Mit den Folgen des Unwetters, das in der Nacht vom 20. auf 21. Juni vor allem über das Trebgaster Gebiet mit voller Wucht hinwegfegte, muss sich am Montagabend der Gemeinderat befassen. Auf dem Bergrücken zwischen Trebgast und Kulmbach waren die Auswirkungen des Sturms in einer Schneise von Lindau über Waizendorf bis Ködnitz verheerend. Während die östlich des Trebgast- und Weißmaintals gelegenen Ortsteile mit "nur" 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter ziemlich glimpflich davonkamen, bekam die westliche Talseite nach Aufzeichnungen des Wetterdienstes die volle Wucht mit sintflutartigen Regenfällen ab. Am schlimmsten traf es Waizendorf, wo 120 Liter pro Quadratmeter "abgeladen" wurden.

Lindau wurde geflutet

Das Ergebnis war zum einen, dass Lindau geflutet wurde. Das Wasser ist dort in einer Höhe von etwa 50 Zentimetern auf den Teerstraßen über den Dorfplatz hinweg durch den Ort geschossen, bevor es über den Köstlerbach abfloss. Die örtliche Feuerwehr war im Einsatz, weil das Wasser verschiedentlich auch in Häuser und Scheunen eingedrungen war. Wesentliche Schäden wurden aber dabei nicht verursacht.

In Mitleidenschaft gezogen wurde auch der Weiler Wolfsbach. Dort wurde ein Feldweg leergespült. Die Schlamm- und Wassermassen ergossen sich auf die Staatsstraße zwischen Trebgast und Ködnitz. Die Polizei regelte hier den Verkehr, während Stefan Solger mit einem Frontlader den Dreck von der Fahrbahn schob. Die Aufräumarbeiten des Straßenbauamts dauerten den ganzen nächsten Tag an.

Am stärksten wurde Waizendorf durch die Sturzbäche in Mitleidenschaft gezogen. Gerade der noch nicht versiegelte Dorfmittelpunkt, der 2011 mit dem ersten Preis beim Landkreiswettbewerb "Mitte des Dorfs" ausgezeichnet wurde, erwies sich als Achillessehne. Wurde der erste, links vom Hang herunter führende Weg am Ortseingang aus Richtung Trebgast schon aufgerissen und alles auf die Staatsstraße geleitet, wurde die große Masse bei der nächsten Einmündung mitten im Dorf abgeladen.

Wie durch einen Canyon schoss hier das Wasser mit großer Geschwindigkeit herunter. Und zwar so extrem, dass der Haagweg und in der Verlängerung die Dorfstraße aufgerissen und das Material, tiefe Spurrillen hinterlassend, bis zum Dorfplatz hinunter gespült wurde. Das Glück dabei: Wohnhäuser wurden nicht getroffen.

Straße war ein einziger See

Bürgermeister Werner Diersch, der gegen 22 Uhr nach Anrufen von Anliegern die Feuerwehr alarmiert hatte, zieht Bilanz: "So viel Wasser auf einer Straße habe ich noch nie gesehen. Die Staatsstraße war innerhalb einer Stunde auf einer Länge von hundert Metern vom Ortseingang bis zur Dorfmitte, von Rinnstein-Kante zu Rinnstein-Kante ein einziger See."

Erst als die Feuerwehr Feuln/Waizendorf die Kanaldeckel und Schächte der Staatsstraße öffneten, der das Wasser dann aufgenommen hat, war die Gefahr für die Anwohner auf der anderen Straßenseite gebannt. Damit die Anlieger wenigstens wieder die Zufahrten zu ihren Grundstücken nutzen konnten, wurde bereits in der Nacht mit den Aufräumungsarbeiten begonnen und das ausgespülte Material notdürftig wieder in die Löcher und die Spurrillen eingebracht.

Jetzt geht es darum, die betroffenen Straßen und Wege wieder vernünftig zu sanieren. Denn alle wissen, dass die "geflickten" Stellen beim nächsten Starkregen wieder weggespült werden, da ja keine Bindung zum Untergrund vorhanden ist. Der Haagweg, der halb weggerissen wurde, und der Ruhweg, der in die Ködnitzer Flur führt, sind Anliegerwege. Die Dorfstraße und der Dorfplatz liegen in der Unterhaltslast der Gemeinde. Ziel ist es, in einer gemeinsamen Aktion zu einem Ergebnis zu kommen, das alle zufriedenstellt.

Greifen die Förderprogramme?

Die Behebung der Schäden wird die Gemeinde nach Beurteilung des Bürgermeisters locker 30 000 bis 40 000 Euro kosten. Deswegen muss zunächst geklärt werden, ob es dafür Zuschüsse gibt. "Wir können ja nichts dafür, dass die 120 Liter pro Quadratmeter gerade in unserem Bereich runtergekommen sind. Zwei Kilometer weiter war nichts", hadert Diersch etwas mit dem Schicksal. Offen sei dabei, ob die Förderprogramme, die von der Staatsregierung für die Beseitigung der Hochwasserschäden aufgelegt wurden, auch für dieses Starkregenereignis zutreffen. Diersch: "Wir werden uns an die zuständigen Stellen wenden und darauf hinweisen, dass dieses Unwetter für uns auch sehr schlimm war.

Der Gemeinderat soll am Montagabend entscheiden, ob der Bürgermeister ermächtigt wird, Aufträge für Wegeinstandsetzungsarbeiten zu vergeben.