Zu einer Diskussion vor Ort über die Entwicklung des ehemaligen Thurnauer Bahnhofgeländes hatte der Bürgermeisterkandidat der Liste FDP/Unabhängige Bürger, Veit Pöhlmann aus Limmersdorf, eingeladen. Die Veranstaltung stieß mit einer Teilnehmerzahl von über 80 Bürgern auf großes Interesse. Pöhlmann forderte mit deutlichen Worten eine konzeptionelle Gesamtplanung "für den zweiten Ortskern von Thurnau". Dazu gehören nach Auffassung Pöhlmanns auch der Anteil der Firma Gernet sowie die gegenüberliegenden leer stehenden Gebäude der ehemaligen Spedition Vogel und des Baugeschäfts Müller.

"Es ist eine entscheidende Frage für Thurnau, was hier einmal errichtet und entstehen soll. Viele weitere Folgeentscheidungen hängen davon ab. Über den Bereich des alten Thurnauer Ortskerns wird bereits viele, viele Jahre gesprochen, aber wenig getan", nahm Pöhlmann kein Blatt vor den Mund.

Für die Beantwortung der Frage: "Was will Thurnau, und wie soll es hier in 15 bis 20 Jahren einmal aussehen?" ist laut Veit Pöhlmann eine gezielte Planung notwendig. Das einst vorgesehene Dienstleistungszentrum sei zwar hoch gepriesen worden, wäre aber nur eine Verlagerung bestehender Einrichtungen gewesen und hätte woanders Leerstände verursacht.

Gegen Hochwasserfreilegung

Ausführlich ging der Redner auf weitere Überlegungen wie die Errichtung des Seniorenheims (wo jetzt der Edeka-Markt steht) oder die Erweiterung der Firma Gernet ein. Eine klare Absage erteilte Pöhlmann dem für 2014 geplanten Beginn der Hochwasserfreilegung, die auch das einstige Bahngelände stark tangiert. Zum einen werde so schnell keine große Überschwemmung kommen, außerdem gebe es Alternativen für die Wasserrückhaltung im Einzugsbereich. Zudem dürfe ein solches Projekt mit Blick auf die angespannte Finanzlage des Marktes Thurnau heuer nicht begonnen werden, sagte er.

Pöhlmann plädierte für die Erarbeitung eines ersten Entwurfes mit hoher Bürgerbeteiligung. "Ich bin da durchaus für Vieles offen, aber die Grünzone muss an dieser markanten Kreuzung erhalten bleiben."

Auf dem freien Areal, so der Bürgermeisterkandidat, könne er sich eine kompakte Wohnbebauung vorstellen. Auf jeden Fall müsse die ortsnahe Lebensmittelversorgung beibehalten werden. "Das Ganze ist ein Prozess und ein hochkompliziertes Verfahren, das lange dauert. Es ist die Aufgabe des Bürgermeisters, hier nach akzeptablen Lösungen zu suchen. Bei der am 16. März stattfindenden Wahl werden dafür die entscheidenden Weichen gestellt. Ich glaube, dass wir hier für den Markt Thurnau nach und nach etwas Tolles machen können und würde es gerne in die Hand nehmen", sagte Pöhlmann.

Dafür, forderte er, gelte es nun so schnell wie möglich einen Arbeitskreis ins Leben zu rufen mit dem Ziel, für ein lebens- und liebenswertes Thurnau etwas Anständiges zu schaffen. Städtebauliche Entwicklungen müssten nun einmal langfristig angelegt sein.

Baugebiet langfristig notwendig

Zudem müsse langfristig ein neues Baugebiet her, sagte Pöhlmann, der dafür die Kirschallee favorisiert. Eine Lösung müsse auch für den Verkehrskreisel überlegt werden, aber nicht hier. "Das Ganze ist ein zentrales Thema für die nächsten Jahre. Alleine die Vorüberlegungen werden bis zu zwei Jahre andauern. Die Wahl in gut vier Wochen ist also mit einem großen Fachthema verbunden".

Aufgeworfen wurde von Pöhlmann in diesem Zusammenhang auch das Vorhaben der Edeka-Handelskette, gegenüber der Autobahnmeisterei einen neuen Einkaufsmarkt zu errichten. Hier sollten seiner Meinung nach schnell Gespräche geführt werden mit dem Ziel, die zusätzlich benötigte Verkaufsfläche im Bereich des bestehenden Standorts zu schaffen.

"Das Vorhaben mit dem Dienstleistungsprojekt hat mich befremdet. Ich würde es schade finden, wenn das ehemalige Bahnhofsareal so zugebaut würde", sagte Eisenbahn-Fan Rainer Grampp aus Kulmbach, der den Ausführungen Veit Pöhlmanns interessiert gelauscht hatte.