Heiner Schwank hat gut zu tun. Der 64-Jährige prüft regelmäßig die Wanderwege im Gemeindegebiet Wonsees.

Neben überregional bekannten Routen wie dem Fränkischen Gebirgsweg oder dem Jean-Paul-Weg gibt es noch zahlreiche lokale Rund- und Verbindungswanderwege, gekennzeichnet etwa mit roten, blauen oder gelben Ringen und Strichen. Sind die Wegmarkierungen ausgeblichen oder Pfosten abgebrochen, bringt Schwank neue an. Immer dabei hat er Werkzeuge wie Akkuschrauber, Heckenschere, Brecheisen oder Schlegel.

Schwank ist Wegewart. Seit zwölf Jahren kümmert sich der ehemalige Bauhofleiter um rund 170 Kilometer Wanderstrecke. Er macht das ehrenamtlich für die Ortsgruppe des Fränkische Schweiz Vereins.

Auf die Frage "Warum?" antwortet er nur: "Jemand muss es ja machen." Dann gibt er aber zu, dass er sich ganz gerne mit Wanderern unterhält.

In der gesamten Fränkischen Schweiz gibt es Wegewarte wie Heiner Schwank. Ihre Arbeit wird künftig wichtiger denn je. Unter Federführung des Kulturamts des Landkreises Forchheim soll die Fränkische Schweiz eine "Qualitätswanderregion mit starkem Kultur- und Gesundheitsprofil" werden. Für 1,3 Millionen Euro werden 3000 Kilometer Wanderwege digitalisiert, neu ausschildert und mit Rettungs-Notrufpunkten ausgestattet. Parallel dazu wird ein Kulturinventar erstellt. Ausgewählte Sehenswürdigkeiten bekommen einheitliche Infotafeln und werden in ein Online-Verzeichnis aufgenommen. 70 Prozent der Kosten trägt das EU-Förderprogramm LEADER zur Entwicklung ländlicher Regionen, 20 Prozent übernimmt die Oberfrankenstiftung und zehn Prozent die beteiligten Landkreise Bayreuth, Forchheim, Kulmbach, Bamberg und Lichtenfels. Projektstart ist noch in diesem Jahr geplant.

In den einzelnen Gemeinden bereitet man sich auf die Renaissance zahlreicher, teils noch wenig bekannter Wanderwege vor. Sandra Bali, Verantwortliche für Kultur, Tourismus und Gemeindeentwicklung in Thurnau, sagt: "Das Thema steht schon lange im Raum. Der Funke kam durch die Qualitätsregion."
Die größte Herausforderung sei es gewesen, überhaupt Freiwillige zu finden. Dass Thurnau gleich vier neue Wegewarte gefunden hat, sei sehr erfreulich. Eine davon ist die Pädagogin Anke Levermann (36). Sie sagt: "Ich wandere viel mit meinem Hund. Das möchte ich damit verbinden, die Region zu stärken." Levermann ist erst vor drei Jahren nach Thurnau gezogen und hat sich selbst schon verlaufen.
Das ist dem Thurnauer Urgestein und Neu-Wegewart Klaus Bock (64) zwar noch nicht passiert, aber er versteht das Problem mit der Orientierung. "Für die Einheimischen ist es selbstverständlich, doch wenn man nicht von hier ist, ist es schwierig", erklärt er. Viele Wege seien derzeit nicht ausreichend beschildert, so dass Bock verirrte Wanderer am liebsten immer begleiten würde.

Kürzlich haben sich die insgesamt neun Wegewarte der Gemeinden Kasendorf, Thurnau und Wonsees zum ersten Mal im Thurnauer Rathaus getroffen. Unter anderem ging es um die
Fragen, wer gemeindeübergreifende Wege pflegt, welche Werkzeuge man benötigt oder wie man Schilder am besten an Bäumen befestigt.
Ein zentraler Punkt war der Erfahrungsaustausch zwischen erfahrenen Wegewarten und Neuzugängen. Um Letzteren zu einem guten Start zu verhelfen, wurde im Rahmen des LEADER-Projekts eine Ausbildung in Ebermannstadt angeboten. In insgesamt 60 Unterrichtseinheiten a 45 Minuten wurden den Teilnehmern Rechtsgrundlagen, digitale Wegeführung, digitales Wegemanagement, Markierungsrichtlinien, Markierung und Betreuung von Wanderwegen in Theorie und Praxis vermittelt.

"Der Zeitaufwand der Wegewarte ist immens", sagt Tourismusverantwortliche Bali. Das Wichtigste sei, dass die Leute motiviert sind. Alles andere hänge lediglich von der Organisation ab. Gemeindeübergreifende Wegewarttreffen sollen nun öfters stattfinden.

Für Beschwerden oder Anregungen zu Wanderwegen bitten die Gemeinden darum, sich direkt an die jeweilige Verwaltung zu wenden. Für Thurnau steht die E-Mail-Adresse wegewarte@thurnau.de zur Verfügung, für Kasendorf poststelle@kasendorf.de und für Wonsees poststelle@wonsees.de


Die Gemeinde Wonsees gibt seit dieser Woche eine neue Wanderempfehlung "Wonsees für Entdecker und Genießer" heraus mit allen Wanderwegen und Sehenswürdigkeiten in der Region. Kostenlos erhältlich sind Broschüre und Wanderkarte in der Verwaltungsgemeinschaft in Kasendorf sowie in den Touristinfos Kulmbach und Bayreuth.