Nach zweiwöchiger Pause wurde gestern vor der Großen Strafkammer des Landgerichts die Verhandlung wegen versuchten Totschlags gegen den 36-Jährigen abgeschlossen, der im Dezember einen 51-Jährigen in dessen Wohnung zusammengeschlagen und ihm dabei lebensgefährliche Verletzungen beigebracht hatte. Das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Michael Eckstein befand den Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Das Urteil fiel mit sechs Jahren Haft sehr hart aus - nicht zuletzt deshalb, weil der Mann brutal zugeschlagen hat und massiv einschlägig vorbestraft ist. Nicht weniger als 13 Vorstrafen, darunter sieben Körperverletzungen und eine sexuelle Nötigung, hat er bereits auf dem Kerbholz. Das Schwurgericht ordnete auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an - wegen der akuten Alkohol- und Drogenprobleme des Mannes.

Therapie oder Verwahrung

In das Urteil wurde deshalb ein Vorbehalt eingebaut: Sollte der 36-Jährige die Suchttherapie vorzeitig abbrechen, wird umgehend eine Sicherungsverwahrung angeordnet. Das heißt, der Angeklagte wird dann wegen seiner Allgemeingefährlichkeit weggesperrt.

Im Mittelpunkt der gestrigen Verhandlung standen zunächst die Vernehmung des ermittelnden Polizeibeamten der Kripo Bayreuth und die Verlesung der Niederschrift über die richterliche Einvernahme des Hauptgeschädigten. Nachdem dieser jetzt in Beckum wohnt und zur Verhandlung nicht reisefähig war, hatten sich Richter Michael Eckstein und Verteidiger Alexander Schmidtgall nach Nordrhein-Westfalen begeben, um das Opfer an seinem Wohnort zu befragen. Der Kriminalhauptkommissar berichtete von den Ermittlungen. Bei den Schilderungen der an dem Vorfall Beteiligten habe sich schnell herausgestellt, dass diese der Polizei eine Lügengeschichte auftischen wollten. Man hatte nämlich übereinstimmend angegeben, der Überfall und die anschließende Schlägerei gingen auf das Konto jugendlicher Ausländer im Kulmbacher Stadtpark.

Die Freundin des Angeklagten sorgte für einen Notruf. Mit der Feuerwehr wurde das Opfer aus dem ersten Stock eine Kulmbacher Wohnhauses transportiert, und in seiner Wohnung wurden dann auch auffällige Blutspuren entdeckt. Der Kriminalbeamte: "Die Vermutung lag nahe, dass die Wohnung der Schauplatz der Tat war. Wir haben zwar versucht, bei der Vernehmung weitere Angaben zu bekommen, aber die Beteiligten waren betrunken und hatten gewaltige Gedächtnislücken."

Aus Angst gelogen

In einer weiteren Vernehmung räumte der Geschädigte im Klinikum ein, dass er von dem Angeklagten zusammengeschlagen wurde, jedoch Angst vor dem Täter hatte. Der Angeklagte, der am zweiten Verhandlungstag ein Geständnis abgelegt hat, hatte sein Opfer mit Füßen und Fäusten sowie einem zerbrochenen Stuhlbein geschlagen. Bei seiner Vernehmung sagte der Geschädigte aus: "Ja, er wollte mich umbringen!" Er räumte ein, dass er den Angeklagten vielleicht auch provoziert habe.

"Was passiert ist, ist passiert"

An vieles konnte er sich aber auch bei seiner Vernehmung in Beckum nicht mehr erinnern. Er habe keine negativen Gefühle mehr für den Angeklagten und erstattete auch keine Anzeige: "Was passiert ist, ist passiert!" Immerhin wurden ihm an jenem Abend vor dem Nikolaustag im letzten Jahr neun Rippen gebrochen und weitere schwere Verletzungen zugefügt.

In seinem Plädoyer hatte Staatsanwalt Ludwig Peer keinen Zweifel, dass hier eine gefährliche Körperverletzung vorliegt und die Schuldfähigkeit gegeben ist. Die Verletzungen hätten zum Tode führen können. Dies haben auch die Sachverständigen bestätigt." Sieben Jahre Haft hielt der Staatsanwalt für tat- und schuldangemessen. Eine Sicherungsverwahrung wurde vom Staatsanwalt befürwortet, weil der Angeklagte aufgrund seiner Gefährlichkeit ein hohes Risiko für die Allgemeinheit sei.

Verteidiger Alexander Schmidtgall sprach von einer Spontantat seines Mandanten, der mit seinem Geständnis ("Das ist hoch zu bewerten") auch für eine schnelle Aufklärung gesorgt habe: "Er habe Reue gezeigt und sich auch zur Tat bekannt." Die Sicherungsverwahrung sei für ihn kein Mittel, sondern eher die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: "Ohne eine Therapie hat er keine Chance! Das hat er auch kapiert." Schmidtgall plädierte auf vier Jahre Haft und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der Angeklagte selbst bedauerte seine Tat: "Es tut mir leid, und ich bitte um meine letzte Chance."

Vom Sinneswandel überzeugt

Die Kammer sei davon überzeugt, so Richter Eckstein, dass bei dem Angeklagten ein Sinneswandel eingetreten ist: "Wir haben die Uhr für Sie nochmals auf eine Minute vor 12 Uhr zurückgestellt, aber es wird immer noch schwer genug werden für Sie."

Mit der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sieht das Gericht einen therapeutischen Ansatz, und im Urteil wurde die Sicherungsverwahrung vorbehalten. Eckstein: "Sie sollten sich im Klaren sein, dass die Brücke, die wir Ihnen gebaut haben, dann zum Einsturz gebracht wird, wenn Sie die Therapie nicht durchführen."
Der Angeklagte verzichtete auf Rechtsmittel und fiel nach dem Endurteil seinem Pflichtverteidiger um den Hals.