Der plötzliche Tod der langjährigen Schatzmeisterin hat die Mitglieder des Gesangvereins "Liederhort" Ludwigschorgast zutiefst betroffen gemacht. Wenige Wochen danach sind sie sprachlos: Die Kassiererin hat vor ihrem selbst gewählten Ableben fast das gesamte Vereinsvermögen veruntreut. Vorsitzender Michael Rief bestätigt das auf Anfrage.

"Seriös, kollegial und immer mit vollem Einsatz für den Verein" - so beschreibt Michael Rief seine Vorstandskollegin, mit der er im Jahr 2007 an die Spitze des Ludwigschorgaster Traditionsvereins gerückt war. Dass es einmal zu ernsten Unstimmigkeiten mir ihr kommen könnte, das hat der 37-Jährige nicht für möglich gehalten. "Das hätte ich nie und nimmer gedacht."

Es geht um rund 5000 Euro

Umso entsetzter waren er und seine Vorstandskollegen des Gesangvereins, als sie nach dem überraschenden Ableben der Schatzmeisterin die Kassengeschäfte fortführen wollten: Fast das gesamte Vereinsvermögen des "Liederhort" ist verschwunden. Michael Rief spricht von "zirka 5000 Euro". Dabei handelte es sich um Barmittel, aber auch um verzinst angelegtes Geld.

Was die Kassiererin mit dem Geld gemacht hat, darüber kann nur spekuliert werden. Michael Rief will sich dazu nicht äußern.

Allerdings hat er umgehend die Aktiven des Vereins im Rahmen einer Singstunde informiert. Die passiven Mitglieder des Ludwigschorgaster Vereins wurden schriftlich unterrichtet.

Geprüfter Jahresabschluss

In dem Schreiben wird unter anderem darauf verwiesen, dass der Verein "beim letzten erstellten und geprüften Jahresabschluss zum 31.12.2013 noch auf einen soliden Geldbestand zugreifen konnte", davon nun aber nichts mehr vorhanden sei. "Die Überprüfung aller Kassenunterlagen und Kontoauszüge hat leider ergeben, dass die fehlenden Beträge nicht für Zwecke des Gesangvereins eingesetzt wurden. Es ist deshalb von einer Veruntreuung auszugehen, wodurch dem Gesangverein durch die verstorbene Kassenverwalterin ein erheblicher Schaden entstanden ist", heißt es weiter.

Michael Rief verweist ferner auf rechtliche Schritte, die vom Verein eingeleitet wurden und auch eingeleitet werden mussten, da andernfalls die Gemeinnützigkeit auf dem Spiel stehen würde.

Außerordentliche Mitgliederversammlung

Außerdem hat Rief in Absprache mit den Vorstandskollegen zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Sie wird am kommenden Sonntag um 14.30 Uhr im Gasthof Schicker in Ludwigschorgast stattfinden.

In der offiziellen Einladung dazu ist ganz sachlich von Berichten des Vorsitzenden und der Kassenprüfer die Rede. Michael Rief, der hinter den Vorgängen sehr wohl eine menschliche Tragödie sieht, will alle Mitglieder umfassend über die Geschehnisse informieren, aber auch Ideen vorstellen, wie der Verein seine Liquidität sichern kann - Zuschüsse und Spenden werden dabei wohl eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Ferner will man Sparvorschläge erörtern. Und auch die Möglichkeit zur Aussprache wird es geben.

Vorrangig geht es beim "Liederhort" nun um die Aufrechterhaltung des Vereinsbetriebs, wozu finanzielle Mittel erforderlich sind. Unter anderem muss der Chorleiter bezahlt werden, es sind Mitgliedsbeiträge an übergeordnete Organisationen zu entrichten. "Das sind keine Unsummen", sagt Michael Rief, "aber immerhin Fixbeträge".

Die nötigsten Ausgaben gedeckt

Für die nächsten beiden Monate habe man die Kostendeckung erreichen können. Der Vorsitzende ist zuversichtlich, dass das auch für den Rest des Jahres geschafft werden kann. Spenden erhoffen sich die Aktiven unter anderem von einem seit langer Zeit geplanten Konzert des "Liederhorts", das für 14. Dezember angesetzt ist.

Nachfolger-Suche

Was den Posten des Schatzmeisters im Verein angeht, halten sich die Ludwigschorgaster an die Satzung. Die besagt, dass ein Mitglied der Vereinsführung die Kasse bis zur nächsten Wahl im Frühjahr 2015 übernimmt. Beim "Liederhort" führt vorerst Michael Rief die Geschäfte. Sollten die Mitglieder aber schon am kommenden Sonntag einen neuen Kassier wählen wollen, steht dem auch nichts entgegen.

Derweil geht Michael Rief davon aus, dass er und seinen Vorstandskollegen in Ruhe mit potenziellen Kandidaten reden können. "Immerhin muss der Nachfolger seine Arbeit ja auch freiwillig und gerne machen."