Der geht ab wie eine Silvester-Rakete, bei vollem "Pitch", sagt Lutz Focke und zeigt auf seinen Modellhubschrauber. Er drückt den Hebel auf der Fernsteuerung bis zum Anschlag. Man kann sich vorstellen, wie das drei Kilogramm leichte Fluggerät aus Carbon und Titan in die Luft schießen kann. Und man kann sich die Begeisterung des jungen Lutz Focke vorstellen, wie er als 14-Jähriger zum ersten Mal in Berührung mit dem Modellflug kam. Wenige Jahre später, hat er sich auf seinen Roller geschwungen und ist nach Hof gefahren. Dort hat er seinen ersten Modellhubschrauber gekauft. Durch den Regen ging es zurück, erinnert sich Focke. Wer so etwas mitmacht, muss begeistert sein.

Der Hubschrauber, den Lutz Focke heute noch fliegt, ist einer, den er selbst konstruiert hat und den seine Firma LF-Technik herstellt, die er im Jahr 2000 gegründet hat. Aus dem Hobby war da längst Beruf geworden.
Focke ist ein Tüftler. Genauso lange schon, wie seine Begeisterung für Modellflug und Luftfahrt anhält. Der 45-Jährige aus Forstlahm könnte ohne Probleme in einem Industrieunternehmen als Entwickler arbeiten. Doch das will er nicht, fühlt er sich doch als Selbstständiger weniger in seiner Kreativität eingeschränkt.

Nach dem Architekturstudium hat Focke zunächst in einem Architekturbüro gearbeitet. Aber: "Ich hab relativ schnell festgestellt, dass der Arbeitsalltag mit dem Studium nichts zu tun hat." Die ganze Büroarbeit hat ihm nur wenig Spaß gemacht - "Entwurf und Konstruktion, da kann man sich verwirklichen", schwärmt Focke dagegen. Das sei ihm oft zu kurz gekommen. Deshalb hat er parallel zum Job eine Modellflugschule aufgemacht. Zunächst hat er Schulungen am Wochenende, dann - nach der Zeit im Architekturbüro - die ganze Woche angeboten. Zunächst hat Focke dann Hubschrauber produziert, wie den Roxxter, den er heute noch besitzt. Alles Modelle in der höchsten Qualitätsstufe, wie Focke betont. Die Fluggeräte sind zwischen 80 und 130 Zentimeter lang - wer sich ein Modell kaufen will, muss schon mal 2000 Euro in die Hand nehmen. Focke hat damals produziert und produziert: "Bis die Chinesen kamen." Der Markt wurde überschwemmt von Billigprodukten. Aus der Sicht der kleinen Firma in Forstlahm machte der Verkauf fertiger Modelle keinen Sinn mehr.

Jetzt ist Lutz Focke auf Steuerteile von Modellflugzeugen spezialisiert. Elektronische Stabilisatoren, die einen Hubschrauber oder ein Flugzeug stabil in der Luft halten, ähnlich dem Stabilitätsprogramm Esp bei Autos. Die Firma war eine der ersten, die diese Stabilitätskontrolle für Flugzeuge anbot. "Erleichterung ist für jeden eine Spaßvergrößerung", sagt Focke.

Zum Testen geht er selbst raus, holt dann zum Beispiel seinen Düsenjet mit 2,60 Metern Länge raus und probiert, ob die Elektronik bei Tempo 300 immer noch sauber arbeitet.
Momentan entwickelt er Antriebe für Segelflieger, die dann ganz von allein nach oben steigen können. Der Motor kann eingefahren werden. Eine Technik, die auch bald bei großen Segelfliegern eingesetzt werden könnte.
Nach langem Testen hat er auch die Akkuleistungen der Modelle verbessert. Seine Lithium-Polymer-Akkus halten Flieger, je nach Nutzung, sehr lange in der Luft.

Ja, er könnte sich schon vorstellen, als Dienstleister oder freier Mitarbeiter mit der Industrie in anderen Bereichen zusammenzuarbeiten. "Modellbau ist immer der Vorreiter", sagt Focke. Das Know-how der kleinen Firma in Forstlahm könnte auch die große Autoindustrie oder andere Branchen voranbringen. Oder: "Einfach nur eine Ideenbörse anbieten", das wäre noch so etwas, was Lutz Focke sich vorstellen könnte. Einfälle dafür hat er jedenfalls genug.