Dort, wo früher das Wirtshaus "Schwanenbräukeller" stand und sich Garagen und Lagerhallen der Spedition Murrmann befanden, wächst eine Wohnanlage empor. Es sollen fünf Geschosse werden - unten Kfz-Stellplätze, darüber vier Stockwerke mit 19 Eigentumswohnungen.

Doch dabei soll es nicht bleiben, wenn es nach dem Investor geht. Die Premium-Bauträgergesellschaft aus Stadtsteinach will auf dem Grundstück im Spiegel 12 ein zweites Gebäude errichten. Ebenso groß, wie Nachbarn vermuten.

Auf unsere Anfrage äußerte sich der Bauträger nicht zu seinen Überlegungen. Aber die Stadt Kulmbach bestätigte, dass eine Voranfrage eingegangen ist.


2017: "Nur ein Wohnblock"

Beim Projekt "Schwanenhof" hatte der Investor vor zwei Jahren zwei Wohnhäuser geplant, was vom Stadtrat als problematisch eingestuft worden war. Schließlich gab die Stadt grünes Licht. "Wir haben mit dem Bauträger eine gute Lösung gefunden. Es wird nur ein Wohnblock realisiert", verlautete Ende 2017 aus dem Rathaus.

Was den Investor dazu bewogen hat, seine Pläne zu revidieren, ist nicht bekannt. Aber es sickerte in der Nachbarschaft durch, dass das Bauvorhaben doppelt so groß werden soll - um mehr Profit zu machen, wie es hieß. Dagegen rührt sich im Spiegel Protest. Denn schon die Dimensionen des ersten Gebäudes seien, so Heike Müller, "für unser Stadtbild gewaltig".


"Die Stimmung ist gereizt"

Ihre Nachbarin Susanne Volkmar sammelte im Viertel Unterschriften und informierte die Stadtratsfraktionen. 30 Anwohner hätten unterschrieben. "Die Stimmung ist gereizt. Die Leute sind entsetzt, verärgert und fassungslos", sagt sie.

Volkmar gibt die Meinung ihrer Mitstreiter wieder: "Aus städtebaulicher Sicht passt noch so ein großer Klotz hier nicht rein." Wenn es wenigstens sozialer Wohnungsbau und bezahlbarer Wohnraum für junge Familien wäre, könnte man das Projekt eher akzeptieren. Aber so seien es teure Quadratmeterpreise, und angeblich habe ein Käufer allein 15 Wohnungen erworben.

Neben dem städtebaulichen Argument führt Volkmar auch die Verkehrsproblematik ins Feld. Es geht vor allem um den ruhenden Verkehr.


Streit wegen Parkplätzen

"Die Parkplatzsituation vom Festungsberg bis zur Wolfskehle ist schwierig", sagt sie. "Jeder schimpft, wenn er einen Strafzettel bekommt, weil er ein bisschen außerhalb der Markierung geparkt hat." Und Heike Müller bestätigt, dass Parkplatzstreitereien "den nachbarschaftlichen Frieden stören".

Wie steht die Stadt Kulmbach zu den Plänen des Bauträgers? "Ja, es stimmt, es ist eine Voranfrage zum ,Schwanenhof' bei uns eingegangen", erklärte Pressesprecher Tobias Günther. Aber man habe dem Investor bisher keine Zusagen gemacht. Gleichzeitig, so Günther, sei die Stadt auch im Kontakt mit den Anwohnern. Es hätten sich vereinzelt Bewohner der Nachbarschaft ans Rathaus gewandt.


Das ist der Sachstand

Wie ist der Sachstand? "Aktuell wird die Anfrage von unserer zuständigen Abteilung sorgfältig geprüft, da zum einen das Grundstück als Vorhaltefläche für eine spätere Hochwasserfreilegung angedacht ist. Es soll hier also vor allem abgeklärt werden, in wieweit das Bauvorhaben mit dem Hochwasserschutz konform geht, da die Thematik des Hochwassers dort mit dem Kohlenbach bekanntermaßen brisant ist und wir selbstverständlich auch die öffentlich-rechtlichen Belange des Hochwasserschutzes berücksichtigen möchten", so Günther.

Zum anderen gibt es nach seinen Worten im Spiegel eine sehr dichte Bebauung, so dass natürlich auch abgeklärt werden müsse, wie sich das Bauvorhaben in Form und Ausprägung passend einfügt. Günther: "Sind diese Punkte geprüft, wird das Bauvorhaben dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt."