Mehr als vierzig Zentimeter Schnee dürften es inzwischen sein, die im Oberland zu Boden gegangen sind. Rund 1,5 Meter hoch türmen sich die Schneeberge zwischen Gehwegen und Straßen auf, behindern Autofahrer und Fußgänger gleichermaßen. "Der Schnee war von Anfang an extrem schwer. Den schaffen ältere Menschen nicht problemlos weg", erzählt der Landschaftsgärtner, der am Donnerstag mit seinem Bagger Anliegern der Ortsdurchfahrt ein wenig Luft verschaffte.

Haßfurther bringt die Schneemassen aus dem Ort. Und tut damit genau das, was die Gemeinde in den nächsten Tagen noch erledigen muss. "Wir haben einige neuralgische Punkte, da können die Schneehaufen nicht länger liegen bleiben. Sonst kommt zum Beispiel die Müllabfuhr nicht mehr durch", erklärt Bürgermeister Siegfried Beyer (CSU) zu dem Thema, das seinen Bauhof und zwei angemietete Subunternehmer mit insgesamt drei Fahrzeugen seit Tagen auf Trab hält.

Gewitterpotenzial gen München

Und das viel Geld kostet. 250 Tonnen Streusalz hat die Gemeinde gebucht, rund 80 Tonnen davon sind schon weg. "Der Winter schlägt heuer voll zu", kommentiert das Gemeindeoberhaupt die kommunale Wetterlage, die in Richtung München durchaus Gewitterpotenzial hat. Denn die Landesregierung hat der Gemeinde Presseck schon vor Jahren die Winterdienstpauschale in Höhe von 10 000 Euro gestrichen, nachdem die Bemessungsgrundlage auf die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes umgestellt worden war. Und der hatte die Wetterextreme des Oberlandes weder gemessen noch registriert. "Für die Staatsregierung ist der Betrag sicher ein Klacks, aber für eine kleine Gemeinde wie uns eine enorme Summe", wettert der Bürgermeister, der zusammen mit der Verwaltung über Jahre hinweg sogar Fotos vom Pressecker Schneechaos und der vergleichsweise harmlosen Situation in Nachbargemeinden nach München gemailt hat. Dass der Bildnachweis nicht zum Erfolg führte, wurmt Siegfried Beyer. Aufgeben wird es deswegen nicht. "Ich lass da nicht locker."

Gefährliche Eispanzer

Zum wiederholten Mal in Presseck im Einsatz war am Donnerstag die Kulmbacher Firma Mattis. Henry Lieske, Josef Witzgall und Nadine Krappwie waren mit Hubsteiger und Motorsäge angerückt, um die meterlangen Eiszapfen von den Dachrinnen des Sparkassengebäudes zu holen. Erst vor dem Haupteingang, dann auch am seitlichen Gebäudetrakt, wo es Auto- und Fußgängerverkehr gibt. "Viel zu gefährlich", sagte Witzgall über den dicken und zentnerschweren Eispanzer an dem Gebäude.

Schneelast wird steigen

Das Gewicht ist es auch, dass dem einen oder anderen Hausbesitzer im Hinblick auf den angekündigten Wetterumschwung am Wochenende zu denken gibt. Wenn es im Oberland regnen sollte, wird die Schneelast auf den Dächern enorm. "Und wenn es feuchten Neuschnee gibt, werden wohl wieder Bäume unter der Last umbrechen", sagt Bürgermeister Beyer.

Den Wintersportlern kommt der viele Schnee im Oberland unterdessen nur recht. Herbert und Gundi Dittmar aus Großvichtach zum Beispiel sind seit Jahren Langlauf-Stammgäste. "Die Loipen hier sind immer einwandfrei", urteilt die 75-Jährige. Mehrere Strecken in unterschiedlichster Länge hat Peter Michalka mit dem neu erworbenen Spurgeräte durch die Pressecker Flur gezogen. Auch die Flutlichtloipe im Industriegebiet, die Montag, Dienstag und Donnerstag von 17.30 bis 20.30 Uhr in Betrieb ist, hat er präpariert. Außerdem legt die Gemeinde Rodelbahnen an und lässt rund um Presseck Winterwanderwege räumen.

Heinersreuther Lift ab heute in Betrieb

Was die Abfahrer besonders freuen wird: Der Birkholzlift in Heinersreuth ist ab dem heutigen Freitag, 13 Uhr, geöffnet. Ludwig Freiherr von Lerchenfeld hat die drei Abfahrten am gestrigen Donnerstag gewalzt.
Offiziell wird die Wintersportsaison in Presseck am 28. Dezember eröffnet. "Snow and Fun" heißt es dann ab 18 Uhr in der Nähe des TSV-Sportheims. Im Mittelpunkt sollen dabei die Kinder stehen, für die unter anderem ein Dreikampf mit Rodeln, Schneeballwerfen und Schneeballlauf organisiert wird.