Riesen gelten ja für gewöhnlich als tapsig und schwerfällig. Man sollte aber nicht den Fehler machen, sie zu unterschätzen. Denn wenn man sie reizt, sind sie urplötzlich zu ungeahnter Behändigkeit in der Lage. Wie der "Gelbe Riese", die Deutsche Post. Weil sie ihre Lieferwagen-Flotte auf Elektroantrieb umstellen wollte, allerdings keinen Hersteller fand, baute sie ihre Lieferwagen kur zerhand selbst.

Dabei hat der Kulmbacher Tüftler Erich Pöhlmann schon Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sein eigenes Elektro-Auto entwickelt. Man vernahm kaum mehr als ein leises Schnurren, wenn der Tüftler mit seinem gelben Flitzer den Zieglerweg herauffuhr, in seine Einfahrt einbog und sich aus dem windschnittigen, seifenkistenähnlichen Vehikel schälte. Zuvor war die Tür wie ein Flügel wie bei einem Flugzeug nach oben geklappt - ein Auto wie von einem anderen Stern. Statt Käfer werden bald lauter solche Pöhlmann'schen Flitzer über die Straßen huschen - dachte man damals.

Fast 40 Jahre später: Während in China jeden Tag so viele Elektroautos zugelassen werden wie in Deutschland in einem Jahr, gelten hierzulande Käufer von alternativ angetriebenen Fahrzeugen immer noch als grüne Pioniere, wenn nicht sogar als Spinner. Selbst in Tagen der Fahrverbote in Großstädten faselt die deutsche Auto-Branche weiter vom sauberen Diesel - dank ihrer Updates. Klar.

Es soll auch schon Riesen gegeben haben, denen eine lange Leitung zum Verhängnis geworden ist.