Hinterrücks erschossen, durch vier Flintenschüsse. Ein Doppelmord, der einem 32- und einem 38-Jährigen das Leben kostete.

Gefahren drohen in Frankens Wäldern eigentlich nicht. Nicht mehr als an anderen abgeschiedenen Orten. Anders vor zwei Jahrhunderten. Wildbret war einer privilegierten Oberschicht vorbehalten. Wilderei wurde hart bestraft. Die Gefahr, dabei gestellt zu werden, war groß. Und das Aufeinandertreffen von Forstpersonal und Wilderer nahm nicht selten ein tödliches Ende.

Carl Weinreich hieß der 32-jährige Forstaufseher, im Dienste des Königs von Preußen. Sein Begleiter war Philipp Pfaffenberger, ein Bauer aus der Umgebung. Beide hatten am 4. Mai 1806 Wilderer stellen wollen - im Limmersdorfer Forst.

Sühnekreuz nicht gefunden

Unsere Pfeil-Reise in das rund 3500 Hektar große, zusammenhängende Waldgebiet zwischen Thurnau und Bayreuth führt uns zu ihrem Grab, das ausgeschildert ist. Ein offenes Fachwerkhaus mit Tisch und Bänken, ein paar Schritte weiter der sarkophagartige Grabüberbau. Die Inschrift im Sandstein ist gut zu lesen. Die Gedenkstätte mitten im Wald, an der die Ermordeten fünf Tage nach der Tat ihre letzte Ruhe fanden, wurde mehrfach saniert, zuletzt vor zwölf Jahren durch die Bayerischen Staatsforsten, die rund 3000 Hektar des Forstes betreuen.

Die Täter wurden nie gefunden. Ebenso ergeht es uns mit dem Tatort. Der sogenannte Weinreichsstein, ein Sühnekreuz, das noch heute den Platz der Bluttat markiert, befindet sich laut Wegweiser 3,5 Kilometer entfernt. Wir folgen dem Schild, doch der Stein bleibt verborgen.

"Es ist herrlich hier"

Auf der Suche nach einer gängigen Route mit dem Wagen zum Einschlagort des Pfeils entdecken wir dafür an einem leicht abschüssigen Schotterweg drei Betonbunker mit römischen Ziffern versehen. Die vom Menschen geschaffenen Hügel sind mit Moos, Sträuchern und Bäumen überwachsen, an den Eingängen machen sich Äste mit reifen Brombeeren breit.

Ich ziehe an der Eisentür von Bunker I, einfach mal so. Dass sie nicht verschlossen ist, damit rechne ich nicht. Schließlich hängt da ein Schild: "Betreten und Beschädigen der Anlage verboten. Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt."

Alaska-Seelachs?

Aber das Eisentor bewegt sich leichtgängig und gibt den Zugang frei. Innen stehen zwei weitere Panzertüren schon offen. Der Bunker ist etwa sieben, acht Meter lang. Er endet in einem kleinen dunklen Raum. Auf dem Boden liegen zwei Holzpaletten.

In Zeiten des Kalten Kriegs wurden in den Bunkern vermutlich Munition und Sprengstoff deponiert. In Bunker I ist aktuell nichts gelagert. Nur ein paar aufeinandergestapelte Plastikeimer mit dem Aufdruck "Alaska-Seelachsschnitzel - 10.000 g".

Ich verlasse den angenehm kühlen Bunker, schließe die Tür und fahre mit Fotografin Barbara Herbst an die Stelle, an der der Pfeil die Karte traf. Dort wächst dichter Fichtenwald. Mittlerweile eine Ausnahme im Limmersdorfer Forst. Der Umbau zu naturnahen Mischwäldern ist hier sehr weit fortgeschritten.

Nicht weit vom Pfeil entfernt finden wir eine Vegetation, für die das Waldgebiet bei Naturschützern bekannt ist. Bachläufe umsäumt von Erlen, Eschen und Schilf, daneben gemähte Wiesen, die regelmäßig überflutet sind: ein seltener Feuchtlebensraum, in dem laut Experten noch Kammmolch oder Bachneunauge zu finden sind.

Historische Waldhütte

Menschen treffen wir an diesem Tag zunächst nicht. Das ändert sich, als wir nach ein paar Irrwegen das Ausflugslokal Waldhütte im Süden erreichen. Auf dem großen geschotterten Platz an der ehemaligen Markgräflichen Försterei "Waldhütte", gegründet um 1750, verweilen wieder die Ausflügler, nachdem die Bayerischen Staatsforsten den Gastronomiebetrieb saniert und vor zwei Jahren neu verpachtet haben. Schon Richard Wagner soll hier eingekehrt sein. Otto Wölfel aus dem nahen Örtchen Simmelbuch, ehemaliger Forstarbeiter, sitzt an der Wirtshauswand am Eingang. "Es ist herrlich hier", sagt der 78-jährige Stammgast. Die anderen Gäste seien aber "nicht einheimisch".

Richtig. Die Wandergruppe mit 20 Personen am Ende des Biergartens zum Beispiel kommt aus Gößweinstein. "Wir wandern jeden Dienstagnachmittag und kehren dann ein", erzählt Josef Wendler. Ein regelmäßiger privater Ausflug befreundeter Senioren, Sommer wie Winter, seit 2009. Beim Einkehren werde immer das Ziel der nächsten Woche besprochen. Und wenn es mal regnet? "Dann treffen wir uns und machen einen Bilderrückblick", sagt Wendler und lächelt entspannt.