Michael Kofer steht vor einem Rätsel: Der Verkehrssachbearbeiter der Kulmbacher Polizei kann sich - wie auch andere Experten - nicht erklären, warum sich die Kreuzung bei der Holzmühle, seit die B 85 ausgebaut worden ist, zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt hat.

Am Mittwoch hat es an der Abzweigung nach Grafendobrach schon wieder gekracht - inzwischen der sechste Unfall seit der Straßenfreigabe vor eineinhalb Jahren. Ein Mann ist schwer verletzt worden. Lebensgefahr besteht nach Angaben der Polizei aber nicht. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 40 000 Euro.

Was ist geschehen? Ein Audi mit Kronacher Kennzeichen befährt um 8.10 Uhr, von Grafendobrach kommend, die Kreisstraße KU 9. Ein 18-jähriger aus Nordhalben und drei Mitschüler befinden sich auf dem Weg zur Schule in Kulmbach. Der Fahranfänger will an der Einmündung in die B 85 nach links in Richtung Kulmbach abbiegen. Dabei kommt es zum Zusammenstoß mit einen weißen Mercedes-Vito, der nach Kronach unterwegs ist.

Der junge Mann hat laut seiner Aussage bei der Polizei den sich nähernden Kleintransporter aus Bayreuth gesehen. Er unterschätzt aber die Entfernung und fährt in den Kreuzungs bereich ein. Bei der Kollision dreht sich der Audi um 270 Grad und bleibt total beschädigt auf der Fahrbahn Richtung Kronach liegen. Der weiße Kleintransporter wird durch den Zusammenstoß nach links geschoben und von der dort ansteigenden Leitplanke auf eine angrenzende Wiese katapultiert.

Der Notarzt bringt den 70-jährige Fahrer des Kleintransporters mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Die vier Audi-Insassen werden nur leicht verletzt und kommen zur Beobachtung ebenfalls ins Krankenhaus. Die Bundesstraße ist zeitweise total gesperrt.

Bereits ein Toter

Die Situation für Autofahrer, die bei der Holzmühle von der KU 9 in die B 85 abbiegen, kann kaum übersichtlicher sein: zirka 300 Meter freie Sicht nach beiden Seiten, nach links zur Holz mühle und nach rechts Richtung Lösau. Und trotzdem ereignen sich dort regelmäßig schwere Unfälle. Auch schon mit einem Toten: Am 8. September 2011 stirbt ein 41-Jähriger aus dem Raum Coburg. Unfallursache: vermutlich ein Fahrfehler.

An der Geschwindigkeit liegt es nach Ansicht von Hauptkommissar Kofer nicht. "Im aktuellen Fall ist der weiße Kleintransporter etwa mit 60 km/h gefahren, das wissen wir von einem nachfahrenden Zeugen." Von einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Stundenkilometer, die Grüne und FDP wollen, die der Stadtrat aber vor kurzem abgelehnt hat, hält Kofer nichts. Bei allen Unfällen sind die Beteiligten nach Erkenntnissen der Polizei deutlich unter den zulässigen 100 km/h gefahren.

Also wird sich die Unfallkommission, der Vertreter von Polizei, städtischem Ordnungsamt und Straßenbauamt Bayreuth angehören, erneut mit dem Thema Holzmühle befassen. Denn auch die jüngste Maßnahme, die Sicht für die Autofahrer total freizumachen und ein Hinweisschild zu versetzen, hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Es hat dennoch wieder gekracht. Möglich wäre es, den umgekehrten Weg zu gehen und die Sicht komplett zu verbauen, so dass die Autofahrer an der B 85 stoppen müssen. "Ich will der Unfallkommission nicht vorgreifen", sagt Kofer dazu. "Ob's an der Stelle machbar ist, müssen wir genau eruieren."

Wieder ein Fahrfehler?

Der Polizeiexperte vermutet, dass ein Fahrfehler die Ursache für den gestrigen Unfall gewesen ist. "Vielleicht ist der Fahrer durch ein Gespräch im Auto abgelenkt oder einfach gedankenversunken gewesen und hat dem Straßenverkehr nicht die nötige Aufmerksamkeit gewidmet", so Kofer. "Wer hat das nicht schon selbst erlebt?" Also menschliches Versagen, das man nicht beeinflussen kann? "Ja, das ist ein Hauptgrund bei vielen Unfällen", weiß der Hauptkommissar.