Natürlich gibt es immer mal Witzbolde. Sie greifen zum Feigenblatt oder legen ihm ein Tuch um die Lenden. Der frühere Heimleiter Josef Hubertz berichtet in seiner Broschüre "Kunst und Kultur in der Karl-Herold-Seniorenwohnanlage" von der Albernheit, die Blöße des Buben zu bedecken. Wie immer: die Brunnenfigur im Innenhof zieht mit Recht die Blicke auf sich. Umgeben ist sie von einer Oase der Ruhe mit Bänken, Grünzonen und schattigem Laubengang.
Die Bronzeskulptur ist ein Meisterwerk moderner Plastik. Sie zeigt den zarten Knaben in seiner unbekümmerten Nacktheit. Ein bisschen staunend, ein bisschen triumphierend schaut er auf die Jagdbeute in seiner hoch gehaltenen Linken - einen Fisch, aus dessen Maul im weiten Bogen Wasser speit. Sein Körper ist wunderbar graziös, tänzerisch-leichtfüßig ist das Spiel von Stand- und Spielbein. Seine Rechte hält er geziert nach außen gespreizt, als wäre er sich der Wirkung seiner Schönheit bewusst.
Die Figur stammt von dem Dresdner Künstler Walter Reinhold, der ab 1978 seinen Lebensabend in der Karl-Herold-Wohnanlage verbrachte. Die Formensprache der Arbeit zeigt deutlich den Einfluss Georg Kolbes. Er war einer der erfolgreichsten deutschen Bildhauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Markenzeichen ist die idealistische Aktplastik, die von der Jugendbewegung und der antiken Schönheit inspiriert ist.
Doch: ein Zwölfjähriger allein auf der Fischjagd? Zu dem ursprünglichen Brunnen, den Walter Reinhold 1955 für den Neubau des Fritz-Löffler-Gymnasium in Dresden geschaffen hat, gehörte eine zweite Knabenfigur: ein Junge mit einem Kescher in der rechten und einem Krebs in der linken Hand. Wie siamesische Zwillinge stehen sie noch heute auf dem Vorplatz der Dresdener Schule.
Die Skulptur ist aber für Reinhold weit mehr als pure Ästhetik. Der damals 57-jährige Künstler stellt in ihr ein Stück eigner Lebensgeschichte dar - die unzertrennliche Freundschaft zwischen ihm und seinem jüngerer Bruder Hermann. Im Lausbubenalter fischten sie an der Elbe, und noch im hohen Alter hatten sie ihren Spaß, wenn sie gemeinsam in Halle gemeinsam an der Saale schwimmen gingen. Obwohl der Künstler die Bronzefiguren stilisiert, gibt es einen realistischen Bezug: dem reizenden Fischträger verleiht er Züge seines Adoptivsohnes Peter.


Odyssee des Gipsmodells

1978, vier Jahre vor seinem Tod, zog Walter Reinhold in das Kulmbacher Altersheim, um in der Nähe seiner Nichte Brigitta zu sein, die mit dem Kunstmaler Hans Lewerenz verheiratet war. Im Möbelwagen brachte er die originale Gipsform "Peter mit dem Fisch" nach Kulmbach. Die zweite Knaben-Figur ist bei den zahlreichen Umzügen verloren gegangen.
Zur Erinnerung an einen großen, liebgewonnenen Künstler restaurierte Hans Lewerenz ein Jahr nach dem Tod Reinholds das Gipsmodell und ließ einen Bronzeguss herstellen. Ein glücklicher Zufall kam zur Hilfe: Die Arbeiterwohlfahrt suchte für die neue Gartenanlage ein passendes Kunstobjekt. Lewerenz schlug den heutigen Brunnen mit der Knaben-Figur als Zentrum vor. Aus heutiger Sicht ein Geniestreich. Die Awo übernahm einen Teil der Kosten, den Rest spendete Hans Lewerenz, indem er auf sein Honorar verzichtete.
Im Max-Rubner-Institut steht ein Meisterwerk der Windkunst

Äolsharfe? Wem der Begriff überhaupt etwas sagt, dann vermutlich, weil er sich an ein Gedicht Eduard Mörikes erinnert "Angelehnt an die Epheuwand dieser alten Terrasse, Du, einer luftgebornen Muse, geheimnisvolles Saitenspiel ...." Die Äolische Harfe, ein Seiteninstrument, das durch den Luftstrom zum Klingen gebracht wird, ist das Sinnbild der Poesie. König David soll in der Nacht über seinem Bett der Windharfe gelauscht haben.
Im Innenhof des Max-Rubner-Instituts (früher Bundesanstalt für Fleischforschung) können die Mitarbeiter in der Arbeitspause einem modernen Windspiel lauschen. Es ist eine raffinierte, optisch elegante Plastik kinetischer Kunst. Ihr Wohllaut geht von einer sieben Meter hohen Säule mit zwölf windfangenden Halbkugel-Paaren aus Aluminium aus, die sich im Spiel des Windes um ihre Achse drehen. "Es sind sanfte, harmonische Glockentöne", erklärt Andrea Stöcker, die Leiterin der Bibliothek. "Zum Glück kann man sie jetzt wieder hören, die Säule war lange Zeit verstummt und ist erst vor kurzem wieder in Gang gesetzt worden."
Die "Äolussäule" ist zwei Jahre nach der Einweihung des Neubaus der Bundesforschungsanstalt (1977) nach einer Ausschreibung für den Innenhof von dem Erlanger Grafikdesigner und Bildhauer Helmut Lederer (1919-1999) geschaffen worden. Er ist einer der bedeutendsten bayerischen Skulpturenkünstler in den Nachkriegsjahrzehnten. Vor allem die Kunst und Kultur der werdenden Großstadt Erlangen hat er stark geprägt. Heute ist eine Straße nach ihm benannt.
In seinen Plastiken wird Lederer von dem US-Amerikaners Alexander Calders angeregt, einem Wegbereiter der Kinetischen Kunst. Dessen berühmte Drahtkonstruktionen ("Mobiles") lernt er auf der Biennale in Venedig kennen - und ist fasziniert. Er geht daran, Vorgänge der Natur, einfache Bewegungen der sich ständig verändernde Dinge auf abstrakte Art in eine Plastik zu übersetzten. Sein großes Ziel ist, Poesie, Schönheit, Klang und Kinetik eins werden zu lassen. In Kulmbach steht ein vorzügliches Beispiel hierfür.