Er war der Mann für die SPD - viele Jahre lang. Doch im Laufe der Zeit trübte sich das Verhältnis zwischen Bürgermeister Siegfried Decker und den Sozialdemokraten zusehendes ein. Jetzt will Decker bei den Kommunalwahlen 2014 für eine neue Gruppierung, die "Neuenmarkter Gemeinschaft", ins Rennen um das höchste Amt in der Gemeinde gehen. Decker war nie Parteimitglied, sondern hatte immer als Parteiloser für die SPD/Offene Liste kandidiert.

Warum er nicht mehr für die SPD antritt, erklärt er so: "In den vergangenen vier Perioden ist die SPD immer auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich antreten möchte. Das hat sie diesmal nicht getan. Dafür hat sie mehrfach öffentlich angekündigt, dass sie einen Kandidaten stellt. Also muss ich davon ausgehen, dass sie mich nicht mehr braucht."

Zuspruch aus der Bevölkerung

Nach einem längeren Meinungsbildungsprozess habe er sich entschlossen, sich noch einmal zur Wahl zu stellen. Bei der Entscheidung habe nicht nur die Unterstützung seiner Familie eine Rolle gespielt, sondern auch der Zuspruch aus der Bevölkerung, den er wiederholt bekommen habe. Und: "Ich fühle mich fit, die Arbeit macht mir Freude." Zudem bringe er mit viel Erfahrung das notwendige Rüstzeug für den Job mit. Die Bilanz seiner Arbeit könne sich sehen lassen. "Die Gemeinde steht gut da und hat Perspektiven."

Alternative zu den Parteien

Die neue Liste der "Neuenmarkter Gemeinschaft" sieht der 63-Jährige als Alternative zu den politischen Parteien. "In Neuenmarkt gibt es bislang noch keine unabhängige Initiative, unter deren Dach jeder kandidieren kann."
Decker hofft nach der Wahl am 16. März auf Aufbruchsstimmung im Gemeinderat. "Wir brauchen wieder Kooperation statt Konfrontation. Es muss wieder um die Sache gehen, ein guter Vorschlag muss eine Chance haben - egal von wem er kommt." Er jedenfalls möchte, dass wieder Ruhe ins Gremium einkehrt. "Und ich bin zuversichtlich, dass das in der neuen Periode gelingt."

Kein Groll gegen Decker

Für die SPD Neuenmarkt-Hegnabrunn kommt die Kandidatur des Bürgermeisters bei der neuen Gruppierung nicht überraschend. "Wir haben das erwartet. Es hat Gerüchte gegeben, dass er mit einer eigenen Liste antritt", erklärt Ortsvereinsvorsitzender Alfred Faßold.

Faßold verweist darauf, dass Decker seit Jahren nicht mehr aktiv mit der SPD zusammenarbeite. "Mit seiner Kandidatur zieht er einen Schlussstrich." Das gegenseitige Vertrauen ist nach den Worten von Faßold nicht mehr gegeben.

Faßold betont, dass er keinen persönlichen Groll gegenüber Decker hegt. "Dass das alles so gelaufen ist, tut mir leid, ist aber nicht zu ändern. Natürlich hätte sich die ganze Geschichte anders entwickeln können", sagt Faßold rückblickend und fragt sich natürlich, welche Gemeinderats-Kandidaten auf der Liste der "Neuenmarkter Gemeinschaft" zu finden sind.

Es wird sich einiges ändern

Denn eine Liste sichere noch keinen Wahlerfolg, erklärt Faßold weiter. "Es ist ja schließlich in erster Linie eine Persönlichkeitswahl, bei der es darum geht, wem der Wähler was zutraut." Er sei jedenfalls davon überzeugt, dass sich im Gemeinderat einiges ändern werde.

Als stärkste Gruppierung im Ratsgremium werde die SPD selbstverständlich einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten aufstellen, betont der Ortsvereins-Vorsitzende. "Etwas anderes können wir uns gar nicht erlauben. Wir werden das Feld nicht kampflos überlassen."

Wer genau für die Sozialdemokraten um das höchste Amt in der Gemeinde ins Rennen geht, das sagt Faßold nicht. "Es ist noch nicht alles geklärt. Da sind noch Gespräche nötig."

Nur soviel verrät er: Er werde nicht kandieren. "Wenn ich 40 oder 45 Jahre alt wäre, wäre das eine Perspektive. Aber jetzt müsste ich mein ganzes Berufsleben umstellen. Ich denke, es gibt genügend junge Leute, die sich hier engagieren können."

Wann genau die SPD ihre Kandidaten nominieren werde, könne er nicht sagen. Ziel sei es, die Veranstaltung im Dezember durchzuführen. "Vielleicht wird es aber auch erst nächstes Jahr im Januar sein."