben bezogen: Kultur sorgt für "Freude, Frohsinn und Heiterkeit", wofür der Landkreis seit fast 40 Jahren "hervorragende Repräsentanten" auszeichnet, "die beispielhaft für die Qualität der kulturellen Leistungen stehen, die unseren Landkreis ausmachen."

Die Preisverleihung wurde von der Stadtkapelle Kupferberg unter Leitung von Valerij Efremov mit mehreren Stücken unterschiedlicher Stilrichtungen musikalisch gestaltet. Für die Faschingsgesellschaft traten die Mickigarde, Tanzmariechen Nicole Gomer und die Hugo-Crew auf.

Die beiden Kulturpreisträger würdigten für den Nordbayerischen Musikbund dessen Bezirksvorsitzender Thomas Kolb und für den Faschingsverband Franken dessen Präsident Marco Anderlik. Die Bürgermeister der Landkreisgemeinden, zahlreiche Kreistagsmitglieder und Vertreter der bisherigen Preisträger, Pfarrerin Sigrun Wagner und Dekan Hans Roppelt sowie die Direktoren der Banken im Landkreis erwiesen den Preisträgern ihre Reverenz.

Die beiden Preisträger

Die Anfänge der Stadtkapelle im Verein der Musikfreunde Kupferberg liegen in der Zeit des Bergbaus in der drittgrößten Stadt des Landkreises. Eine Bergmannskapelle war einst Dreh- und Angelpunkt bei kirchlichen und weltlichen Festen; so gab es nach dem ersten Weltkrieg in Kupferberg noch eine erstklassige Blaskapelle. Nach dem zweiten Weltkrieg mussten für Veranstaltungen und kirchliche Feste allerdings auswärtige Kapellen verpflichtet werden.

1957 stellte Pfarrer Dürschinger 18 Instrumente zur Verfügung. Aber erst zehn Jahre später nahm Pfarrer Zeis die Gründung eines Vereins in die Hand; 1968 kam es dann zur Gründung des Vereins der Musikfreunde. Unter dessen Dach sind heute die Stadtkapelle, die Kupferberger Schupf‘nmusik und die Prinzengarde vereint. Im vergangenen Jahr feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Mit regelmässigen Veranstaltungen prägt der Verein seither das kulturelle Geschehen in der Stadt. "Die Stadtkapelle Kupferberg hat sich in den letzten Jahren zu einem hervorragenden Klangkörper entwickelt," resümierte Landrat Söllner. Sie sei ein "würdiger Vertreter für den Kulturpreis des Landkreises".

Die Faschingsgesellschaft Stadtsteinach wurde 1952 von Albert Breiden, Otto Vorndran, Hans Heiß, Heinrich Schramm, Hans Hümmer, Fritz Heiß und Ludwig Fick gegründet, musste sich 1955 allerdings mangels Interesse und aktiver Mitarbeit "eine Pause gönnen", wie Söllner im Rückblick auf die Geschichte des Vereins meinte. Dank des Stammtisch "Steinach Jungs" wurde er 1966 aber wiederbelebt.

Und heute ist dank der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach zu einer Hochburg des Faschings in Franken geworden. Vier Tanzgarden sind mittlerweile deren Aushängeschild. Aktuell tanzen rund 150 Aktive zwischen drei und 62 Jahren in sieben Gruppen; 17 Trainerinnen kümmern sich das ganze Jahr über um die sichtbaren Akteure. Im Hintergrund wirken zudem zahlreiche weitere von insgesamt 350 Mitgliedern um prachtvolle Kostüme und um ein perfektes Make-up.

Die Maxigarde konnte bisher viermal die Deutsche Meisterschaft im Schautanz erringen und war zweimal Europameister. Selbst das Männerballett ist überregional erfolgreich und beweist, dass diese Disziplin etwas anderes sein kann als Klamauk, so der Landrat. Gardetanz, wie er heute gezeigt wird, sei ein Turniertanz mit leistungssportlichen Ambitionen, die den Tänzern ein intensives, akrobatisches Training abverlangt.