Sie duzen sich, kennen sich aus Vereinen und der Arbeit im Gemeinderat - und sie schätzen einander, wie sie beim Redaktionsgespräch der BR betonen: Trebgasts Bürgermeister Werner Diersch (SPD) und sein Herausforderer Herwig Neumann (CSU) legen auf wohltuend sachlicher Ebene ihre Vorstellungen für die Gemeinde dar.


Trebgast verliert, wie andere Kommunen auch, Einwohner. Wie lässt sich gegensteuern? Eventuell durch Ausweisung eines Baugebiets?

Herwig Neumann: Der demografische Wandel ist eine Herausforderung, wobei er sich bei uns zum Glück in abgemilderter Form zeigt. Das liegt sicher auch an unserer guten Lage zwischen den Zentren Bayreuth und Kulmbach. Aber gerade Familien, die sich überlegen, ob sie zu uns herkommen beziehungsweise bleiben sollen, suchen Plätze. Nur mit Lückenschlüssen allein wird es nicht getan sein. Wir sollten noch 2014 die Grundsatzentscheidung treffen, ein Baugebiet auszuweisen - und zwar nicht im Klein-Klein-Format mit wenigen Parzellen. 20 bis 30 Grundstücke sollten wir anbieten können.

Werner Diersch: In der Tat erschwert es uns unsere topografische Lage, ebene Flächen anzubieten, die attraktiv sind und zudem bei den zuständigen Ämtern durchgehen. Eine größere Lösung halte ich daher für eher schwierig. Wir dürfen vor allem beim Quadratmeterpreis nicht zu teuer sein, denn wir stehen in Konkurrenz zu anderen Wohngemeinden. Vor dem Hintergrund des Vorstoßes der Staatsregierung, den Flächenverbrauch zu beschränken, ist uns an einer Verdichtung innerorts gelegen. Zum Glück haben wir keine Probleme mit Leerständen, sondern sogar Wartelisten.

Wohnen ist das eine, Gewerbe das andere. Benötigt Trebgast ein eigenes Gewerbegebiet?

Diersch: Trebgast ist als hochwertiger Wohn- und Kulturort bekannt. Mit der Ausweisung großer Gewerbegebiete wäre ich vorsichtig. Wir haben die Bahnlinie, die Straßen, die Trebgast und die aufsteigenden Hänge, die die Fläche ohnehin begrenzen. Die einzige Möglichkeit böte sich in der Berliner Straße auf dem ehemaligen Gundler-Gelände. Da ließen sich Dienstleistungsbetriebe ansiedeln, das wäre auch mein Favorit für eine Nutzung. Wir können Firmen ein gutes DSL-Netz bieten.

Neumann: Geografisch sind wir in der Tat eingeschränkt. Werner und ich sind uns einig, wir wollen keine Ansiedlung von Speditionen oder ähnlichen Großbetrieben mit enormem Landschaftsverbrauch - wobei diese Betriebe wohl ohnehin nicht kämen. Ich würde mich über jeden Handwerker freuen oder eine Büroverwaltung, die Arbeitsplätze generiert.

Ein heiß diskutiertes Thema ist der Radwegebau. Wie steht es um die Verbindung nach Schlömen?

Diersch: Die Radwege-Geschichte stockt momentan an diesem Punkt. Diskutiert wurde ein Ausbau als Wirtschaftsweg, der eine vorgeschriebene Breite von 4,50 Metern mit Bankett haben muss. So viel Raum aber steht uns nicht zur Verfügung, dafür brauchen wir das Einverständnis der Grundstückseigentümer. Es gibt die Möglichkeit, in Kooperation mit Himmelkron eine direkte Verbindung anzustreben. Das wäre eine 2,50 Meter breite, asphaltierte Trasse. Das aber beißt sich damit, dass Landwirte dort mit schweren Maschinen fahren. Wir sind dabei, eine Zwischenlösung anzustreben: Für landwirtschaftliches Gerät werden separate Rasengitterstreifen angelegt, damit uns die Bauern nicht den Radweg kaputt fahren. Vielleicht können wir die Grundstückseigentümer, die Vorbehalte gegen den großen Ausbau hatten, damit überzeugen. Ziel: Bis 2016, zur Eröffnung der Landesgartenschau in Bayreuth, muss der Lückenschluss geschafft sein.

