Die wenigen Zeilen, die Werner Apitz, der Vorsitzende der Waldfreunde Kulmbach, und sein Stellvertreter Gerhard Ködel per E-Mail bekommen haben, sind das größte Geschenk, das die Stadt Kulmbach den Waldfreunden machen konnte: "Nach der heutigen Bestätigung über die Einhaltung der Standsicherheit des Waldfreundeheimes des beauftragten Statikers Falko Feyerherd steht einer vorübergehenden Nutzung bis 14. Dezember 2014 aus statischer Sicht nichts im Wege", schrieb Bernd Kolb von der Bau- und Planungsabteilung der Stadt Kulmbach.

Damit können die Waldfreunde Kulmbach das geplante Totengedenken nicht nur vor dem Waldfreundeheim abhalten, sondern sie können auch hinterher im Waldfreundeheim Kaffee und Kuchen anbieten und - wie es früher üblich war - zusammensitzen.

Die Waldfreunde Kulmbach gibt es seit 1920. Seit 1963 nutzen die Waldfreunde das Heim in der Wolfskehle. Das gesamte Vereinsleben hat sich dort abgespielt. Jahrzehntelang feierten die Waldfreunde, trafen sich. Die Frauen kochten groß auf.

Bäume stürzten auf das Dach

Doch dann holzte ein Orkan unzählige Bäume im Wald ab. Einige stürzten direkt auf das Waldfreundeheim. Sie waren so schwer, dass die Mauern nach außen gedrückt wurden. Doch es kam noch schlimmer. Denn hinter die Stützmauer, die den Rehberg abstützt, lief Wasser, die Mauer wurde aufgesprengt. Das Gebäude war einsturzgefährdet, der Hang drückte auf die Stützmauer - glaubte man.

Nach ersten Kostenschätzungen sollte die Sicherung rund 70.000 Euro kosten. Doch das Grundstück gehört der von der Stadt verwalteten Bürgerhospitalstiftung, das Haus den Waldfreunden. Wenn es wieder genutzt werden soll, muss zuvor der Hang stabilisiert werden, war die Forderung der Stadt. Und natürlich sollten die Kosten die Waldfreunde übernehmen.

Am 12. Oktober 2011 erfolgte eine offizielle "Nutzungsuntersagung". Das Waldfreundeheim durfte aus Sicherheitsgründen nicht mehr betreten werden.

Keine Gefahr mehr

Viele Gespräche fanden statt, fast hätten die Waldfreunde die Hoffnung aufgegeben. Doch dann stellte sich heraus, dass nicht der Hang drückte, sondern dass sich hinter der Mauer nur eine Frostblase gebildet hatte. "Wir haben dann die Mauer entfernt und den Sandstein freigelegt", erklärt Ködel die umfangreichen Maßnahmen, die die Waldfreunde nahezu komplett in Eigenregie geleistet haben. "Jeder von uns hat weit über hundert Stunden investiert", erzählt Wolfram Müller. Helmuth Obermeier und Harald Eckert waren ebenso immer im Waldfreundeheim zugegen. Jede freie Minute haben sie investiert und gearbeitet.

"Die einsturzgefährdete Mauer ist jetzt fast komplett weg. Der bloße Sandstein liegt frei", sagt Vorsitzender Werner Apitz. Nur ein kleines Stückchen der Mauer ist noch übrig. Keine Gefahr, glauben die Waldfreunde - denn dieser Teil der Mauer neigt sich nicht einmal um drei Grad.

Nur befristet

Dennoch ist das Reststück der Mauer aktuell der Grund, warum die Nutzungserlaubnis befristet vergeben worden ist. "Bei vollständiger Umsetzung der Vorgaben des Ingenieurbüros Hofmann und Heimbucher wird ein endgültiger Aufhebungsbescheid von der Stadt Kulmbach ausgesprochen", kündigt die Stadt Kulmbach im Schreiben an. Im Klartext bedeutet das: Auch das kleine Stückchen Mauer, das noch nicht entfernt worden ist, muss wohl noch weichen.

Standsicherung

Auch im Vereinsheim hat sich viel getan. Die Mauer, die durch den Baum nach außen gedrückt worden ist, wurde von einem Zimmermann fachgerecht befestigt und standgesichert. Und es ist amtlich von Statikern bestätigt, dass das Waldfreundeheim jetzt wieder gefahrlos nutzbar ist.

Und genau das taten die Waldfreunde jetzt auch am Wochenende - sie knüpften, nachdem sie jahrelang im Gasthof Geuther Unterschlupf gefunden hatten, wieder an die Waldfreunde-Tradition an.

Schon Tage vorher bereiteten die Waldfreunde alles für das erste Treffen - und eigentlich wollte Oberbürgermeister Henry Schramm die freudige Botschaft persönlich überbringen. Doch aus gesundheitlichen Gründen musste Schramm passen. "Es ist schön, dass wir jetzt offiziell wieder rein dürfen - auch wenn es erst einmal nur vorübergehend ist", freut sich Gerhard Ködel.