Ulrike Gote, Landtagsabgeordnete der Grünen, und Valentin Motschmann, der für die Partei in den Bundestag einziehen will, wollten mit der Aktion die Menschen "wachrütteln": "Die Botschaft des Schulamtes und der staatlichen Stellen ist: Die Mittelschulen sind bis 2016/17 sicher. Da muss man doch fragen - und dann?", sagt Ulrike Gote, die auf die bayernweite Aktion "Wir lassen die Schule im Dorf!" verweist. Auch in anderen Orten sammle man Unterschriften - damit sich am Schulsystem etwas ändert.

"Im Landkreis Kulmbach sind die Mittelschulstandorte Marktleugast und Neudrossenfeld sowie Stadtsteinach betroffen. Bei den Grundschulen trifft es Kasendorf, Burghaig, Melkendorf, Presseck, Trebgast und Marktschorgast", warnt Gote. Kleinere Schulen drohe schon früher das Aus.

Richtig eng

Gote betont, dass man sich auf nachprüfbare Zahlen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbandes berufe. "Wir haben uns die Zahlen nicht ausgedacht. " Wenn das Schulsystem so bleibe, werde es für die einzügigen Schulen ab dem Jahr 2016/17 richtig eng, vermutet sie. "Sie werden Schwierigkeiten haben, siebte Klassen zu bilden, weil immer noch mehr Schüler aufs Gymnasium, an die Realschule oder an die Wirtschaftsschule wechseln. Deshalb muss sich etwas ändern."

Was, ist für Gote klar: Mehr Gemeinschaftsschulen, mehr Sekundarschulen. Ulrike Gote ist fest davon überzeugt, dass der Schulstandort Stadtsteinach, wenn hier nur die Grund- und Mittelschule angesiedelt sind, sich nicht lange halten wird. "Ich würde dann dem Bürgermeister sogar abraten, eine neue Turnhalle zu bauen und diese große Investition zu tätigen. Denn die wird dann leer stehen", sagt Gote.

Bei Marco Birner fällt ihre Argumentation auf fruchtbaren Boden. Er ist einer der ersten, der die Liste unterschreibt. "Wir brauchen doch die Schule hier am Ort. Unser Bürgermeister weiß das auch. Und schließlich wollen wir doch eine Turnhalle bauen", sagt er.

"Wahlpropaganda"

"Die Schule ist nicht in Gefahr" sagt hingegen Schulleiter Michael Pfitzner, und bezeichnet die Aktion als Wahl-Propaganda. Ähnlich sieht es Jürgen Vonbrunn, der Leiter des Staatlichen Schulamtes. Er spricht von einer "Luftnummer", die der Mittelschule in Stadtsteinach mehr schadet als nützt. Zwar sei Stadtsteinach mit aktuell 86 Schülern derzeit das schwächste Mitglied im Schulverbund. "Aber bis 2017/18 ist der Standort absolut gesichert", betont Vonbrunn. Für die Unterschriften-Aktion, die geeignet sei, die Eltern sehr zu verunsichern, gebe es keinerlei nachvollziehbare Grundlage.