Neumann: Der Radwegebau ist dringend anzugehen. Doch wir sind hier in einem Konfliktfeld: Wir würden gern eine tragfähige Lösung für Radfahrer anbieten, damit die nicht mitten im Ort ohne weitere Verbindung dastehen. Die Gemeindespitze muss das vertrauensvolle Gespräch mit den Grundstückseigentümer suchen und den Verhandlungsfaden wieder aufnehmen.

Wie sicher ist der Schulstandort Trebgast?

Diersch: Bei der Grundschule haben wir aktuell keine Bedenken, dass sie uns wegfällt. Durch den Verbund mit Harsdorf ist sie stabil, auch wenn sicher mit Schwankungen bei den Schülerzahlen kalkuliert werden muss. Dem Erhalt dient sicher auch, dass in den frei gewordenen Räumen im Schulhaus der Hort eingerichtet wurde. Den nutzen mittlerweile 50 Prozent der Grundschüler. Zudem sind die Kinderkrippe neu angebaut und der Kindergarten auf heutigen Stand gebracht worden. Wir können stolz auf das Angebot sein, zumal sich durch die flexiblen Mitarbeiter und Buchungszeiten Kinder auch mal früher bringen oder später holen lassen. Wir haben dadurch Kinder hier - und Arbeitsplätze.

Neumann: Der scheidende Rektor Manfred Richter hat mir erzählt, dass im Fall, wenn es knapper wird bei den Schülerzahlen, mit Kombi-Klassen operiert werden kann. Solche Modelle sind denkbar. Aber: Wir müssen uns trotzdem Gedanken machen. Wenn irgendwann der Kampf der Kommunen losgeht um jeden Grundschüler, weil überall sinkende Zahlen Probleme bereiten, dann machen sich Eltern hier im Ort natürlich Sorgen. Das Angebot mit Kiga, Krippe und Hort ist toll, auch wenn es ein finanzieller Kraftakt war. Ich aber finde, so ein Angebot muss eine moderne Gemeinde für ihre Bürger vorhalten können.

Zum Angebot gehört auch die Nahversorgung. Es gibt unter anderem noch Herrn Lauterbach mit seinem "Tante-Emil-Laden", wobei Emil Lauterbach heuer 70 wird. Welche Möglichkeiten hat der Bürgermeister, hier zum Wohl der Bevölkerung aktiv zu werden?

Neumann: Eine Kommune selber kann natürlich kein Geschäft eröffnen. Ziel sollte es sein, Gespräche zu führen mit den großen Handelsketten, ob wir mittelfristig nicht doch einen Versorger nach Trebgast bekommen. Bei den Ketten hat ein gewisses Umdenken bei der Standortwahl eingesetzt. Wenn sie nur nach Größe schielen und ihnen dadurch die Dörfer wegbrechen, haben auch sie ein Problem. Allerdings müssen wir als Gemeinde auf die Versorger zugehen und dürfen nicht warten, bis da jemand an der Rathaustür klingelt. Gerade ältere Bürger sprechen mich darauf an; Menschen, für die weite Wege beim Einkaufen ein Problem darstellen.

Diersch: Nahversorgung ist natürlich ein wichtiges Thema bei einer älter werdenden Bevölkerung. Was die angesprochenen Ketten anbelangt: Die Standardaussage, die ich bekommen habe, lautet: Wenn nicht mindestens 4500 Autos auf der Durchgangsstraße gezählt werden, rentiere sich kein einzelner Markt. Dieses Ausschlusskriterium hat sich bei den Zahlen-Vorgaben der Handelsriesen eher noch nach oben entwickelt. Und: Die Bürger wollen nachweislich auch nicht überbordenden Verkehr auf der Straße. Mit Emil Lauterbach hatten wir vor zwei Jahren ein Gespräch und sind so verblieben: Er sagt mir ein Jahr vorher, wann er gedenkt aufzuhören, damit wir den geordneten Übergang planen können. Als Verwaltung sollten wir nicht dazu beitragen, dass durch das Ansiedeln von Externen die Händler am Ort kaputt gehen.

