Wenn Klaus Jäckle Gitarre spielt, breitet sich ein Zauber aus. Das Kulmbacher Konzertpublikum erlebte Virtuosität und Einfühlungsvermögen, entspannenden Klänge, die zum Täumen einluden und temperamentvolle Weisen, die mit ihren aus dem Instrument "herausgekitzelten Tönen" für Staunen sorgten.

Freunden der Gitarrenmusik wurde in der Spitalkirche ein hochkarätiges Konzert geboten. Klaus Jäckle wollte die Tradition der Kulmbacher Gitarrentage, die der verstorbene Eddie Hürdler sieben Mal in Kulmbach durchgeführt hat, aufnehmen. Er zauberte auf seinem Instrument und verzauberte die Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton.

Tatsächlich ist Klaus Jäckle ein Künstler der Extraklasse. Er hat schon für Herbert von Karajan, für die Prinzessin von Tonga und in der Berliner Philharmonie musiziert. Doch die Biografie weist noch mehr Höhepunkte auf. Jäckle ist ein Schüler von Francisco Tárrega. Außerdem hatte er Unterricht bei Nikolaus Harnoncourt und Clemens Hagen (Hagen Quartett).

Ein vielseitiger Künstler

Freunde der leichteren Muse kennen Klaus Jäckle vom Gesangsduo "Marshall und Alexander". Klaus Jäckle begleitet die beiden großen Stimmen seit Jahren bei ihren Tourneen, wurde deshalb sogar schon mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

In Kulmbach präsentierte Jäckle ein buntes Programm, das Potenzial hatte, jeden einzelnen Konzertbesucher zu begeistern. Den Auftakt gestaltete er mit "Expanoletas-Canarios" von Gaspar Sanz sehr tänzerisch. Das Stück stammt aus der Barockzeit. Doch Jäckle bewies Temperament und eroberte auf Anhieb die Herzen der Kulmbacher. Anspruchsvoll war die Fantasie d-Moll von Silvius Leopold Weiß, dem Lautenlehrer von Markgräfin Wilhelmine. Wunderschön intonierte Jäckle auch die Fantasie über Webers letzten Gedanken, ein Liebeslied oder das Capriccio von Johann Kaspar Mertz.

Mit eigenem Stil

Natürlich hat Jäckle auch den wohl bekanntesten Gitarrenkomponisten der Welt im Repertoire: Isaac Albéniz. Jedes hochklassige Gitarrenkonzert huldigt diesem Komponisten. In einer eigenen Bearbeitung spielte Klaus Jäckle "Asturias", "Córdoba" und Sevilla. Die Werke sind eine Hommage an das Heimatland der Gitarre.

Echte Höhepunkte des Konzertes waren Francisco Tárregas "Capricho Arabe" und "Gran Jota" oder Mateo Rodriguez' "La Cumparsita", ein Tango der Extraklasse.

Doch mit der Gitarre lässt sich auch Musik, die eigentlich nicht für Gitarre geschrieben ist, intonieren. Dies zeigte Klaus Jäckle in meisterlicher Weise bei seiner eigenen Interpretation von Klavierkompositionen: Frédéric Chopins Etude op. 10 Nr. 3 "Tristesse" und Robert Schumanns "Träumerei" aus op. 15. Die Werke bekamen durch den eigenen Klang der Gitarre einen außergewöhnlichen Duktus: schön und hörenswert.

Zu einem einzigartigen Konzerterlebnis machte Klaus Jäckle auch Agustin Barrios "Barcarola". Der Komponist aus Paraguay gilt als einer der ersten Gitarrenvirtuosen Südamerikas - und Klaus Jäckle sorgte mit seinem virtuosen Klangzauber dafür, dass die Kulmbacher Konzertbesucher diese Besonderheiten auch mit jedem Ton wahrnehmen konnten.

Im Rahmen der Gitarrentage hatte Jäckle mit Schülern des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums einen Workshop gestaltet, der mit einem weiteren kleinen Konzert in der Pausenhalle der Schule abgeschlossen wurde.