Vorsitzender Richter Hans-Jürgen Held verkündete nach nur zwei Stunden das Urteil: Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie eine Geldauflage von 3000 Euro, die an den Deutschen Kinderschutzbund in Bayreuth zu zahlen ist.

Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. "Es tut mir sehr leid, ich wollte die Lieferanten nicht betrügen. Jetzt weiß ich, dass ich Fehler gemacht habe. Ich wollte mich nicht bereichern, sondern ich habe alles gegeben, um das Unternehmen vor der Insolvenz zu retten", so der Angeklagter.

Am Mittwoch wurde noch ein früherer Geschäftsführer einer Lieferfirma in den Zeugenstand gerufen. Er verwies auf langjährige Geschäftsbeziehungen mit der Firma des Angeklagten, bezeichnete das Unternehmen als einen "Leuchtturm in der Branche und in der Region". Der jährliche Warenumsatz lag immerhin bei rund einer halben Million Euro. Als 2008 die ersten Zahlungsschwierigkeiten auftraten, wurden Zielvereinbarungen getroffen, die auch eingehalten wurden.

Schneeballsystem

Bis Oktober 2008 waren die Forderungen bei der Firma auf nahezu 100.000 Euro angewachsen. "Wir waren alle in einem rollenden Schneeballsystem drin. Wenn die Seifenblase geplatzt wäre, dann wäre es auch um Arbeitsplätze gegangen", sagte der Zeuge auf die Frage, warum weiter Waren geliefert wurden. "Wir saßen alle in einem Boot. Wenn wir nicht liefern, kann die KG einen begonnenen Auftrag nicht ordentlich abschließen und auch keine Schlussrechnung stellen." Zur Ehrenrettung des Unternehmers sagte der frühere Geschäftsführer: "Alles, was er gesagt hat, hat er auch eingehalten."

Oberstaatsanwalt Peter Glocker zeigte in seinem Plädoyer auf, dass der Angeschuldigte noch versucht habe zu retten, was zu retten war. Die objektive Zahlungsunfähigkeit sei mit dem 31. August 2008 eingetreten, und der Unternehmer kannte die Zahlungsschwierigkeiten. Insofern sprach der Staatsanwalt von einem bedingten Vorsatz. Rechtlich gesehen war es eine Tat mit nunmehr 36 tateinheitlichen Fällen. Ein besonders schwerer Fall von Betrug scheide aus, weil der Angeschuldigte nur mit bedingtem Vorsatz gehandelt habe. Zu seinen Gunsten sei zu werten, dass er sich in der Hauptverhandlung kooperativ zeigte. Insgesamt sprach der Staatsanwalt von einem Gesamtschaden von 256.222 Euro und forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie eine Geldauflage von 5000 Euro.

Alles auf eine Karte gesetzt

Verteidiger Tobias Liebau räumte ein, dass sein Mandant die kaufmännische Seite sicherlich etwas vernachlässigt habe, sich aber täglich mit hohem Risiko für sein Unternehmen und dessen Mitarbeiter eingesetzt habe. Die Ursachen in der wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens gehen auf erhebliche Zahlungsausfälle vergangener Jahre zurück. Sein Mandant habe letztlich alles auf eine Karte gesetzt und dabei nicht nur den Familienbetrieb verloren, sondern auch sein privates Vermögen und seine Altersversorgung."Er will nochmals neu durchstarten und muss arbeiten, bis er umfällt."

Rechtsanwalt Liebau hielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten für angemessen. Die Geldauflage sollte bei 3000 Euro liegen.

Dem schloss sich dann auch die Wirtschaftsstrafkammer an. Dem Angeschuldigten bescheinigte Richter Hans-Jürgen Held, dass nicht darauf aus war, Dritte zu schädigen. Sowohl der Angeschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil sofort rechtskräftig.