Es war zu erfahren, dass die Himmelkroner Heime womöglich eine Ansiedlung in Trebgast planen. Ist da was dran?

Diersch: Nachdem es die bekannten Probleme in Himmelkron gibt, habe ich nochmals nachgebohrt. Eine Außenstelle in Neuenmarkt ist ja mittlerweile gebaut, eine in Bad Berneck ist in der Umsetzung - und der nächste Standort in dieser Reihe wird in Trebgast verwirklicht. Es handelt sich um eine Außen-Wohngruppe für 23 Personen, die zentral im Ort leben und auch die Infrastruktur nutzen. Ich rechne mit der Realisierung 2015, wobei es bei den Heimen immer auch von der besonderen Förderkulisse abhängt und die richtige Immobilie beziehungsweise der Platz für das Objekt erst gefunden werden will.

Neumann: Wir begrüßen das und wünschen uns das sehr. Es gibt ja auch Trebgaster Frauen, die in den Heimen beschäftigt sind. Insofern kann eine Stelle hier am Ort Arbeitsplätze nach Trebgast holen. Was das Gebäude angeht: Es kann natürlich kein altes Haus sein, das so ein bisschen umgebaut wird. Es wird wohl ein Neubau werden. Die Heime haben schon Flächen im Blick, so viel kann man sagen. In diesem Zusammenhang müssen wir mit offenen Augen durch den Ort gehen und uns Gedanken machen, wie eine behindertengerechte Umgebung aussieht. Das kommt auch unsere älteren Mitbürgern zu Gute, die mit Rollstuhl oder Rollatoren unterwegs sind.

Sprechen wir übers Geld: Was lässt der Haushalt zu?

Neumann: Wir leben zum Glück in geordneten Verhältnissen. Es gab in den vergangenen Jahren beim Haushalt immer einen gemeinsamen Beschluss und keine Kampfabstimmung. Wir haben in Kooperation auch Wege gefunden, Sparpotenziale zu erschließen. Bei der Gewerbesteuer liegen wir aktuell bei 136.000 Euro - im Krisenjahr 2008 waren es gerade mal 20.000. Da wir schwerer an zusätzliches Gewerbe kommen, ist für uns das Einkommensteuer-Aufkommen wichtig. Es sind Spielräume da. Mein Motto: So sparsam wie möglich investieren und damit so viel wie möglich erreichen.

Diersch: Der Haushalt berührt mich als Banker besonders. Ziel war und ist, über die Jahre eine Haushaltspolitik zu favorisieren, die uns Freiräume offen lässt. Zugleich konnten wir nicht nur den Schuldendienst leisten, sondern auch entsprechend tilgen. In der Regel verfügt Trebgast über rund 200.000 Euro freie Finanzspanne. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei etwa 800 Euro - das kann sich sehen lassen. Zum Glück konnten wir auch etwas in die Rücklagen reinpacken; gerade im Hinblick auf die Kosten beim Bahnübergang lässt sich da mit ruhigerem Gewissen planen.

Die Konstellation ist fast die gleiche wie 2008. Wie beurteilen Sie Ihr erneutes Aufeinandertreffen?

Diersch: Ich nehme, wie damals auch, meinen politischen Herausforderer sehr ernst. Herwig und ich bewerben uns wieder um das gleiche Amt, das ist in einer Demokratie legitim.

Neumann: Der Unterschied ist: Diesmal kandidiere ich gegen den Amtsinhaber, damals waren wir beide neu. Ich würde es nicht wieder tun, rechnete ich mir keine Chance aus. Die Bürger sollen bei einer Wahl auch eine Alternative haben.