In der heutigen Entdecker-Tour betrachten wir ein Haus an der Ecke Langgasse/Grabenstraße. Erbaut worden ist es anstelle des vor November 1788 abgebrochenen "Crines Thores", das auch als Veiten-, Hirschen- oder Langgässer-Tor bezeichnet wird. Über den an diesem Tor angebrachten Wappenstein berichteten wir in Folge 82 ausführlich.

Im Stadtgraben errichtet

Das Gebäude wurde außerhalb der Stadtmauer im früheren Stadtgraben errichtet und wegen seiner günstigen Lage gerne auch als Geschäftshaus genutzt. So kaufte 1922 die Nähmaschinen-Fabrik Pfaff aus Kaiserslautern das Haus Langgasse 8 und eröffnete nach umfänglichen Sanierungsarbeiten 1923 die Verkaufs- und Reparaturräume.

In den damaligen Tageszeitungen wurde nur wenig über solche Ereignisse berichtet. Aber mit einer halbseitigen Annonce wurde dafür geworben.

Vom Vater "eingefädelt"

Es gab für die Firma Pfaff mehrere Konkurrenten. Beispielsweise waren auch Singer, Excella, Naumann oder Victoria und Wilson um Kunden bemüht. Unter dem Motto "Von Kaiserslautern in die Welt" errichtete die Firma Pfaff ihre Niederlassungen und wurde unter der Geschäftsführung von Lina Pfaff (1854 - 1929) zu einem der führenden Nähmaschinenhersteller weltweit."Eingefädelt" hatte das Geschäft ihr Vater Georg Michael Pfaff, der bereits 1862 seine erste Nähmaschine verkaufte.

Lina Pfaff war die einzige weibliche deutsche Kommerzienrätin und sehr sozial eingestellt. So ließ sie zum Beispiel die Pfaff-Siedlung für Werksangehörige und das Pfaff-Bad errichten. Auch die Einführung der betrieblichen Krankenunterstützung oder der Sterbekasse weist auf die soziale Ader der Unternehmensleitung hin und zeigt die Verbundenheit zu Arbeitern und Angestellten, die sich stolz als "Pfaffianer" bezeichneten.

Wie einer Anzeige in der Bayerischen Rundschau vom 25. Juni 1966 zu entnehmen ist, wurde das "Pfaffhaus" nach einem langwierigen Umbau wiedereröffnet. Die Spitzen der Stadt, angeführt von Oberbürgermeister Wilhelm Murrmann, gratulierten Geschäftsführer Alfred Gennrich und dem Leiter der Kulmbacher Niederlassung, Heinz Wesenberg, zu der gelungenen Umgestaltung des Gebäudes.

Drei von vier Steinen sind weg

Besonders wurde die neue Passage für Fußgänger hervorgehoben, denn nun konnten diese in der vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße Langgasse ohne Gefahr durch heranbrausende Autos die neuen Schaufenster betrachten. Dankbar zeigte man sich für die Verlagerung des schönen Kulmbacher Wappensteins, der bisher wenig beachtet am Dach angebracht war und nun an der Fassade neben den Schaufenstern stolz von der Kulmbacher Vergangenheit kündete.

Der Kulmbacher Architekt H. Riedl leitete den Umbau der vorzüglich ausgestatteten Kundenräume. Im Parterre befanden sich der Verkaufs- und Ausstellungsraum und im Obergeschoss eine großzügig eingerichtete Nähschule. Dort wurde nach einem von der Firma Pfaff ausgearbeiteten einfachen System in allen Sparten des Maschinennähens, des Zuschneidens, aber auch des Maschinenstickens unterrichtet.

Der Name Pfaff war lange Zeit der Begriff für Qualität und moderne Technik.

Insolvenz und Verkauf

Doch in den 1980er Jahren begann der Anfang vom Ende des Traditionsunternehmens.

Beschäftigte man in dieser Zeit noch 9000 Menschen, war es 1998 nur noch ein knappes Drittel. 1999 musste Pfaff zum ersten Mal Insolvenz anmelden, und nach mehreren Versuchen, die Firma zu retten, wurde sie 2013 an einen chinesischen Nähmaschinenhersteller verkauft. Von den ehemals vier "Pfaffsteinen" am alten Nähmaschinen-Haus überlebte nur einer den Umbau 1966, aber den können wir noch heute betrachten.

Wir wissen nicht, wie viele solcher Firmenzeichen es noch außerhalb Kaiserslauterns gibt, aber wir freuen uns, dass dieser Kulmbacher "Pfaffstein" in der Grabenstraße an die Zeit der nähenden Bevölkerung in Kulmbach mit Maschinen der Firma Pfaff erinnert.