Wenn echte Roller über das Kopfsteinpflaster der Altstadt brettern, wenn sich das Zweitakt-Tuckern mit dem Duft von Pizza, Pasta und anderen italienischen Spezialitäten mischt, dann ist Bella Italia auch in Oberfranken zu Hause.
So bunt und vielfältig wie in diesem Jahr war das von Robert Weichardt organisierte Kulmbacher Vespa-Treffen noch nie. Denn immer mehr Scooter-Fahrer kommen und präsentieren ihre Schätze, und immer mehr Fans bewundern die älteren und jüngeren Gefährte. In diesem Jahr reichte der Platz vor dem Rathaus bei weitem nicht aus, sondern die Roller parkten auch noch entlang des Marktplatzes. Und jedes der Zweiräder, manches mit Beiwagen, hat eine besondere Geschichte.

"Il Presidente" Roberto Carbone (45) vom Bayreuther Vespa-Club führt mit seinem auffälligen gelben Roller ("Natürlich eine Vespa, was sonst?") den Korso aus Bayreuth an. Und dass später bei der Ausstellung dann auch einige andere Marken wie Piaggio, Zündapp oder Heinkel unter den Vespas sind, wird gerne akzeptiert. Da sind die Scooterfreunde offen. Hauptsache, die Gefährte haben Geschichte und sind aus Blech.
Rund achtzig Vespa-Fans sind aus Bayreuth nach Kulmbach gerauscht. Viele andere aus der ganze Region kamen hinzu. Denn das Vespatreffen ist längst kein Geheimtipp mehr. Und so gab es vor dem Rathaus und auf dem Marktplatz dann rund 200 "Wespen" zu sehen - in allen Bonbonfarben, mit und ohne Rost, originalgetreu oder neu aufgebaut, historisch restauriert oder mit Fantasie aufgemotzt.

Ein Rot, das in der Sonne funkelt

Christina (44) und Jürgen Ordnung sind mit ihren roten Vespas gekommen - im Partnerlook. Zu Hause gibt es noch mehr fahrbare Untersätze. Jürgen fährt auf einer 200-er, Baujahr 1983, Christina hat eine 50- er. Welche schöner ist, lässt sich kaum sagen. Denn Jürgen Ordnung lackiert selbst - und hat einen Lack ausgewählt, der in der Sonne funkelt.
Es sind die Details, die auch denen, die nicht mitfahren, Freude machen und immer wieder die Fotoapparate klicken lasen: Trittbleche mit Vespa-Schriftzug in Tricolore, ein Helm in den italienischen Farben. Christina Ordnung hat auch noch eine passende Vespa-Tasche und sogar Vespa-Schuhe.
Ralph Aman aus Kulmbach kam mit einer weiß-blauen Piaggio. "Die hab ich in den Achtzigern gekauft, und das war damals die erste Vespa in Kulmbach. Sie hat 150 Kubikzentimeter und fährt 90 Stundenkilometer", erzählt der Besitzer. Seine Vespa habe ihm immer gute Dienste geleistet.

Alles noch originalgetreu

"Eigentlich war die Vespa damals nicht cool, die anderen hatten alle Motorräder", lacht Aman heute. Der Roller war beim Medizin-Studium in Erlangen dabei, in der Schweiz und sogar in Paris, in Rom und Florenz. "Zwei Mal war ich am Gardasee", erzählt der Vespa-Narr - und berichtet von Brenner-Überquerungen und davon, dass die Vespa nie einen Aussetzer hatte. Alles ist noch originalgetreu.

Wolfgang Zink (51) aus Münchberg hat seine orangefarbene Zündapp, Baujahr 1976, komplett restauriert. Ich habe die Maschine für fünfzig Mark gekauft und dann über Anzeigen in der Bayerischen Rundschau alle Ersatzteile zusammengesucht", berichtet Zink. Noch drei weitere Maschinen musste er kaufen bis der Zündapp-Blechroller wieder ein Schmuckstück war. "Ich fahre diese Zündapp nur ein Mal im Jahr und nur bei schönem Wetter. Ich habe geschaut, ob das Wetter mitmacht", sagt Zink. Kein Tröpfchen Regen darf an sein Prunkstück.
Geschichten haben fast alle Vespafahrer zu erzählen. Tizian Göldner ist mit seinen drei Jahren zum ersten Mal dabei. Mit seinem Papa Adrian und Mama Ute ist die ganze Familie aus der Herlas in die Stadt gekommen. "Die Vespa habe ich im Internet gekauft", sagt Göldner und freut sich über bewundernde Blicke.
Einer der jüngsten Vespa-Fahrer ist Luca Blindzellner, 17 Jahre alt und Schüler des MGF-Gymnasiums. "Ich fahre immer mit der Vespa in die Schule. Die haben mein Vater und ich neu aufgebaut", erzählt der Gymnasiast. Die Farbe - Himmelblau - ist nicht original. Die hat sich der Zehntklässler aus dem Katalog ausgesucht.

Feiern bei der italienischen Nacht

Das Vespa-Treffen mündete in eine lauschige italienische Nacht auf und um den Marktplatz. Die Kultband "Napoli Latina" sorgte mit einem Mix aus lateinamerikanischen Rhythmen und italienischer Kult-Musik dafür, dass die Gäste gerne länger blieben und bei der italienischen Nacht mitfeierten.