Welch wunderbares Instrument ist doch die menschliche Stimme! Dies stellte die A-cappella-Formation Viva Voce am Sonntagabend in der Dr.- Stammberger-Halle eindrucksvoll unter Beweis. Mit ihrem flotten, abwechslungsreichen Programm begeisterte die Ansbacher Band die Besucher, die mitgingen, mitsangen, mitklatschten und sich dafür höchstes Lob vom Quintett einfingen: "Hier in Kulmbach ist so ein musikalisches Publikum!"

Das nahmen die fünf Stimm-Artisten anfangs genau unter die Lupe, mischten sich unter die Zuschauer, begrüßten "die Katrin aus Kupferberg" und "den Horst aus Bayreuth", waren enttäuscht, dass Cornelia und Achim "nicht freiwillig" gekommen waren: "Die sind nur hier, weil sie ihre Karten als Weihnachtsgeschenke bekommen haben!"

Von Jazz bis Techno

Danach erklärten sie denen, die es noch nicht wussten, was a cappella bedeutet und dass sie keine Instrumente brauchen, weil sie Spezialisten haben, die deren Rolle übernehmen. Zwei Bandmitglieder führten dies anschließend sehr effektvoll vor: Jörg Schwartzmanns imitierte mit seiner Stimme ein Schlagzeug-Set mit allem, was dazu gehört, und Heiko Benjes präsentierte sich als lebender Bass. Beide nötigten den Zuhörern einen grandiosen Applaus ab. Unter der Begleitung der beiden "menschlichen Instrumente" gaben David Lugert, Bastian "Basti Funtasti" Hupfer und Mateusz "MaTe" Phouthavong einen Einblick in diverse Stilrichtungen, von Rock 'n' Roll über Jazz bis zu Techno.

Ob die fünf Sänger in der Folge einen Chart Block mit den Hits des Jahres 2012 präsentierten, einen Einblick in die Klassik mit "O Fortuna" aus der szenischen Kantate "Carmina Burana" von Carl Orff gaben oder sich als Kinder der 90er Jahre outeten und dabei Hits von den Scorpions über die von Boygroups und Girlgroups bis hin zu Reggae-Songs vorstellten: Die fünf Vokalakrobaten kamen einfach an.

Sie zeigten sich in der Dr.-Stammberger-Halle aber nicht nur als exzellente und sangesgewaltige Stimmkünstler, sie überzeugten vor allem durch ihre sympathische Art. Die glänzend abgestimmte Choreographie, Lichtregie mit dezenten Blau- oder Rottönen, wenn nötig auch mal mit krachenden Farbeinlagen, ein dezentes Laserspiel und zarte Nebelschwaden taten ein Übriges, für einen rundum gelungenen Abend zu sorgen.

Eigene Stücke

Nicht zu vergessen die eigenen Stücke der A-cappella-Band, die sich vor allem durch ihre tiefgründigen Textpassagen auszeichnen. So preisen sie Freiheit als höchstes Gut, stellen klar, dass Besitz immer auch besessen macht und werfen die Frage auf: Was ist wirklich wichtig im Leben? Viva Voce entführte die Zuhörer in die indische Klangwelt eines Gewürzbasars.

Als fränkische Gruppe ließen sie "fränkische Helden" hochleben, Albrecht Dürer und Dirk Nowitzki: "Das sind die mit den begnadeten Händen!" Und dann stimmten sie ein Lied an zur Melodie von "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist" auf den schönsten Mann im Staat: Karl Theodor zu Guttenberg. Logisch, dass das Publikum mit Begeisterung mitging.

Einer der rund 450 Begeisterten ist Jörg Schmidt: "Das ist einfach überwältigend, sowohl von der Show her, die sie hier geboten haben, als auch von der gesanglichen Qualität. Jeder, der singt, weiß, wie schwer es ist, ohne Noten zu singen. Und dann noch die Choreographie. Das ist der Hammer!" konstatierte der Stadtsteinacher, der in dem Frankenwaldort die Gruppe "Akustica" leitet, nach dem Konzert. "Ich bin selbst Chorleiter. Ich weiß, was das heißt, so etwas einzustudieren!"

Ein Lied für Kumbach

Und dann gab's für die Besucher nach mehreren Zugaben auf der Bühne noch eine Weltpremiere als besonderes Highlight im Foyer: Das Quintett hatte extra für die Bierstadt ein Loblied auf Kulmbach einstudiert. Und das kann man sich unter www.viva-voce.denochmals anhören.