Regaib, Berat, Kadir. Kennen Sie nicht? Dann können Sie sich vielleicht vorstellen, wie es vielen Muslimen bei uns mit Pfingsten, Fronleichnam und Heilig-Drei-König geht. Denn Regaib, Berat und Kadir sind drei von zahlreichen muslimischen Feiertagen. Christen und Muslime leben in Deutschland zwar in enger Nachbarschaft - wirklich über die Kultur der jeweils anderen Bescheid wissen aber die Wenigsten.

Die interkulturelle Woche in Kulmbach soll daher beide näher zusammen bringen. Beim interkulturellen Gespräch gestern in der Moschee in der Oberen Stadt haben Pfarrer Traugott Burmann und Hodscha Ramazan Ölmez die Feiertage und Feste ihrer jeweiligen Religionen vorgestellt und zum Diskutieren eingeladen. "Wir wollen, dass sich Muslime und Christen besser kennenlernen", betont Ayhan Mazioglu von der türkischen Gemeinde in Kulmbach.

"Es ist sehr interessant, etwas über die muslimische Kultur zu erfahren. Gleichzeitig wurde auch viel über die christlichen Feste erklärt", so Gaby Höllein von der evangelisch freikirchlichen Gemeinde Kulmbach. Und so wurde dann auch im Anschluss an die Vorträge über die Feste und Feierlichkeiten weniger über die Referatsthemen selbst diskutiert, sondern verschiedenste Fragen rund um beide Religionen gestellt.


Gäste beim Mittagsgebet

Die rund 15 Besucher bestanden zur Hälfte aus muslimischen und zur Hälfte aus deutschen Besuchern. Hodscha Ramazan Ölmez konnte der Debatte über einen Dolmetscher, den Kulmbacher Salih Akyol, folgen. Er lebt erst seit kurzem in Deutschland, genauer gesagt in Lichtenfels. Ihn konnten die Besucher bereits vor der Diskussion im Mittagsgebet in der Moschee als Vorbeter erleben. Eigentlich fällt diese Aufgabe in Kulmbach Ibrahim Kefci zu. Der befindet sich allerdings auf Pilgerfahrt in Mekka.

Die türkisch-deutsche Verständigung soll nicht nur im Kopf bei der Diskussion und im Herz beim Gebet stattfinden, sondern auch im Magen. Das traditionelle interkulturelle Mittagessen in der Oberen Stadt hat daher auch die meisten Besucher angelockt. "Das ist mittlerweile Tradition bei uns", schwärmt Aydin Mazioglu. "Viele haben drauf bestanden, dass wir das wieder machen und dem sind wir natürlich gerne nachgekommen." Schließlich ist ein gemütliches Mittagessen die beste Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. "Und das Essen ist einfach toll", schwärmt Denise Kelker. Sie ist extra mit ihrer Mutter aus Bamberg gekommen, um am interkulturellen Mittagessen teilzunehmen. "Köfte, Pide, Pilavlar. Es war alles einfach wunderbar - und gemütlich. Wir haben uns total wohlgefühlt."


Pilger verabschiedet

Für die Türkische Gemeinde Kulmbach ist es von großer Bedeutung, jedes Jahr den Abschluss der Interkulturellen Woche ausrichten zu dürfen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass viele Familien dazu beitragen, das Buffet mit türkischen Spezialitäten zu bestücken. Von ganz besonderer Bedeutung freilich war der gestrige Sonntag aus einem anderen Grund: Am Vormittag wurden 20 Männer und Frauen verabschiedet, die die für Moslems so bedeutsame Reise nach Mekka antreten.

Für viele Menschen muslimischen Glaubens bleibt die große Pilgerfahrt - der Haddscha - lebenslang ein Traum, obwohl eigentlich jeder Moslem dem Koran zufolge verpflichtet wäre, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern. Aber: Die Reise ist kostspielig. Und die Zahl der Pilger ist beschränkt. Obwohl während des Haddsch bis zu fünf Millionen Menschen um die so genannte Kaaba, ein würfelförmiges Gebäude an zentraler Stelle der Pilgerstätte, ziehen, um die rituellen Gebete zu verrichten, sind es jährlich nur 5000 Menschen aus Deutschland, die sich dazu anmelden können. Wegen Bauarbeiten in Mekka wurde das Kontingent in diesem Jahr sogar auf 4000 reduziert.

Der Tradition folgend nutzten gestern viele Angehörige und Freunde die Gelegenheit, sich von den Pilgern zu verabschieden: "Das ist so Brauch", erläutert Ayhan Mazioglu. "Die Reise ist lang und anstrengend. Man weiß nicht, ob man sich wiedersieht - und bittet deshalb um Verzeihung für das, was man im gegenseitigen Umgang womöglich falsch gemacht hat."